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Kapitel 01 - Marvin Hart

Der Crussader Orden war seit seiner Gründung immer wieder ein Angelpunkt für Problemlösungen.

Doch es kam, auch wenn die meisten Probleme friedlich zu lösen waren, vereinzelt zu gewaltsame Konflikten. Viele waren nur vereinzelte Geplänkel und die seltensten konnten als größere Kriege bezeichnet werden.

Der sogenannte Graznah Konflikt involvierte zwei Crussader im Besonderen. Dieser Konflikt war es eigentlich nicht wert wirklich als Krieg bezeichnet zu werden, da dessen Ausbruch rechtzeitig verhindert werden konnte.

Nach diesem Konflikt brach eine reine Zeit des Friedens an.

Doch da dabei zwei von drei der berühmtesten Meister seit Hiko Hiroshi bei dieser Auseinandersetzung zugegen waren ist er es durchaus wert näher betrachtet zu werden auch wenn er im eigentlich nur eine Vorspiel ist und nur am Rande mit den kommenden Ereignissen zu tun hat.

Wenn man die Leute fragen würde, wer die bekanntesten Mitglieder des Crussader Ordens wären so bekämme man immer die gleichen drei Namen als Antwort.

Meister Abraham Rowan. Der Großmeister des Crussader Ordens seit 2621. Der am längsten amtierende Großmeister den der Orden je hatte und das nicht ohne Grund. Rowan war sehr schnell in der Ordnung des Ordens heraufgestiegen. Er war ein wahrer Meister im Umgang mit dem Schwert und viele dachten er würde ein hervorragender Wächter dennoch entschied er sich für den Weg eines Gelehrten. Er verstand es hervorragend sich mit anderen zu einigen und sein können für Strategien und Planungen war nahezu einmalig. Er wurde erst ein Mitglied des Konzils und fast zwei Jahre später löste er den Großmeister Fred Nate ab, der bei einem Unfall ums Leben kam. Einstimmig wählten ihn die Mitglieder des Konzils auf diese Position, wenn auch gleich er jünger war als die Meisten von ihnen. Es erwies sich jedoch als die Richtige Entscheidung, da Rowan maßgeblich daran beteiligt gewesen war zu verhindern das der Crussader Orden an die Regierung angegliedert wurde. Mittlerweile war er bereits 64 Jahre alt aber immer noch stark in seinem Amt.

Doch falls Rowan einmal den Orden verlassen würde gab es jemanden der ihn ersetzen würde. Meister Fargos Muldoon. Trotz seiner Zeit als Gelehrter des Ordens hatte Rowan sich nur einmal eines Novizen angenommen. Muldoon war schon zu seiner Schulzeit recht begabt gewesen, anders als bei seinem Meister lagen seine Talente zu einhundert Prozent in der Verhandlung.

Rowan galt schon als Experte doch Muldoon übertraf ihn sogar noch darin. Es war als wüsste er immer was sein Gegenüber sagen würde und als hätte er sich Stunden darauf vorbereitet. Es war unmöglich ihn unvorbereitet zu treffen. Muldoon war fast eben so schnell aufgestiegen wie Rowan vor ihm aber seit dem war er Mitglied des Konzils doch niemand zweifelte daran das er Rowans Nachfolger werden würde.

Sowohl Rowan als auch Muldoon waren beide Meister des alten Stiles. Wie auch schon Rowans Meister vorher. Meister Sid Waynes. Waynes war der letzte Meister der noch an dem alten Stiel fest hielt.

Vor etwa hundert Jahren, 2511, wurde eine neue Stielrichtung für das üben mit den Schwertern eingeführt. War der alte Stiel noch ansehnlich und wirkte ritterlich und durchdacht, so war der neue Stiel nur eine Spieler im vergleich mit dem alten. Der neue Stiel war eine Art von zur Schaustellung, die mehr schön als praktisch war und sich mehr oder weniger darauf bezog sich selbst zu verteidigen. Das war natürlich nichts schlechtes und die alten Stiele wurden ebenfalls noch gelehrt aber zur Anwendung in Übungen und Tests kam es nur für die neuen Stiele.

Dritter und beliebtester Crussader war uneingeschränkt Marvin Hart. Marvin ging als der jüngste Meister der in den Reihen der Crussader diente in die Geschichte ein und das obwohl er noch nicht einmal die Abschlussprüfung absolviert hatte.

Es war als er und sein damaliger Meister Fargos Muldoon von einer Trainingsmission von den äußeren Sektoren wiederkamen. Sie erhielten einen Notruf von einem der Monde des Planeten Ergos im Graznah System, auf dem es zu einem Aufstand der Minenarbeiter in den Bergwerken gekommen war.

Während einer Rettungsmission stürzte das Shuttle von Muldoon und Marvin ab und beide wurden voneinander getrennt. Während es Muldoon gelang die geretteten Mitglieder der Bergbau Kommission hinter die befreundeten Linien zu bringen, schlug sich Marvin durch die gegnerischen Linien.

Irgendwoher hatten den ursprünglichen Bewohnern des Mondes, die von den Bewohnern von Ergos als Unterklasse Arbeiter eingesetzt wurden, Waffen bekommen und sich gegen ihre Herren aufgelehnt. Die Crussader waren mit einigen Meistern auf den Planeten gekommen um nach einer friedlichen Lösung zu suchen, doch die Ergonier wollten stärke demonstrieren.

Sie hatten Entsatzungstruppen auf den Mond geschickt die auch für den Abschuss des Shuttles verantwortlich waren. Allerdings aus versehen.

Es war fast ein Wunder das Marvin es bis in das feindliche Lager schaffte und es ohne Waffeneinsatz schaffte die Minenarbeiter dazu zugbewegen die Feindsfelligkeiten einzustellen.

Eine wahre Meisterleistung für jemanden der noch ein Novize war und der eigentlich noch eine Menge Übung brauchte um so etwas vollbringen zu können.

Durch den Aufstand hatte die Interplanetare Allianz sich mit den Ergoniern in Verbindung gesetzt und gefordert, das den Minenarbeitern eine bessere Behandlung und ein neutrales Leben zuteil werden musste da es sonst zu einem Ausschluss von Ergos aus der Allianz kommen würde.

Auf der Erde wurde derweil auf ersuchen von Fargos Muldoon und unter Befürwortung von Abraham Rowan Marvin Hart zu einem Crussader Meister ernannt.



Ein Jahr später - 2664

Fargos Muldoon stand an dem Panorama Fenster das die gesamte Rückwand des großen Beratungssaals ausmachte. In diesem Saal beriet sich das Konzil an einem ovalen Tisch. Hier wurden wichtige Entscheidungen gefällt die alle Crussader betrafen.

Der Saal selbst war das absolute Gegenteil zu dem gesamten Gebäude. Vom aussehen her glich das Hauptgebäude des Tempelkomplexes einer alten Kirche aus dem Mittelalter.

Von innen war sie jedoch edel eingerichtet und Kunstvoll verziert. Das Zimmer des großen Beratungssaales war mit Marmor vertäfelt und gefliest wurden und ein paar imposante Marmorsäulen verliehen dem Raum mehr Größe.

Seit dem Einzug der Crussader hatte es einige Veränderungen gegeben. Eine Modernisierung war unbedingt notwendig gewesen so gab es jetzt viele Computer und andere technische Dinge die nötig waren den ganzen Orden zu Leiten, hier zu lernen oder ein Privatleben zu führen.

Als Crussader bekam man im eigentlichen Sinne keine Vergütung. Kost und Loge bekam man im Tempelkomplex und dieser wiederum wurde von der Regierung bezahlt. So hatten es Hiroshi und vonBerrow damals ausgemacht und dieses Gesetzt konnte nur außer Kraft gesetzt werden wenn die Crussader ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nach kamen.

Einige Crussader die über ein Familien oder Privatvergnügen verfügten lebten in New York City oder in einer anderen Stadt. Dabei handelte es sich aber nur um einen geringen Prozentsatz.

Die meisten der Crussader lebten im Tempelkomplex. Das waren vor allem die Schüler die in einem getrennten Gebäude hinter dem Hauptgebäude wohnten und die Novizen, die wie die höheren Mitgliedern im Haupthaus lebten. Auf dem Gelände gab es noch das Trainingsfeld, eine Art erhöhter Ring ohne Bande und eine Sport- und Übungshalle. Ein Lager, das in einem restaurierten Schrein lag und der Fuhrpark, der allerdings erst später dazu gekommen war und sich unterirdisch befand.

Aus Sicherheitsgründen war das gesamte Gelände mit einer massiven Mauer umgeben worden. Das war aber schon Ewigkeiten her und es war noch nie vorgekommen das sich jemand verbotenerweise Zutritt verschaffen wollte. Außerdem gab es auf dem Gelände duzende Ruinen von anderen ehemaligen Religiöseneinrichtungen. Einige Sichtbar einige versteckt von dem großen Wald der sich auf dem Areal erstreckte und früher einmal ein Teil des alten Central Parks gewesen war.

Für jeden Schüler, das wusste Muldoon noch gut aus seiner eigenen Zeit war das interessanteste jedoch unterhalb der Gebäude. Überall, unter dem Gebäudekomplex erstreckten sich duzende von Geheimgängen. Einige waren bereits erkundet worden, andere waren verschüttet oder nur von anderen stellen erreichbar. Es gab einige Stellen die noch nie jemand erkundet hatte und seit fast zehn Jahren war es verboten worden dort hinab zusteigen, da es dort instabile Stellen gab und niemand wollte das jemand verschüttet wurde.

Muldoon strich sich durch seinen langsam grau werdenden, blonden Bart und sah nachdenklich hinaus zu dem Trainingsfeld. Einige der Schüler trainierten dort und die Novizen machten sich bereit nach ihnen die letzte Trainingsstunde vor der großen Schwertprüfung anzutreten.

Er konnte Marvin sehen der mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf einem der Grashügel längsseits des Trainingsringes lag.

Natürlich war er der Einzige der so locker war, während die anderen Teils Nervös, teils unsicher noch einmal einige der Techniken miteinander probten.

Es stimmte schon, Marvin war wirklich äußerst begabt, er war beliebt und er war rein menschlich gesehen ein netter Kerl, doch er hatte auch negative Seiten. Zu einem seine Neigung Regeln und Befehle zu missachten und zum anderen seine eigenbrötlerische Art. Am liebsten war er alleine und er hatte nur zwei wirkliche Freunde. Duke Vorn und Min Tiros. Beide ebenfalls sehr fähige Crussader und Muldoon sah sie schon als zukünftige Meister.

Was ihm sorgen machte war das Marvin sich vielleicht nicht richtig eingliedern würde und ihm fehlte noch einiges an Praxis, vor allem im Umgang mit seinen Mitmenschen.

Das war auch der Grund gewesen warum Muldoon die anderen Mitglieder des Konzils darum gebeten hatte Marvin Hart auf seine Mission mit nehmen zu dürfen. Es wäre eigentlich nicht nötig gewesen aber Muldoon hatte sich in den Kopf gesetzt Marvin möglichst viel beizubringen bevor er seinen Status als Novize letzten Endes wirklich beendete und sich für einen der drei Crussader Wege entschied.

Natürlich ging er fest davon aus das Marvin ein Wächter werden würde. Etwas anderes kam für ihn nicht in Frage. In kritischen Situationen hatte Muldoon schon oft beobachtet das Marvin zwar erst auf den logischen Aspekt einer Konversation setzte, aber sofort das Schwert zog wenn er merkte das Reden nutzlos wurde. Muldoon erwartete nicht das sich das ändern würde.

Er selbst war weniger Tatenfreudig aber das war auch nicht gefragt. In den heutigen Zeiten waren Kriege, wirkliche Kriege fast undenkbar.

Friede war eine Konstante die jeder erhalten wollte.

Kleine Konflikte waren nicht auszuschließen. So wie bei Muldoons Auftrag.

Eine Rasse namens Cerotaner, hatte Probleme.

Auf ihrem Heimatplaneten waren die Ressourcen knapp geworden und so hatten sie einen der äußeren Planeten ihres Sonnensystems als Rüstungswelt auserkoren da dort die benötigten Ressourcen im Überfluss vorhanden waren.

Die Cerotaner waren überall wegen ihrer technischen Raffinesse bekannt. Sie liebten Elektronik und sie liebten es noch mehr daran herumzuspielen. Nach dem erbauen ihrer Werkstädten auf dem Planeten Minora 3, waren sie sehr schnell zu den führenden Produzenten von KI Maschinen geworden. Darunter Androiden, Arbeitsmaschinen mit künstlicher Intelligenz und Computersysteme.

Das Problem war nur das der Magistrat auf Minora 3 jetzt allen Anschein nach vor hatte den Hauptplaneten der Cerotaner, Gaulantra, zu unterwerfen.

Laut berichten des Geheimdienstes der Cerotaner hatte er begonnen sich selbst mit Kriegsmaschinerie einzudecken. Androiden und intelligente Kampffahrzeuge.

Die Cerotaner wussten das wenn sie sich auf einen Krieg mit dem Magistraten einlassen würden, konnte es zur Zerstörung der Waffenschmieden kommen oder schlimmer noch ihrer Heimat.

Deshalb hatte man sich an die Crussader gewandt. Man wollte um jeden Preis unnötigen Zerstörungen aus dem Weg gehen. Es war jemand erforderlich der sich als Unterhändler eignete. Wer war da besser als Muldoon? Wohl niemand.

“Hinterfragst du deine Entscheidung Fargos?”

Es war Abraham Rowan.

“Nein, nicht wirklich”, sagte Muldoon ohne seine Augen von draußen abzuwenden. “Ich frage mich nur was passiert wenn wir scheitern.”

“Nun, man wird euch mit Sicherheit nicht einfach so von dort gehen lassen. Es könnte ungemütlich werden.”

“Ich weiß, aber das macht mir ehrlich gesagt keine Sorgen. Marvin kann kämpfen und so eingerostet bin ich auch noch nicht. Das Problem sind die Konsequenzen wenn der Magistrat die Heimatwelt angreift. Was wird dann?”

“Wie immer denkst du schon zum Frühstück an das Abendbrot”, sagte Rowan und Muldoon sah in der Reflektion seines Spiegelbildes ein mildes lächeln.

Rowan war in den letzten Jahren optisch ziemlich gealtert. Seine wuscheligen Haare waren mittlerweile an den Ansätzen von grau zu weiß übergegangen und auch sein eigenwilliger Kinnbart war fast schon weiß.

“Ich sorge mich wieder zuviel, hm?”

“Sorgen kann man sich nie zuviel”, entgegnete Rowan. “Nur, man muss wissen wann es Zeit ist sich zu Sorgen. Ganz bestimmt nicht jetzt.”

“Ich weiß.”

“Du weißt auch das Marvin Hart uns verlassen wird nicht wahr?”

“Ja, ich merke schon eine Weile das er rastlos ist. Es ist sein Antrieb.”

“Es gibt nicht viele die den Orden je verlassen haben. Die meisten finden hier eine Gemeinschaft und ein erfülltes Leben.”

“Marvin sucht die Herausforderung und er ist definitiv weiter als alle anderen Novizen. Er ist sogar besser als einige der Meister, vielleicht sogar besser als ich.”

“Er ist einer mit dem wahren Glauben an das Schwert. Das gibt es nicht oft. Wenn er geht wäre das ein großer Verlust, aber ich sorge mich nicht darum.”

“Du wirst selber gehen nicht wahr?”

“So viele Jahre habe ich hier verbracht, das es mir langsam schwer fällt mich daran zu erinnern wann ich das erste mal auf dieses Gelände gekommen bin. Ich habe viele Schüler, Novizen und Meister gesehen, habe sie ausgebildet und dafür gesorgt das der Orden bestehen bleibt, aber meine Zeit ist bald vorbei. Jemand anderes muss sich darum kümmern.”

“Ich wusste das dieses Gespräch einmal kommen würde. Wenn du gehst ist das ein großer Verlust für den Orden.”

“Der Weg ist geebnet und ich kann auch nicht mehr tun, das heißt bis auf eine Sache. Ich will das du mein Nachfolger wirst. Einen fähigeren könnte ich mir nicht vorstellen.”

“Das ist noch zu früh für mich.”

“Unsinn. Du wirst auch älter. Der beste Zeitpunkt ist jetzt. Der Präsident interessiert sich nicht für unseren Platz in der Welt und er wird nicht versuchen uns an die Regierung zu binden. Im einem Jahr sind Neuwahlen. Was wenn es zu einem Regierungswechsel kommt? Wie sind dann unser Chancen?

Nein, der beste Zeitpunkt ist jetzt. Wir werden alles regeln wenn du wieder hier bist.”

“So sei es dann”, sagte Muldoon und nickte. Wiedersprechen brachte nichts, nicht wenn Rowan schon seinen Entschluss gefasst hatte.

“Ich habe veranlasst das man einen Transporter für euch bereit stellt. Brich auf wenn du es für richtig hältst.”

“Dann so früh als möglich”, sagte Muldoon und drehte sich zu Rowan um. “Ich werde Marvin bescheid geben und dann brechen wir heute noch auf.”

“Bis wir uns wiedersehen”, sagte Rowan und legte wie es bei dieser Crussader Verabschiedung die rechte Hand auf die linke Brust und senkte leicht den Kopf.

“Bis wir uns wiedersehen”, erwiderte Muldoon und verließ den Raum.

Er nahm die lange Wendeltreppe hinunter zur Eingangshalle, die einstmals das Kirchenschiff gewesen war. Man hatte dort alle Bänke entfernt und wo einmal die Kanzel gewesen war, von der ein Pastor gepredigt hatte war jetzt der Ausgang in Richtung des Trainingsplatzes.

Auf dem Weg durch die Halle grüßten einige der Meister Muldoon und er erwiderte mit einem nicken, als ihm plötzlich jemand in den Weg trat.

“Fargos Muldoon”, sagte der Mann. “Es ist ungewöhnlich dich so spät hier zu sehen. Keine wichtigen Studien?”

“Guten Tag Orkus, Nein heute nicht. Ich bin mit einer Mission betraut worden und breche noch heute auf.”

“Scheint eine wichtige Mission zu sein”, sagte Orkus Meldorn. “Und so eilig?”

Muldoon kannte Orkus Meldorn sehr gut. Beide waren in der gleichen Generation Schüler gewesen. Jetzt, Jahre später waren beide Meister. Muldoon Mitglied des Konzils und Meldorn Stellvertretender Ausbildungsmeister. Anders als Muldoon sah Meldorn wesentlich jünger aus, obwohl sie fast gleich alt waren. Offensichtlich war Meldorn jemand der sich besser hielt als andere, aber Muldoon hatte seine ersten grauen Strähnen auch erst vor einem halben Jahr bekommen. Orkus Meldorn hatte immer noch Rabenschwarzes Haar das er glatt zurückgekämmt trug. Auch wenn seine Stirn sich etwas nach oben durchgesetzt hatte wirkte er immer noch wie Mitte dreißig obwohl er schon Anfang fünfzig war.

“Wirst du alleine fliegen”, fragte Meldorn.

“Nein, ich werde den jungen Marvin Hart mitnehmen. Ein wenig Felderfahrung wird ihm hilfreich sein.”

“So? Wohin geht deine Mission denn?”

“Gaulantra.”

“Ja, man hört da so einiges. Dann wünsche ich dir erfolg. Ich selber werde ebenfalls nach den Prüfungen hier weggehen. Zu den Randwelten.”

“Stimmt, das Konzil wollte das jemand dort Kontakte knüpft”, sagte Muldoon. Er erinnerte sich nur undeutlich da er bei der eigentlichen Abstimmung nicht zu gegen war. “Wann brichst du auf?”

“Wir, ich werde einen der neue ernannten Crussader mitnehmen.”

“Das ist eine gute Übung. Wer wird es sein?”

“Desothes Gartget, du kennst ihn glaube ich.”

“Ja. Er war Zweiter im Schwertturnier der Novizen. Eine gute Wahl.”

“Ja. Dann will ich dich nicht aufhalten Fargos. Bis wir uns wiedersehen.”

“Bis wir uns wiedersehen”, sagte Muldoon und ging weiter

Es war wohl so das viele der Novizen mit anderen Crussadern oder Meistern weg gingen um Erfahrungen zu sammeln. Das war auch gut so, schließlich würden sie selbst einmal andere Schüler oder Novizen ausbilden. Wissen war etwas das man sich nie zu früh und nie ohne Ende aneignen konnte.

“Hör auf hier so faul herum zu liegen.”

Marvin Hart öffnete ein Auge und wusste sofort das er sein kleines Nickerchen abschreiben konnte.

“Lass mich Min”, sagte er und schloss das Auge wieder. “Es ist nicht nötig das ich noch Trainiere. Ich bin in Topform.”

“Ach wirklich”, entgegnete Min Tiros und stupste Marvin leicht mit dem Übungsschwert aus Holz in die Seite. “In letzter Zeit faulenzt du nur noch. Wie willst du da Fit sein?”

“Hör mal Min”, sagte Marvin und machte die Augen wieder auf. “Du weißt das ich keine Übung brauche. Ich bin bereit.”

Min hatte ihre langen schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie war trotz ihrer ziemlich weißen Haut und ihrer schmalen Mandelaugen recht attraktiv anzusehen.

“Und was wenn Meisterin Cinderdrake dich hier so sieht?”

Das war ein Argument.

Meisterin Emilia Cinderdrake war für den Schwertunterricht verantwortlich und sie würde auch die Prüfung abnehmen. Unter den Schülern und Novizen und unter manchen Crussadern wurde sie nur der Drache genannt. Das lag wohl hauptsächlich an ihrer etwas knurrigen Art. Sie war streng, aber nicht unfair. Das hatte Marvin festgestellt.

Aber natürlich musste man damit rechnen von ihr Maßgenommen zu werden wenn man sich nicht an die Regeln hielt. Ob man nun keine Übung brauchte oder nicht, sich hinlegen und zu faulenzen wenn die Anderen übten sah sie bestimmt nicht gerne.

“Ist ja gut”, brummte Marvin und setzte sich auf. “Du bist mal wieder sehr energisch.”

“Bin ich nicht”, entgegnete Min und tippte ihn mit dem Holzschwertgriff sachte gegen die Stirn. “Sei lieber froh das du eine so gute Freundin hast die auf dich aufpasst.”

“Die mich nicht zu ruhe kommen lässt”, entgegnete Marvin und streckte sich.

“Du bist wie immer sehr unhöfflich” seufzte Min.

Das waren alles nur kleine Neckerein. Marvin konnte Min sehr gut leiden. Sie war eine gute Freundin und war immer da wenn man Hilfe brauchte. Man konnte sich auf sie verlassen. Außerdem war sie ziemlich clever und wie schon gesagt energisch.

“Hier seid ihr ja.”

“Hallo Duke”, sagte Min und blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Duke Vorn war Marvins bester Freund. Neben Min. Er war ein baumlanger junger Mann. Ziemlich kräftig Gebaut aber mit einem eher gutmütigen Gesicht. Neben ihm kam man sich immer ziemlich klein vor und zu allem Überfluss überragte er auch noch die Meisten anderen Ordensmitglieder.

“Hätte beinahe die Zeit vergessen”, sagte Duke und fuhr sich mit der Hand durch seine kurzen braunen Haarstoppeln. “Ich war noch im Fuhrpark.”

“Was hast du denn im Fuhrpark gemacht”, wollte Min wissen.

“Da is ein Gleiter mit Leuten von der Regierung gekommen. Einer der neune Saphire Klasse. Sieht echt Klasse aus.”

“Warte mal kurz”, sagte Marvin und stand jetzt vollends auf. “Von der Regierung sagst du? Wer war denn dabei?”

“Keine Ahnung. Hab nur auf den Gleiter geachtet.”

“Natürlich wieder nicht auf das wesentliche”, sagte Min. “Wo hast du nur immer deine Gedanken.”

“Ich wusst ja nicht das es wichtig ist wer da kommt”, verteidigte sich Duke.

“Mensch Duke, wie oft kommen hier schon Leute von der Regierung her”, fragte Marvin und hob sein Holzschwert auf. “Da muss was wichtiges passiert sein.”

“Hm stimmt”, nickte Duke.

“Da wir das jetzt geklärt haben”, sagte Min und scharrte mit dem Schwert im Staub. “Ich wollte euch noch fragen was ihr vorhabt, nach der Aufnahmeprüfung zum Crussader Meister?”

“Ich will Gelehrter werden”, sagte Duke. “Dann kann ich noch ein bisschen im Tempel bleiben.”

“Außerdem kannst du dann Maschinenwart werden”, sagte Marvin. “Toller Plan.”

“Erwischt”, grinste Duke. “Und du Min?”

“Ich will ein Wächter werden”, sagte Min kurz und knapp und sah zwischen Marvin und Duke hindurch so als wäre ihr es peinlich.

“Es ist noch nie ne Frau ein Wächter geworden”, sagte Duke.

“Dann wird es Zeit”, sagte Min energisch. “Oder nicht?”

“Find ich gut”, sagte Marvin. “Bis jetzt wollte wahrscheinlich nur keine Frau Wächter werden. Es ist ja auch nicht der tollste Job den man als Crussader machen kann. Gibt eben nicht viel zu Bewachen außer ein paar Politikern.”

“Aber es kann trotzdem gefährlich sein”, meinte Duke ernst. “Wächter sind die ersten die in Kriege geschickt werden.”

“Und wann war der letzte wirkliche Krieg”, fragte Min. “Das ist doch wohl schon ein bisschen her oder?”

“War ja nicht böse gemeint”, sagte Duke. “Ich meine ja nur. Was ist mit dir Marvin.”

“Ich bin ja schon Meister”, sagte Marvin. “Ich glaube ich werde wo anders hin gehen.”

“Wie woanders”, fragte Duke erstaunt.

“Ein wenig Raumreisen wäre nicht schlecht. Die Galaxis ist ja nicht grade klein.”

“Du willst den Orden also verlassen”, wollte Min wissen.

“Ich möchte einfach ein bisschen was von der Galaxis sehen. Dieses Crussader Leben hier auf der Erde oder als Abgesandter auf anderen Planeten ist nichts für mich. Versteht mich nicht falsch, ich bin dankbar das ich ein Crussader werden durfte aber ich will einfach frei sein.”

“Dann sehen wir uns also nie wieder”, sagte Duke und kratzte sich am Hinterkopf.

“Natürlich sehen wir uns wieder”, sagte Marvin. “Ich werde wiederkommen aber erst mal brauche ich eine Herausforderung und das ist für mich hier wegzugehen.”

“Und wenn man dich hier braucht”, fragte Min.

“Wenn man mich dringend braucht komme ich wieder”, sagte Marvin und lächelte schief. “Aber mal ehrlich was soll schon groß passieren?”

“Scherz nicht mit so was”, sagte Min ernst. “Man kann nie wissen.”

“Und dürfte ich erfahren was Sie drei so sehr beschäftigt das Sie nicht mit den Anderen trainieren?”

Jetzt hatten sie es geschafft. Der Drache war auf sie aufmerksam geworden. Emilia Cinderdrake war nicht sehr groß, fast so groß wie Min. Sie hatte kurzes blondes Haar in einem Pagen- Schnitt geschnitten. Ihre kleinen Augen mit dem stechenden Blick waren das Bedrohlichste was man hier weit und breit finden konnte. Wenn sie einen fixierte wusste man das es Ärger geben würde.

Zweifellos würden sie den jetzt mehr als genug bekommen.

“Entschuldigt Meisterin, aber”, begann Min, wurde dann aber von der erhobenen Hand des Drachen unterbrochen.

“Das Sie, Mister Hart, kein Interesse an einem Training haben ist Ihre Sache, aber wenn Sie die anderen dazu verleiten sie beim Faullenzen zu unterstützen kann ich das nicht gutheißen. Miss Tiros Sie wissen genau das Sie es nicht schaffen werden Mister Harts Einstellung zu ändern. Deshalb sollten Sie sich lieber auf Ihr eigenes Training konzentrieren. Oder ist es mir entfallen das Sie jetzt auch zur Meisterin ernannt wurden?”

“Nein”, sagte Min kleinlaut und sah geknickt zu Boden.

“Und was Sie angeht Mister Vorn, Pünktlichkeit ist nicht nur eine Zier sondern grade bei meinem Unterricht eine unabdingliche Pflicht. Habe ich mich klar ausgedrückt?”

“Ja Meisterin”, sagte Duke und schluckte sehbar.

“Sehr Gut, dann gehen Sie jetzt zu den anderen und üben Sie. Mister Hart, Sie bleiben bitte noch kurz hier.”

Innerlich machte Marvin sich jetzt schon darauf gefasst richtig ärger zu bekommen. Nicht nur das der Drache seinen Unterricht straff organisiert führte, er war auch einer der wenigen Ausbildenden Meister der die Schüler und Novizen siezte.

Ganz zu Anfang hatte sie gesagt, das sie das täte um ihren Lehrlingen das Gefühl zu geben keine Kinder mehr zu sein und ihnen ein Gefühl der Verantwortung zu geben. Marvin selbst hatte schon einige ihrer berühmten Standpauken erlebt und sie war nicht grade zimperlich.

“Ich komme gleich auf den Punkt Mister Hart”, sagte Emilia Cinderdrake als Min und Duke außerhalb der hörweite waren. “Ich habe beschlossen Sie aus der Schwertprüfung zu nehmen. Sie haben schon mehr oder weniger bewiesen, das sie sich besten mit der Handhabung eines Schwertes auskennen. Ersten weil Sie den ersten Platz bei dem Schwertturnier der Novizen gemacht haben und zweitens weil sie nicht ohne Grund jetzt schon Meister sind.”

“Muss ich nicht dennoch eine Prüfung ablegen?”

“Das werden Sie, aber aufgrund Ihres Wissenstandes wird es eine andere Prüfung für Sie geben als für die anderen Schüler.”

“Ich möchte keine Umstände machen”, sagte Marvin und verkniff sich ein Grinsen.

“Das tun Sie Mister Hart und Sie genießen es auch”, gab Emilia Cinderdrake unverwandt zurück. “Aber wenn Sie noch ein wenig Muße haben etwas zu lernen, lassen Sie mich Ihnen folgendes sagen: Wenn ich Sie schon nicht prüfe erwarte ich von Ihnen das Sie mir keine Schande machen und alles beherzigen was ich Ihnen beigebracht habe.”

“Das werde ich. Meisterin.”

“Gut, dann kommen Sie mit.”

Damit ging der Drache los und Marvin brauchte einen Moment ihn einzuholen und mit ihm Schritt zu halten.

“Wo gehen wir hin”, fragte Marvin etwas irritiert.

“Zu Ihrer Prüfung Mister Hart”, sagte Emilia Cinderdrake und beschleunigte ihre Schritte weiterhin.

“Jetzt? Aber die Prüfungen sind doch erst in zwei Tagen.”

“Sie beginnen Ihre Prüfung heute schon.”

“Was heißt beginnen? Wie lang soll sie den dauern?”

“Bis Sie fertig sind Mister Hart. Jetzt beeilen Sie sich. Man wartet auf uns.”

Abraham Rowan hatte sich in seinen Stuhl am Konferenztisch des Konzils gesetzte und starrte auf den Monitor der vor ihm in den Tisch eingelassen war. Mit der rechten Hand bediente er die Konsole und rief einige Berichte aus dem WNN, dem World News Net auf.

Die Erde war durch die Einführung von nutzbarer Technologien einer der größten Gewinner gewesen. Während andere Rassen alte Systeme verbessern mussten war die Erde gleich mit einem globalen Netzwerk ausgestattet worden das eine 24 Stunden Information garantierte.

Zu jeder Zeit konnte man erfahren was überall auf der Welt geschah und natürlich hatte man auch zugriff auf das GNN, das Galactic News Net. Hier gab es die wichtigsten Informationen um alle bekannten Planeten. Auch wichtige Entscheidungen der Interplanetaren Allianz wurde hier gesendet. Wahlweise als Filme oder als geschriebenes.

Es stimmte schon, ohne die viele Technik und Modernisierung hang man hinterher. Rowan war trotzdem der Ansicht das grade im Bereich der Crussader viel zu viel modernisiert wurde.

Sicherlich, es wurde vieles leichter gemacht aber für alles Neue das man bekam, ging etwas altes verloren.

Eine traurige Erkenntnis. Als Rowan Novize wurde, war er 25 Jahre. Ziemlich alt und das wurde ihm auch immer vorgehalten. Allerdings wusste niemand wirklich das er bei seinem Alter etwas getrickst hatte. Aber das war eine andere Geschichte.

Seit er bei den Crussadern angefangen hatte, war sein Leben von Aufstiegen gezeichnet. Er schaffte es sehr schnell an die Spitze, grade deswegen war er von Marvin Hart beeindruckt.

Der Junge war wirklich einmalig.

Deshalb hatte Rowan dafür gesorgt das Marvin hier her zu den Crussadern kam. Rowan selbst hatte ihn als Baby in das Waisenhaus gebracht und ihn dann später zu den Crussadern geholt.

Denn Rowan hatte selbst einige Dinge zu erledigen, weit über die Arbeit eines Crussaders hinaus.

Doch auch das war eine andere Geschichte und noch war er der Großmeister des Crussader Ordens und musste sich erst mit anderen Dingen auseinander setzen.

Unangenehmen Dingen.

Das Summen des Buzzers an der Tür ließ ihn aufblicken.

Rowan aktivierte den Türöffner und die Tür glitt nahe zu geräuschlos auf.

Wesentlich geräuschvoller stürmte die kleine Abordnung in das Zimmer. An der Spitze kam John Meyer, Präsident der Erde. Im Schlepptau hatte er einige seiner Adjutanten.

Dabei war auch Hayden Cone, der Chef der Sicherheitskräfte die im Tempelkomplex arbeiteten. Cone war dadurch mehr mit den Crussadern verbunden als mit Meyer und der Regierung.

“Mr. Präsident”, sagte Rowan höfflich und nickte. “Meine Herren, was kann ich für sie tun?”

“Ist das euer ernst Meister Rowan”, fragte Meyer ohne umschweife und baute sich neben Rowan auf.

“Setzen Sie sich bitte Mr. Präsident”, entgegnete Rowan freundlich und wartete bis Meyer platz genommen hatte. “Worum geht es?”

“Diese Angelegenheit mit den Cerotanern, ich habe grade gehört Sie schicken nur zwei Männer dorthin, Stimmt das?”

“Es sind zwei Meister”, erwiderte Rowan ruhig.

“Diese Sache ist wichtig für die ganze Politik der Erde. Wenn wir zeigen das wir Anderen bei solchen Krisen beistehen können ist das ein wichtiger Schritt.”

“Sie gehen davon aus das sich diese Sache zu einem Krieg entwickelt?”

“Raus alle”, sagte Meyer und drehte seinen Kopf fast wie eine Eule ganz herum. “Außer Sie Tarbrow. Setzen.”

“Ja Mr. Präsident”. sagte der junge Mann Namens Tarbrow und nahm platz während die anderen den Raum verließen.

“Meister Rowan”, fragte Hayden Cone der noch immer neben der Tür stand.

“Es ist in Ordnung Hayden”, entgegnete Rowan mit einem freundlichen lächeln. “Kümmern Sie sich bitte um die Männer des Präsidenten.”

“Ja Meister Rowan”, sagte Cone und schloss die Tür hinter sich.

“Wir haben Geheimdienstberichte der Regierung der Cerotaner abgefangen. So wie es aussieht scheint der Magistrat auf Minor 3 eine äußerst beeindruckende Armee von Kampfmaschinen errichtet. Ich glaube das spricht für sich und auch der beste Unterhändler den es hier im Tempel gibt kann daran nichts ändern.”

“Deshalb habe ich unseren besten Unterhändler geschickt.”

“Und was ist wenn er nichts ausrichten kann.”

“Dafür hat er unseren besten Schwertkämpfer dabei.”

“Also ein Mann fürs Grobe und ein Mann für die Diplomatie. Zwei Männer gegen eine Armee so oder so, sie werden nichts ausrichten können.”

“Haben Sie vertrauen. Es sind unser Besten.”

“Mit Vertrauen gewinnt man keinen Krieg.”

“Nein aber man kann keinen Krieg verlieren den man durch Vertrauen verhindert hat.”

“Metaphern sind mir zu wider. Wer ist es überhaupt den Sie schicken?”

“Fargos Muldoon und Marvin Hart.”

“Gut, ich kenne Muldoon. Ein verlässlicher Mann, vielleicht etwas fehl am Platze. Aber Marvin Hart? Der ist doch nicht wirklich ein Meister.”

“Er hat sich den Titel so verdient wie es einem Meister gebührt. Sein Alter, seine Erfahrung und seine Kenntnisse sind nicht Ausschlag gebend. Nur sein Können zählt und das ist beträchtlich.”

“Schicken Sie mehr Leute”, sagte Meyer und sah Rowan scharf an.

“Der Orden untersteht noch nicht der Regierung sondern dem Konzil.”

“Sie meinen Ihnen.”

“Nein, dem Konzil. Ich bin gewählter Vertreter des Konzils und somit der Sprecher des Ordens. Es obliegt mir zwar die Entscheidungen zu Treffern aber das Konzil muss sie absegnen.”

“Ich mache Sie persönlich verantwortlich wenn es zu einem Krieg kommt und wir irgendwie darin involviert werden”, sagte Meyer und stand auf.

“Das ist nur Ihr Recht Mr. Präsident. Einen schönen Tag noch.”

Meyer nickte nur unzufrieden und stürmte aus dem Zimmer.

“Entschuldigen Sie ihn bitte”, sagte der Mann namens Tarbrow. “Er hat eine Menge stress.”

“Natürlich”, entgegnete Rowan. “Auf wiedersehen Mister, wie war gleich ihr Name?”

“Abgeordneter Tarbrow. Richard Tarbrow.”

“Auf wiedersehen Mister Tarbrow”, sagte Rowan und nickte freundlich.

“Ja, auf wiedersehen Meister Rowan”, entgegnete Tarbrow und verlies dann das Zimmer.

Eins war sicher, die Zeiten die kommen würden, würden nicht einfach werden aber trotzdem war Rowan sich sicher das er in Muldoon einen Nachfolger hatte der sich hingehend in der Lage sah gegen alles zu bestehen.

“Wo genau gehen wir eigentlich hin”, fragte Marvin Hart und bemühte sich mit Emilia Cinderdrake schritt zu halten.

“Habe ich Ihnen nicht beigebracht das Neugierde ein unkleidsamer Zug für einen Crussader ist”, sagte Emilia Cinderdrake ohne langsamer zu werden.

“Ohne Neugierde lernt man aber nicht sehr viel”, sagte Marvin in seiner eigensinnig, freundlichen Art.

“Für Wiedersprüche gilt das selbe”, entgegnete Emilia Cinderdrake und eilte die alte Wendeltreppe in die Kellergeschosse hinunter. “Ich dachte das sollten Sie mittlerweile gelernt haben. Sie sind bald ein vollständiger Meister und dann können Sie sich so etwas nicht erlauben”

“Wo bleibt denn da der Spaß”, seufzte Marvin und wäre fast in Emilia Cinderdrake hineingelaufen die an einer Tür stehen geblieben war und einen Code in das Türschlosssystem eingab.

Sie drehte sich um und sah ihn mit einem befremdlichen Stirnrunzeln an.

“Manchmal glaube ich das Sie wirklich der perfekte Crussader sind”, sagte Emilia Cinderdrake und lächelte leicht.

Ein sehr eigentümliches Lächeln, das trotzdem sehr warm.

“Wie meinen Sie das Meisterin?”

“Wie ich es sage”, entgegnete Emilia Cinderdrake und legte Marvin die Hand auf die Schulter. “Ich wünsche Ihnen viel Glück Marvin. Bis wir uns wiedersehen.”

Mit diesen Worten schob sie ihn durch die Tür, die sich gleich wieder hinter ihm schloss.

Marvin sah sich um. Er war im Hangar. Hier wurden die Raumschiffe und Fahrzeuge der Crussader aus dem Fuhrpark herunter gelassen wenn man Sie benötigte.

Was sollte das für eine merkwürdige Prüfung sein?

Marvin ging ein paar Schritte in den Hangar hinein.

Der Hangar selbst war ein großer Kreiß, der am Rand mit viel Dockstationen versehen war, mit denen man die Fahrzeuge vom Fuhrpark hier herab lies oder nach oben holte. Marvin war schon ein paar mal hier gewesen und heute war es s still wie noch nie. Es war eigentlich immer etwas los. Crussader kehrten hier aus und ein und irgendwer war immer hier.

“Da bist du ja endlich.”

“Ihr seid es Meister Muldoon”, sagte Marvin und drehte sich um.

Sein Meister war sehr gut darin sich anzuschleichen. Marvin hatte ein sehr gutes Gehör und er merkte instinktiv wenn jemand sich ihm näherte, aber Meister Muldoon war so erschienen als hätte er die ganze Zeit dort gestanden.

Es gab einige die Muldoon unterschätzten und dachten er wäre nur ein Mann der gute mit Worten war, aber er war ein faszinierender Kämpfer. Marvin hatte Talent und er hatte Potential, davon sogar reichlich und Meister Muldoon hatte ihn immer an die Grenzen seines Könnens gebracht, so das er alles aus sich rausholen konnte. Er verdankte Muldoon eine Menge, wenn nicht sogar alles.

Marvin war ein Waisenkind gewesen, eines von so vielen. Das einzige was er von seinen Eltern wusste, das sie Forscher waren. Einige der wenigen die versuchten bei dem Bau der Unterwasserstädte zu helfen und dort neue Pflanzen und Bäume ziehen wollten. Sie kamen bei einem Unfall ums Leben und Marvin kam in ein Waisenhaus.

Dort holten ihn die Crussader heraus.

Es war keine Seltenheit, das die Crussader Nachwuchs aus den Waisenhäusern holten. Die Kinder dort brauchten eine Perspektive und manche von ihnen hatten durchaus Talent.

Warum man ihn jedoch mitgenommen hatte wusste Marvin bis heute nicht. Vielleicht meinte es das Schicksal einfach gut mit ihm.

Seit er jedenfalls bei den Crussadern war, ging es ihm nie schlecht. Von den üblichen Dingen wie lernen, üben und anderen Schuldingen mal abgesehen.

Es gab schlimmeres.

Muldoon selbst war ein Lehrer oder besser ein Ausbilder den man schwer einordnen konnte. Er bewegte sich in einer perfekten Grauzone. So als wüsste er was grade Richtig war. Er war nie laut oder ein Schinder, er war stets ausgeglichen und absolut Fair.

Als noch Gemeinschaftsunterricht an der Tagesordnung stand war Muldoon Lehrer für planetarer und interplanetarer Politik gewesen. Selbst bei so einem drögen Thema konnte Muldoon seine Zuhörer begeistern. Er war ein Ausnahme Meister.

“Natürlich. Hat Emilia dir nicht gesagt das ich dich erwarte?”

“Meisterin Cinderdrake ist nicht sehr Mitteilsam”, entgegnete Marvin und lächelte schief.

“Ja das stimmt vielleicht sogar”, sagte Muldoon deutete auf ein Transportschiff das in einem der Docks stand. “Dann wollen wir mal.”

Der Transporter war ein Fahrzeug das im Konstrukt an einen Bus erinnerte wie er vor vielen hundert Jahren benutzt worden war und dessen Form auch noch heute vereinzelt genutzt wurde. Seitwärts waren ovale Tragflächen angebracht und an den Außenwänden thronte auf jede Seite ein leistungsfähiger Antrieb.

Solche Transporter waren der Standart des Ordens. Sie waren vor allem zum Transport bis zu fünf Personen gedacht. Die Antriebe waren dafür konzipiert sehr weit zu reisen und die Transporter waren für kurze Sprünge auf Hypergeschwindigkeit konzipiert.

Das hieß man konnte durch spezielle Kanäle reisen die überall im Raum existierten und von denen schon viele erforscht waren. So kam man wesentlich schneller zu anderen Sonnensystemen als auf einer normalen Flugroute.

“Wollen wir irgendwohin fliegen”, fragte Marvin und folgte Muldoon in den Rückraum des Transporters.

“Wir fliegen nach Gaulantra.”

“Und was wollen wir da”, fragte Marvin “Hat das was mit meiner Prüfung zu tun?”

“Ja. Wir wollen einen Krieg verhindern.”

“Gut”, sagte Marvin und sah Muldoon skeptisch hinterher der ins Cockpit ging. “Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, das es etwas schwieriges sein würde.”

“Seit wann scheust du dich vor solchen Herausforderungen”, fragte Muldoon und setzte sich auf den Pilotensitz um die Koordinaten einzugeben.

“Scheuen würde ich nicht sagen”, entgegnete Marvin und setzte sich auf den Co- Pilotensitz. “Ihr habt mir selbst gesagt das ich mich am besten aus Schwierigkeiten heraushalten soll.”

“Diese Einsicht kommt ein wenig spät”, sagte Muldoon scherzhaft. “Bis jetzt hattest du es noch nicht so damit dich bei Problemen zurückzuhalten. Deswegen bist du ja auch hier.”

“Kling nicht sehr vielversprechend.”

“Im Ernst, du solltest dich geehrt fühlen. Man wollte für diese Mission die zwei besten Meister.”

“Und was hat das dann mit dieser Prüfung auf sich?”

“Durch dein können und deine Fähigkeiten brauch es eine andere Art von Prüfung. Alles andere wäre für dich zu leicht und das wäre unfair für die Anderen.”

“Ach so und deshalb muss ich einen Krieg verhindern da etwas anderes zu einfach wäre? Verzeiht mir Meister aber ich glaube wir haben unterschiedliche Vorstellungen von Fairness.”

“Ich dachte du würdest dich über etwas Abwechslung freuen? Außerdem ist es an der Zeit das du mich nicht mehr Meister nennst. Du bist selbst schon ein Meister also ist das nicht mehr nötig. Nenn mich Fargos.”

“Gerne Meis... . Fargos.”

“Da das jetzt geklärt ist können wir los”, nickte Muldoon und gab den Startcode ein.

Mit einem fast unmerklichen Rumpeln hob sich der Transporter einen halben Meter in die Höhe. Vorsichtig aber routiniert steuerte Muldoon den Transporter aus dem Dock in den Hangar. Das Metalltor, das den Hangar davor schützte das Unbefugte hier landeten, fuhr langsam auf.

“Wir werden versuchen zu verhindern das es zu diesen Krieg kommt”, sagte Muldoon ruhig. “Aber vielleicht werden wir es nicht durch Verhandlungen schaffen.”

“Ich werde mein Bestes geben”, sagte Marvin und lehnte sich zurück. “In jedem Fall.”

“Ich bin diese Anmaßungen langsam leid und wenn ich mich nicht mit anderen, wichtigeren Dingen befassen müsste würde ich Rowan selbst zeigen wo sein Platz ist!”

Carl Meyer war sauer. Richtig sauer und das lies er einmal mehr laut herausklingen.

Das war Richard Tarbrow schon gewohnt. Er war gewählter Vertreter der Abgeordneten die aus allen Stadtstaaten der Welt zusammengesetzt waren.

Tarbrow war noch ziemlich jung, ende zwanzig aber er ein sehr ambitionierter Politiker.

Seine Karriere hatte er gleich nach seiner Schulzeit begonnen und innerhalb von acht Jahren war er erst Assistent des Abgeordneten aus Chicago gewesen, anschließend wurde er vor etwa fünf Jahren selbst zum Abgeordneten für New York gewählt und nun seit fast drei Jahren wurde er als Vertreter der Abgeordneten zu Meyer geschickt wenn es kriselte.

Kein besonders dankbares Amt.

Tarbrow fragte sich immer wieder wie Meyer es geschafft hatte Präsident der Erde zu werden. Er war launisch, rechthaberisch und er setzte sich irgendwie immer wieder durch.

Vielleicht war es auch das.

In diesen Zeiten in der die Bevölkerung missmutig war und es so aussah als stände die Erde wieder vor einer Krise, brauchte es wohl einen Reaktionär wie Meyer der erst handelte und sich später darüber Gedanken machte.

Das Gegenteil zu Tarbrows politischen Ansichten.

Trotzdem war es unübersehbar das Meyers mehr oder weniger radikale Durchgriffe in den Bereichen der Wirtschaft, der Industrie und vor allem der Rüstungsindustrie deutliche Wirkung zeigten. Die Anzahl der Arbeitsplätze erhöhten sich und reduzierten die Arbeitslosenzahlen auf ein Minimum.

Laut Hochrechnung würde es innerhalb von fünf Jahren zu einem anderen Problem kommen. Es würden zu wenig Leute da sein um freie Stellen zu besetzten.

Manche glaubten an Zauberei, manche vermuteten Betrug. Tarbrow kannte die ernüchternde Wahrheit.

Meyer verstand es sehr gut der Industrie und der Wirtschaft seinen Willen aufzuzwingen und zwar so verblüffend das diese noch nicht einmal merkten das er ihnen das Messer auf die Brust setzte.

Hauptsächlich ging es dabei um Meyers Lieblingsprojekt.

Die Pericon.

Die Pericon sollte Meyers Hauptpolitik unterstützen.

Die Erdverteidigung.

Anders als einige anderen Politiker suchte Meyer zwar den Zusammenhalt mit anderen Rassen und er war auch eine sehr aktive, wenn auch energische Stimme im Interplanetaren Rat.

Trotzdem wollte er das die Erde, sollte es zu einer Auseinandersetzung kommen, gut geschützt war.

Sein Hauptaugenmerk galt daher dem Verteidigungshaushalt und der Vergrößerung der Armee.

Grade hier schaffte er Tausende von Arbeitsplätzen.

Die Armee war beliebter als noch vor vielen hundert Jahren. Kriege waren in diesen Zeit kaum erwähnenswert und der Interplanetare Rat schickte andere Rassen zu solchen Konflikten. Rassen die mit so etwas wie einem Krieg besser umgehen konnten.

Oder natürlich die Crusader.

Tarbrow hatte nicht sehr viel mit den Crusadern zu tun gehabt aber wie jeder andere kannte er ihre Taten und er war ehrlich beeindruckt wozu sie in der Lage waren.

Vielleicht war das seit jeher der Beweggrund jedes Präsidenten gewesen, den Orden der Crussader zu einer Regierungseinrichtung zu machen.

Kontrolle über die Crussader bedeutete eine ziemliche Macht. Vor allem interplanetar.

Und da war noch die Pericon. Eine Art Orbitaler Laser mit einem gewaltigen Vernichtungspotential. Die erste von vielen Bemannten, orbitalen Abwehrwaffen.

Anfangs war Meyer wegen der Pericon in die Kritik geraten. Von überall kamen Einwände und Zweifel.

Als man jedoch merkte was für eine Menge Arbeitsplätze durch die Arbeit an einer solchen Orbitalen Station geschaffen würden, verstummten die meisten Gegenstimmen.

Nicht alle aber genug um die Mehrheit zu erhalten und den Bau abzusegnen.

Überall begannen sich jetzt schon die Leute an ihre neuen Arbeitsplätze zu begeben.

Es sah gut aus, Meyers Programm.

Der Bau würde alles in allem zwischen acht bis zehn Jahre dauern.

Dann würde man die Pericon in die Umlaufbahn schleppen und dort mit den einbauten der Systeme und der Computer beginnen.

Das hätte man auch auf der Erde gekonnt aber so wurden wiederum Arbeitsplätze geschaffen.

Alles in allem würden Industrie und Wirtschaft boomen, es würde mehr Geld investiert werden, vielleicht sogar von anderen Planeten.

“Sind wir bald da”, fragte Meyer ungeduldig. Er strich sich wie immer wenn er davor war sich aufzuregen durch seinen Bart der schon begann leicht zu ergrauen.

“In wenigen Minuten Mr. Präsident”, sagte der Fahrer sichtlich nervös.

“Beeilen Sie sich Mann”, knurrte Meyer und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. “Wo waren wir grade?”

“Bei ihrem Meeting mit den Oberkommandierenden der Streitkräfte”, sagte Tarbrow ohne in seine Unterlagen zu sehen. Es war ein wichtiges Treffen und Tarbrow hatte sich so gut darauf vorbereitet, das er die Rede die er für Meyer geschrieben hatte Auswendig konnte.

Eigentlich war das nicht seine Aufgabe aber er hatte eine Begabung für fesselnde Reden und das wusste Meyer.

“Sehr gut”, sagte Meyer. “Endlich einmal eine klare Ansagen. Anders als bei diesen Crusadern. Ich fände es übrigens gut wenn Sie ein Auge auf sie hätten.”

“Ich? Warum Mr. Präsident?”

“Kennen Sie die Umfragen?”

“Sie meinen die öffentlichen Umfragen?”

“Welche denn sonst Himmelherrgott! Natürlich die öffentlichen Umfragen. Sie sind sehr beliebt Richard. Bei einigen Ihrer Auftritte haben Sie sehr positiv über die Crusader gesprochen.”

“Wollen Sie etwa das ich die Crusader ausspioniere?”

“Das Wort spionieren hat niemand gesagt”, sagte Meyer ernst. “Schauen Sie dort öfter mal rein. Reden Sie mit den Meistern. Halten Sie einfach die Augen offen.”

“Nach etwas besonderem?”

“Ich will einfach nur wissen wie sie zu unserer Regierung und mir stehen. Nicht mehr nicht weniger. Meinen Sie das Sie das schaffen?”

“Wenn Sie das möchten werde ich das gerne tun, aber ich glaube nicht das die Crusader gegen die Regierung stehen?”

“Ihre persönliche Meinung interessiert mich nicht Richard”, blaffte Meyer. “Ich will nur wissen was sie dort sehen. Nicht mehr, nicht weniger. Verstanden?”

“Ja Mr. Präsident.”

Meyer konnte so unwirsch sein das man sich dadurch leicht beleidigt fühlen konnte. Tarbrow tat das nicht. Er kannte Meyers Art schon lange genug und nahm es einfach hin.

Das war wieder mal etwas das Tarbrow sehr unsinnig erschien. Als ob die Crusader einen Putsch versuchen würden oder so etwas.

Gut, Tarbrow war mit den Crusadern nicht per du und er wusste auch nur das was jeder außenstehende wusste, aber so etwas erschien ihm doch gänzlich unwahrscheinlich. Die Crusader hatten sicherlich ganz andere Intentionen als zu versuchen den Präsidenten der Erde zu stürzen.

Was sollte das schon bringen?

Aber es war besser wenn er sich darum kümmerte als jemand der weniger objektiv war als er selbst.

Es schien so als würde er sich einen Kontakt im Tempel suchen müssen. Einen Gesprächspartner.

Natürlich war es nicht Auffällig wenn sich jemand für die Geflogenheiten der Crussader interessierte. Viele fanden es interessant sich mit den Crusadern zu befassen. Alleine schon Kinder und Jugendliche träumten davon ein Crusader zu werden so wie vor Hunderten von Jahren Astronaut oder Feuerwehrmann. Auch alle möglichen Leute aus unterschiedlichsten Berufsfeldern unterhielten Beziehungen zu den Crusadern.

Nur hatte, jedenfalls nach Tarbrows Wissenstand, noch nie ein Politiker versucht sich näher mit den Crusadern zu befassen als von der Tür des Konferenzsaales bis zum Konferenztisch.

Irgendwie hatte er das Gefühl sich schneller im Tempelkomplex der Crusader wiederzufinden als er selbst angenommen hatte.

“Meisterin Cinderdrake, bitte setzen Sie sich”, sagte Rowan als die Meisterin für Schwertkampf zu ihm heran trat.

Wie üblich zur Mittagszeit ließ Rowan es sich nicht nehmen im Speisesaal mit allen anderen Meistern, Novizen und Schülern zu essen. Jedenfalls mit denen, die Drinnen essen wollten.

Heute war die Kantine gespenstisch leer und Rowan hatte grade damit begonnen sich an den Nachtisch zu machen.

Zitronenkuchen.

Es war erstaunlich, Gebäude wurden weiter in den Himmel gebaut, Fahrzeuge flogen durch die Städte und Ausflüge zu anderen Planeten war etwas alltägliches geworden. Das essen jedoch hatte sich nicht verändert. Wer mochte konnte sich so ernähren das sein Fleisch schmeckte wie Haferbrei oder nach irgendetwas anderem doch war das nicht nötig.

Jedenfalls nicht mehr für Rowan. In seinem Alter sollte ein Mann nicht mehr all zu genau auf seine kleinen Entgleisungen achten.

“Danke Meister Rowan”, entgegnete Emilia Cinderdrake.

Eigentlich war es eine Gepflogenheit andere Meister zu duzen. Rowans Höherstellung verlangte jedoch auch hier eine gewisse Distanz.

Wenn es nach Rowan ging war das egal, aber Emilia Cinderdrake nahm es mit dieser Art von Etikette sehr ernst.

Rowan hatte Emilias Meister August Lougan gut gekannt. Ein sehr fröhlicher und lockerer Mann, ganz anders als Emilia selbst. Ein perfektes Beispiel das sich Schüler und Meister nicht immer ähnelten. Anders als zum Beispiel bei ihm und Fargos Muldoon. Allerdings war Muldoon ihm von vorneherein schon recht ähnlich gewesen.

Das gab es auch.

Emilia war jedoch, so lange sich Rowan erinnern konnte, sehr auf das einhalten des Protokolls bedacht.

So sehr auch die Schüler und Novizen unter ihrer strengen Art litten, um so mehr waren sie ihr als Meister dankbar.

Dankbar für alle Lektionen und Strafpredigten.

“Meister Muldoon ist vor einigen Stunden aufgebrochen”, sagte sie als Rowan den leeren Teller beiseite schob. “Ich wäre früher zu Ihnen gekommen aber die Prüfungsvorbereitungen haben mich noch beschäftigt.”

“Keinen Grund zur Eile”, lächelte Rowan. “Meister Muldoon und Meister Hart werden sich schon angemessen um die Sache kümmern.”

“Es liegt mir fern eure Entscheidung zu kritisieren Meister Rowan, aber meint ihr es war klug nur zwei Meister zu schicken? Einer davon eigentlich noch in der Ausbildung.”

“Ich vertraue auf Meister Muldoons Verhandlungsgehschick”, sagte Rowan. “Außerdem erregt es weniger Aufsehen zwei Meister zu schicken als ein viertel des Tempels. So wird weniger Druck ausgeübt.”

“Trotzdem, ich weiß nicht ob es klug war.”

“Fargos Muldoon ist einer unserer besten Meister wenn es um Verhandlungen geht. Falls es Probleme gibt wird er sich schon zur wehr setzten können. Abgesehen davon ist Marvin Hart ein wirklich erstklassiger Schwertkämpfer. Das müsst ihr zugeben Meisterin Cinderdrake.”

“Natürlich weiß Meister Muldoon sich seiner Haut zu wehren und Marvin Hart ist mit abstand der begabtestes Schwertkämpfer der mir je begegnet ist. Er führt das Schwert als hätte er ein halbes Leben nichts anderes getan und er kann die Techniken nahezu perfekt umsetzen. Trotzdem, wenn sie sich auf einen Planeten begeben der ihnen komplett feindselig gesonnen ist nützt auch das nicht.”

“Ich verstehe eure bedenken. Meister Muldoon ist schließlich ein guter Freund von euch und Meister Hart ein von euch ausgebildeter Novize”, sagte Rowan. “Aber vergesst nicht das die beiden schon einmal einen Konflikt zum Guten gewandt haben. Ich vertraue auf die Beiden und weiß das sie wieder zurück kommen werden.”

“Dann werde ich versuchen euren Glauben zu teilen Meister Rowan.”

“Das ist gut. Da ist noch etwas anderes über das ich mit euch sprechen möchte, jetzt wo ihr grade hier seid.”

“Bitte sprecht weiter Meister.”

“In anbetracht meines Alters und der derzeitigen positiven Lage in der sich der Orden zurzeit befindet habe ich beschlossen innerhalb der nächsten sechs Monate zurück zutreten.”

Emilia Cinderdrake sah ihn aufmerksam in die Augen. Sie schien ihre Worte sorgfältig abzuwägen bevor sie sprach.

“Seid ihr sicher das es die rechte Zeit ist Meister? Ich habe das Gefühl das die Regierung ihre Anstrengungen verstärken könnte den Orden an sich zu binden wenn Ihr weg seid.”

“Aus diesem Grund möchte ich das Fargos Muldoon mein Nachfolger wird. Er kann damit fertig werden, den er weiß wie man mit Meyer und anderen Politikern verfahren muss. Ich bin mir auch sicher das niemand etwas dagegen haben wird. Fargos ist sehr beliebt unter den Mitgliedern des Konzils.”

“Das stimmt Meister, aber warum erzählt Ihr mir davon?”

“Meisterin Cinderdrake, nein, Emilia. Ihr kennt Fargos Muldoon so lange wie ich. Er schätzt euch sehr und auch Ihr schätzt ihn. Ich möchte euch einfach bitten ihn zu unterstützen, da diese Aufgabe nicht sehr leicht ist. Vor allem nicht am Anfang. Würdet Ihr mir diesen gefallen tun Emilia?”

“Natürlich Meister Rowan Ihr hättet mich nicht darum bitten müssen. Verlasst euch auf mich.”

“Danke sehr. Jetzt will ich euch auch nicht weiter aufhalten”, sagte Rowan und stand auf. “Ihr habt sicherlich noch viel zu tun.”

Mit diesen Worten ließ Rowan Emilia Cinderdrake zurück die immer noch etwas nachdenklich schien und schlenderte Pfeifend zum Ausgang.

Ein weiteres Mal ließ Marvin seine Augen über die Zusammenfassung auf dem Monitor des Bordcomputers schweifen. Muldoon hatte vor dem Abflug sämtliche Archivdaten über die Cerotaner, Gaulantra und Minora 3 in den Bordcomputerspeicher geladen.

Die Cerotaner waren nur etwa halb so groß wie ein ausgewachsener Mann. Sie glichen einem Geschöpf das Marvin einmal während eines Ausfluges in das New Yorker History Museum gesehen hatte.

Einen Urvogel aus der Zeit bevor es Menschen gab, aber er kam einfach nicht drauf.

Die Cerotaner hatten kleine Hornschnäbel mit hunderter klitzekleiner Zähne. Sie hatten wie dieser Ur- Vogel kein gefiedert sondern ein Schuppenkleid. Die Beine waren kräftig ausgeprägt und hervorragend um zum Springen. Dafür waren die Arme sehr klein, geradezu verkümmert.

Sie waren dünn und endeten in einer Tennisball großen Hand mit vier kleinen Fingern mit scharfen Krallen.

Trotz ihrer relativ fortgeschrittenen Technologie trugen die Cerotaner selten mehr als Kleidung die auf der Erde als Laken für Betten genutzt worden.

Ein vielleicht merkwürdiges Verhalten für eine technologisch fortgeschrittene Rasse die für die Produktion von fast zwanzig Prozent technischer Geräte und fast dreißig Prozent der Waffen in der ganzen Galaxis verantwortlich war.

Aber Marvin hatte während seiner Ausbildung schon eine Menge Dinge gesehen, die oft im krassen Wiederspruch standen. Meister Muldoon hatte immer gesagt das die Dinge trotz einem konkreten Anschein nicht immer die Wirklichkeit wiederspiegelten.

Eine wirklich wahre Erkenntnis.

Das Regierungssystem der Cerotaner war die Demokratie. Eine Staatsform die auf über achtundneunzig Prozent der Mitgliedsrassen der Interplanetaren Allianz teilten. Auf einigen Planeten gab es noch eine Art von Monarchie und zwei oder drei lebten ohne eine Staatsform.

Ein sehr komplexes System war also meistens nicht nötig und nur wenige bekannte Sonnensysteme waren unabhängig geblieben, mit oder ohne Angebot der Interplanetaren Allianz.

Das System aus Handel, Kommunikation und Diplomatie war komplex und nur wenige verstanden die genauen Abläufe.

Als Crussader musste man nur einen groben Rahmen kennen.

Richtlinien um seiner Aufgabe gerecht zu werden.

Der Fall der Cerotaner war klar. Dem Verwalter von Mionra 3 passte die Staatsform nicht. Er besaß leider auch die Mittel um einen gewaltsamen Wechsel zu erzwingen.

Natürlich würde das die Interplanetare Allianz nicht so einfach durch gehen lassen. Würde Minora 3 seine Heimatwelt angreifen würde es zu einem Krieg kommen in dem sich die Interplanetare Allianz einmischen würde. Mit einer Armee aus Soldaten aller anderen Mitglieder. Da Mionra 3 eine einzige Rüstungsfabrik war, stände man einer gewaltigen Streitmacht gegenüber.

Kein schöner Gedanke.

Aber was half es darüber zu brüten?

Marvin beendete den Bericht und lehnte sich zurück.

“Bist du gut vorbereitet”, fragte Muldoon während er die Systeme ein weiteres mal prüfte.

“So gut es geht”, antwortete Marvin.

“Es wird schon genügen. In erster Linie sollst du nur zusehen. Wenn das alles vorbei ist werde ich überprüfen in wie weit du alles verstanden hast.

Muldoon lies das Schiff per Knopfdruck aus dem Hyperkanal springen und sofort tauchte der Heimat der Cerotaner vor ihnen auf. Schon von weitem erkannte man die hohe Konzentration von Wolken in der Atmosphäre. Von hier aus wirkte der Planet tief Blau, so wie Wasser an einer tiefen stelle.

Das war nicht ungewöhnlich. Solche Planeten waren eigentlich nur gewaltige Wasserwelten mit einem Minimum an Landmasse. Unwillkürliche drängte sich Marvin die Frage auf wie die Cerotaner früher gelebt hatten.

Aus dem Bericht war hervorgegangen, das die Cerotaner auf gewaltigen Plattformen hausten, mehrere Kilometer über dem Meeresspiegel. Angeblich war es sehr beeindruckend diese für viele unverständliche Bauweise zu sehen.

Das was allerdings am merkwürdigsten war, war die Tatsache das die Cerotaner das Wasser verabscheuten. Auf einem Planeten wie Gaulantra, der praktisch nur aus Wasser bestand und auf dem es an fast neunzig Prozent der Tage im Jahr regnete, erwartete man eigentlich eine etwas andere Spezies.

Trotzdem hatten die Cerotaner sich mit ihrem Schicksal abgefunden und ihre Plattformen mit gewaltigen Glaskuppeln umgeben.

“Ankommendes Schiff bitte identifizieren Sie sich”, kam es knackend durch Bordfunk.

“Einen Augenblick”, sagte Muldoon und huschte mit den Fingern über die Tastatur vor sich um die Schiffs ID freizugeben.

Für gewöhnlich war eine Schiffs ID immer aktiv aber es war ratsam sie zu deaktivieren wenn man in einen der Hyperkanäle sprang. Das Senden des Signals konnte Interferenzen hervorrufen die fast alles an Bord beeinträchtigen konnte. Am Ende konnte man dort aus dem Kanal auftauchen wo man überhaupt nicht hinwollte.

In den ersten Tagen des Hyperkanal flugs war so angeblich ein ganzer Schlachtkreuzer verschwunden.

“Ihre ID wurde bestätigt Crussader 8. Wir übermitteln ihnen jetzt die Koordinaten für ihren Landepunkt. Bitte warten Sie dort man wird sie in empfang nehmen.”

“Hört sich ja vielversprechend an”, sagte Marvin und legte den Druckgurt an.

“Ich werde zunächst mit einem abgeordneten des Oberhauptes der Cerotaner sprechen um einige Dinge in Erfahrung zu bringen”, erklärte Muldoon. “Danach werden wir nach Mionra 3 fliegen. Dort wird es, hm, schwieriger werden als ich es hier erwarte.”

“Ich bin dabei”, sagte Marvin und lächelte seinen Meister schief an.

“Gut”, sagte Muldoon und steuerte den Transporter in die Atmosphäre.

Der Transporter war ein älteres Modell was man sofort merkte. Ein spürbarer Ruck rüttelte das ganze Schiff durch und ohne die Druckgurte wären Pilot und Copilot durch das Cockpit geschleudert worden.

Als sie aus der Atmosphäre hinaus waren, legte sich das ruckeln und Marvin konnte die Plattformen sehen. Wie Teller die in der Luft standen breiteten sie sich ohne erkennbares Muster aus. Verbunden waren sie durch mehrere, unterschiedlich große Glasröhren in denen es einige Bewegung gab.

Muldoon flog den Transporter trotz des Regens, der fast sofort eingesetzt hatte ruhig über einige der Plattformen hinweg. Tatsächlich waren die meisten Plattformen mit Glaskuppeln überdacht.

Marvin erkannte sogar künstliche Landschaften unter den Kuppeln.

Muldoon begann mit dem Landemanöver. Ziel war eine kleinere Plattform die nicht überdacht war. Dort standen schon einige merkwürdig Raumschiffe unterschiedlicher Größe, allerdings entsprachen sie alle der gleichen Bauart.

Mit einem kurzen rumpeln setzte der Transporter auf und Muldoon fuhr das System herunter.

“Dann wollen wir mal”, sagte er und deutete Marvin mitzukommen.

Im hinteren Bereich des Transporters gab es an der rechten Wand einige Spinde. Muldoon öffnete einen von ihnen und reichte Marvin ein Schwert. Es war ein für die Crussader Typisches Schwert im alten japanischen Stil. Der Griff war schlicht und ohne Verzierungen und auch die Schwertscheide, in einem matten grau, war schlicht gehalten.

Muldoon wartete bis Marvin das Schwert angelegt hatte und reichte ihm dann ein zweites Schwert das dem ersten absolut identisch schien.

Marvin sah ihn nur fragend an.

“Jetzt nimm schon”, sagte Muldoon ruhig. “Ich weiß das du schon seit langem den zwei Schwerter Stiel trainierst. Es ist schon sehr lange her das jemand im Orden diesen Stiel gelernt hat und ich weiß das du sehr gut bist.”

“Du bist sehr gut im Observieren”, sagte Marvin, lächelte schief und legte das zweite Schwert an.

“Das gehört dazu und außerdem kenne ich deinen Ergeiz. Du suchst immer die Herausforderung”, entgegnete Muldoon und richtete das Schwert an seiner Hüfte.

Als sie bereit waren lies Muldoon die Einstiegsluke am Heck hinunter und er, gefolgt Marvin von verließen den Transporter.

Das erste was Marvin auffiel war die Luft. Sie roch nicht wie normale Luft, sie roch nicht einmal wie die wiederaufbereitete Luft in einem Raumschiff. Sie roch süßlich, so als würde man mit der Nase in einem Blumenstrauß stecken. Es dauerte eine Moment, doch er gewöhnte sich schnell daran.

Muldoon schien es nichts auszumachen. Jedenfalls lies er sich nichts anmerken.

Von einem der Säulenförmigen Gebäuden an der Landebucht kam eine Abordnung von Cerotanern zu ihnen herüber. Sie gingen alle sehr merkwürdig aufrecht, als hätten sie Zeit ihres Lebens geübt so zu gehen und es noch immer nicht so ganz perfektioniert. Sie kamen ohne hasst herüber und Marvin erkannte auch sonst keine Anzeichen der Geschwindigkeit die er eigentlich von der Erde gewohnt war.

Dort rasten Autos über die wenigen Straßen und die Antigrav- Fahrzeuge durchzogen in einem dichten verkehr den Himmel. Dazu kamen noch Transportfahrzeuge wie Hooverzüge und Transporter und natürlich Raumschiffe.

In dieser Stadt, wenn man es so nennen durfte, schien sich jedoch nichts zu bewegen. Die wenigen Fahrzeuge die hier standen schienen schon seit einiger Zeit nicht mehr bewegt worden zu sein.

Wenn es hier so etwas wie ein geschäftliches Treiben gab, dann war es gut versteckt.

“Seid uns gegrüßt Crussader”, sagte einer der gut fünfzehn Cerotanern. Er unterschied sich nur in seiner Schuppenkleidfarbe von den anderen. Während diese eher dunkel waren, schimmerte in seinen Schuppen ein leichter roter Stich. “Ich bin Fshw. Ich spreche für unsere Regierung mit euch.”

Seine Stimme war wohlklingend und Melodisch.

“Seid auch ihr uns gegrüßt Regierungssprecher Fshw. Ich bin Meister Muldoon und das ist Meister Hart. Wir sind eurer bitte entsprechend zu euch gekommen um uns um die Probleme mit dem Magistraten von Mionra 3 zu kümmern.”

“Wir danken euch für euer schnelles Erscheinen”, sagte Fshw. “Bitte folgt mir zu unseren Sprechsälen.”

Damit machte er auf dem Absatz kehrt und ging mit seinen Artgenossen vor während Muldoon und Marvin ihnen hinterher gingen.

Für so kleine Kerlchen waren sie gut zu Fuß und die beiden Menschen musste einen schnellen Schritt gehen um an ihnen dran zu bleiben.

“Flinke Kerlchen”, flüsterte Marvin nachdem sie in eines der Gebäude eingetreten waren.

“Sie sind sehr aufgeregt”, entgegnete Muldoon. “Sie empfangen nur selten Gäste von anderen Welten.”

“Wirklich? Das ist Schade. Hier ist es sehr interessant.”

Das war es wirklich. Man sah es dem Gebäude nicht an, aber es war von innen durchsichtig und man konnte den Himmel und alles sehen was draußen vor sich ging. Im Inneren des Gebäudes war es wie in einem Wald überall Bäume, Pflanzen und sogar ein Bach floss über den Boden.

Die Cerotaner hatten sich die Natur in ihre Häuser geholt und das wahrsten Sinne. Es sah so aus als wäre das ganze Gebäude um einen Wald errichtet worden. In den Kronen vieler Bäume erkannte Marvin so etwas wie kleine Häuser und über all führten Treppen in den Himmel, wo sie schließlich einfach verschwanden.

Genau so eine Treppe hatten die Cerotaner jetzt angesteuert. Marvin und Muldoon folgten ihnen immer noch, obwohl Marvin , angetan durch den Wald, am liebsten noch etwas stehen geblieben wäre.

Natürlich endete die Treppe nicht im Himmel. Dort wo die Treppe endete öffnete sich eine Tür und ließ die Gruppe in ein Zimmer ein, das wie ein Verhandlungssaal wirkte. Fshw und seine Begleiter ließen sich auf Sitzen nieder die einem gepolsterten Nest auf einer Stange ähnelten.

Für Muldoon und Marvin gab es keine passende Sitzmöglichkeit. So blieben Beide stehen, eine willkommene Abwechslung nach dem Sitzen im Transporter.

“Bitte entschuldigt unseren Mangel an Sitzmöglichkeiten für andere Humanoide”, sagte Fshw. “Wir ziehen es vor uns nicht allzu sehr mit anderen Rassen einzulassen.”

“Wir haben davon gehört, zu unseren Bedauern. Es wäre sicher sehr interessant eure Kultur näher kennen zulernen”, sagte Muldoon.

“Vor allem eure Art zu Leben”, fügte Marvin hinzu. “In dieser künstlichen Umwelt.”

“Sie ist nicht künstlich”, erklärte Fshw freundlich. “Das hier ist alles was von unserer Welt übriggeblieben ist, bevor sie so wurde wie ihr sie seht.”

“Meint Ihr, es sah hier einmal so aus wie dort unten in der Halle?”

“Selbstverständlich, aber das ist schon sehr lange her”, sagte Fshw und seine Stimme wurde traurig. “Ihr müsst wissen Meister Hart, wir berechnen unsere Zeit anders als ihr Menschen es tut. Ich lebe schon so lange das es in eurer Welt keinen Zeitbergriff dafür gibt. Unser Volk pflanzte sich nicht so fort wie es bei euch Brauch ist. Wir wurden aus der Natur geschaffen. Das geht jetzt nur noch begrenzt, da wir nur wenig von der eigentlichen Natur des Planeten bewahren konnten.”

“Wieso ist das alles hier geschehen”, fragte Marvin und deutete durch ein Fenster nach draußen.

“So sehr wir es genießen über unsere Vergangenheit zu reden”, erklärte Fshw, “so sehr vermeiden wir es über die Ereignisse zu reden die uns fast ausgelöscht haben. Wir nennen diese Zeit nur die Dunkelheit. Ich habe sie erlebt und kann euch sagen, das seit dem wir so leben wie wir es nun tun, wir nie wieder so glücklich waren wie vor der Dunkelheit.”

“Ihr müsst sehr gelitten haben”, sagte Marvin. “Bitte entschuldigt meine Frage.”

“Ihr müsst euch nicht entschuldigen”, entgegnete Fshw. “In der Tat, ich bin überrascht. Ihr beide seid anders als ich die Menschen in Erinnerung hatte.”

“Wart Ihr einmal auf der Erde”, fragte Muldoon.

“Vor langer Zeit sendeten wir unsere letzten Raumfähigen Schiffe aus um andere Planeten zu finden. Eines unsere Schiffe landete auf der Erde, das war noch bevor die Menschen sich so entwickelt hatten wie Ihr zwei Beide. Als der Kontakt abbrach nahmen wir unser letztes Schiff und verfolgten die Koordinaten. Das andere Schiffe war auf der Erde notgelandet, allerdings waren schon Jahre vergangen und die Besatzung hatte sich dem Planeten angepasst. Sie waren verwildert und deshalb ließen wir sie zurück. “

“Eins verstehe ich nicht”, sagte Marvin plötzlich. “Wenn sich Euer Volk so sehr von anderen Völkern bedroht sieht, warum handelt ich dann mit ihnen? Ihr seid doch führend in der Herstellung von Maschinen.”

“Wir wirken in der Tat etwas heuchlerisch”, sagte Fshw und er hörte sich amüsiert an. “Wir sind zwar technisch sehr versiert und unser Fortschritt erweitert sich stetig, aber wir haben hier keine Ressourcen. Deshalb haben wir begonnen zu handeln, um das hier zu schaffen, eine Heimat für unser Volk.”

“Dann verlasst ihr den Planeten nie?”

“Nur selten und nicht lange.”

“Wie hält es dann der Magistrat auf Mionra 3 dort aus, so weit weg von seiner Welt?”

“Der Magistrat ist kein Cerotaner”, sagte Fshw. “Er ist ein Telwas.”

“Ein Telwas”, sagte Muldoon. “Sie sind doch eigentlich Piraten, wenn ich mich nicht irre.”

“Ihr irrt euch nicht Meister Muldoon. Als wir einen unbewohnten Planeten mit ausreichend Recourssen suchten, stießen wir auf Mionra 3. Eine Welt im Überfluss. Wir fingen ein Signal auf, das von einem abgestürzten Rettungsshuttle kam. Dort fanden wir einen Telwas mit dem Namen Se’ghr. Er sagte uns das er bei der Zerstörung seines Piratenschiffes als einziger entkommen konnte und hier gelandet sei. Das ist auch schon so lange her.”

“Telwas sind unsterbliche, nicht wahr”, fragte Marvin.

“Ja, auf natürlichem Wege können sie ewig leben”, sagte Muldoon. “Selbst wenn man versucht sie aus dem Weg zu räumen sollte man sich versichern das man erfolg hatte.”

“Gut, und warum habt ihr diesen Se’ghr zu euerem Magistraten auf Miorna 3 gemacht?”

“Er bot es uns an aus Dankbarkeit. Außerdem war es eine Möglichkeit anderen Rassen aus dem Weg zu gehen, obwohl wir zu dieser Zeit schon Mitglied im Interplanetaren Rat waren.”

“Und jetzt hat sich der Magistrat gegen euch gestellt”, sagte Muldoon und nickte.

“Seine monatlichen Berichte kamen mit immer größerer Verspätung und blieben schließlich aus. Er reagierte nicht auf Anfragen und unser Geheimdienst fand heraus, das er sich eine Art eigene Armee zusammenstellt. “

“Nur aus Maschinen”, fragte Marvin. “Ein wenig uneffizient. Ich meine selbst eine gute KI ersetzt noch keinen Menschen oder?”

“Stimmt”, pflichtete Muldoon bei. “Allerdings ist das auch nicht nötig. Es reicht wenn er genug davon hat und mit einem Planeten wie Miorna 3, der sowohl Ressourcen als auch Produktionsstätten aufweißt, ist das kein Problem. Außerdem weiß ich das die Cerotaner ein friedliches Folk sind.”

“Das ist richtig”, sagte Fshw. “Wir nehmen keine Waffen in die Hand und die Maschinen die wir produzieren haben auch keine Waffen um Lebewesen zu töten. Allerdings gibt es Gerüchte das die Produktion auf Mionra 3 unlängst umgestellt wurde.”

“Wir werden uns dort umsehen”, sagte Muldoon. “Allerdings erwarte ich nach diesem Gespräch nicht, das man uns mit offenen Armen empfangen wird.”

“Der Telwas Se’ghr ist ein sehr clever Mann. Er wird Euch empfangen aber ihr dürft ihm nicht allzu sehr trauen. Telwas haben die Eigenschaft sehr einlullend auf andere Spezies zu wirken.”

“Danke für euren Rat Regierungssprecher Fshw. Wir werden ihn beherzigen.”

“Unsere Arbeiter haben sich um die Wartung eures Schiffes gekümmert”, sagte Fshw als einer seiner Assistenten sich zu ihm herüber beugte. “Im Namen unserer Regierung möchte ich Euch viel erfolg wünschen.”

“Danke, den werden wir haben”, sagte Muldoon und deutete Marvin an zu gehen.

Diesmal ohne Geleitschutz kehrten sie zum Transporter zurück.

Muldoon war sehr still gewesen und Marvin wartete bis zum Abflug bevor er seine Frage stellte.

“Hat Fshw irgendetwas gesagt das dich beunruhigt?”

Muldoon gab die Koordinaten für eine Flugroute nach Mionra 3 ein dann wandte er sich Marvin zu.

“Nicht direkt beunruhigen aber da gibt es einige Dinge die mich verwundern. Warum haben die Cerotaner jemanden andern als Stadthalter für Mionra 3 eingesetzt?”

“Vielleicht weil es ihnen sicher erschien?”

“Nein, dazu sind sie eigentlich zu Misstrauisch.”

“Fshw sagte doch, das Telwas sehr einschmeichelnd sein können.”

“Das ist richtig. Es liegt an der Ausstrahlung der Telwas, alles was sie tun und sagen scheint einen Sinn zu ergeben, allerdings nur für gewisse Spezies. Menschen sind eigentlich immun dagegen es sei den sie sind besonders einfältig. Das ist natürlich etwas wogegen sich die Cerotaner trotz ihrer Fortschrittlichkeit nicht wehren können.”

“Du hast es eben gesagt und ich hatte es schon gelesen”, sagte Marvin, “so fortschrittlich scheinen sie mir gar nicht zu sein.”

“Das wissen sie zu verbergen. In der Tat ist es so, das sie ein einfaches Leben vorziehen. Schon lange bevor sie fast untergingen, waren die Cerotaner die ersten wirklichen Sternenfahrer. Sie sind wirklich unglaublich alt, wahrscheinlich wissen nur sie wie alt wirklich.”

“Wisst ihr etwas über die Ursache ihrer beinahen Vernichtung?”

“Nein, darüber schweigen sie schon immer still.”

“Schade ich hätte gerne mehr darüber gewusst.”

“Vielleicht findest du es eines Tages heraus”, sagte Muldoon. “Zuzutrauen wäre es dir.”

“Kümmern wir uns erst einmal um diesen Telwas”, sagte Marvin und lehnte sich zurück.

“Wie du wünscht”, entgegnete Muldoon.

“Ich gratuliere dir zu deiner bestandenen Prüfung”, sagte Orkus Meldorn und reichte dem jungen Mann vor sich die Hand. “Natürlich habe ich nicht daran gezweifelt das du bestehen würdest.”

“Natürlich nicht Meister Meldorn”, entgegnete der Mann. “Euer Unterricht war sehr lehrreich für mich.”

“Das hoffe ich”, sagte Meldorn und nahm eines der Schwerter von der Wand. “Das ist für dich Desothes.”

Desothes Gartget war ein langer dünner Mann mit einer glatten, zurückgekämmten Frisur die seine schwarzen Haare immer etwas schimmern ließ. Seine Augen waren tiefblau und er hatte begonnen sich einen Kinnbart wachsen zu lassen.

“Danke Meister”, sagte er und nahm das Schwert entgegen.

Er zog es mit einer fließenden Bewegung heraus und stoppte es direkt neben sich, kurz bevor er in den Boden schnitt. Dann hielt er es vor sich hoch und sah sich die Klinge an.

“Sehr gute Arbeit”, sagte Desothes. “Es wurde noch nie benutzt.”

“Das stimmt.”

Desothes Gartget steckte das Schwert wieder in die Scheide.

“Marvin Hart war nicht bei der Prüfung. Wissen Sie etwas darüber?”

“Er ist mit Meister Muldoon auf eine Mission geflogen. Eine andere Art von Prüfung.”

“Wie schade”, sagte Desothes und lies das eingesteckte Schwert sinken. “Ich dachte ich könnte mich noch einmal mit ihm messen bevor wir aufbrechen.”

“Versteife dich nicht so sehr darauf. Marvin Hart ist nur ein kleines Licht und nicht so bedeutet wie alle es ihm zumessen.”

“Warum macht dann jeder so ein aufheben um ihn”, fragte Desothes und lies sich in einen Stuhl sinken.

“Es ist nicht zu leugnen das er ein guter Schwertkämpfer ist und das ihn viele Leute achten, aber trotz allem ist er ein Niemand. Bedeutungslos wie jeder zweite den der Orden hervorbringt. Seinen wir doch ehrlich, fast niemand endet hier anders als jeder andere Mensch. Nicht mal als Fußnote in der Geschichte.”

“Stimmt das Gerücht, das Meister Rowan sich zurückziehen will”, fragte Desothes und beobachtete Meldorns Rücken während dieser aus einem Fenster blickte.

“Anscheinend stimmt es. Einer der Meister aus dem Konzil hat mir davon erzählt. Es wurde auch Zeit. Rowans ständige Weigerung dem Fortschritt gegenüber und seiner Sturheit gegen die Regierung bin ich schon lange Leid.”

“Ihr wisst aber das fast alle Crussader Rowan als würdigen Anführer sehen?”

“Selbstverständlich weiß ich das”, sagte Meldorn und drehte sich um. “Trotzdem treten wir nur auf der Stelle. Es müsste jemand mit Visionen unser neue Großmeister werden. Jemand der keine Angst vor Fortschritt und Regierung hat und der die Crussader auf einen neuen Kurs bringt.”

“Hört sich auch nicht schlecht an”, sagte Desothes und grinste. “Ich helfe euch gerne wenn ihr mich braucht.”

“Das schätze ich an dir Desothes. Anders als die meisten Anderen hier weißt du das es besser ist sich der stärkeren Macht anzuschließen.”

“Nur wer der Macht folgt findet Macht.”

“Wie wahr.”

“Da gibt es nur ein paar Dinge noch geklärt werden müssen.”

“So?”

“Wer würde für Euch stimmen? Wie Ihr schon sagtet teilen so gut wie alle anderen Meister Rowans Einstellung und genau so gut kennen sie Eure. Die werden Euch niemals zum Großmeister ernennen.”

“Das weiß ich auch”, sagte Meldorn aber es klang nicht beleidigt. “Ich weiß ebenso gut, das der nächste Großmeister Fargos Muldoon werden wird. Ja, mein alter Freund ist ja auch quasi ein Abbild vom alten Rowan.”

“Das verwirrt mich etwas.”

“Das braucht es nicht. Ich habe schon mit eingeplant das es so kommen würde. Allerdings ist es auch gut so, denn wenn Fargos der neue Großmeister wird, werde ich als stellvertretender Ausbildungsleiter zum Ausbildungsleiter befördert und das wiederum sichert mir einen Platz im Konzil.”

“Ist das nicht etwas zu kompliziert?”

“Unterschätze niemals Leute mit Idealen”, sagte Meldorn. “Sie sind zwar ähnlich wie Fanatiker überzeugt von ihrer Meinung, aber dennoch denken und handeln sie immer logisch. Das werde ich ausnutzen.”

“Das wird schwer. Das Konzil ist mit Sicherheit nicht so einfach einzuschüchtern wie vielleicht einige der normalen Meister. Wenn Muldoon Großmeister ist, so hat er garantiert Meisterin Cinderdrake, Meister Groinsmaug, Meister Thabot und Meister Doorian auf seiner Seite. Die sind ihm garantiert Treu, den sie waren auch schon Rowan ergeben.”

“Damit rechne ich. Ich habe auch nicht vor jemanden aus dem Konzil einzuschüchtern. Das wäre Sinnlos. Die Meister dort sind alle so verbohrt und verstarrt das ich sie nie überreden könnte mir zu helfen. Deshalb werde ich das tun was ich dir vorhin schon gesagt habe.”

“Ach ja? Und was war das?”

“Das die Zukunft der Generation gehört die bereit ist etwas zu ändern und die alles dafür tun wir in den Geschichtsbüchern zu stehen.”

“Meint Ihr etwa... .”

“Ja, genau das aber wir müssen vorsichtig vorgehen.”

“Ihr meint wir brauchen Zeit”, sagte Desothes gelangweilt.

“Sag es nicht so als wäre es schlecht”, entgegnete Meldorn. “Sicherlich wird es Zeit kosten, aber diese Zeit können wir zu unserem Vorteil nutzen. Pläne müssen ausgearbeitet werden, Dinge müssen Organisiert werden und Vorbereitungen müssen getroffen werden.”

“All das nur um den Crussader Orden zu verändern?”

“Nein, das ist nur ein kleiner Teil davon”, sagte Meldorn und lächelte gespenstisch. “All das um die Erde zu verändern.”

“Du bist ja heute nich gesprächig”, sagte Duke und stellte seinen Trinkbecher auf den Tisch. “Ich dachte wir würdn ein bisschen Feiern weil wir bestanden haben und so.”

“Eigentlich hast du recht”, entgegnete Min und schob ihr leeres Glas über die metallene Tischplatte hin und her. “Ohne Marvin ist mir irgendwie nicht nach feiern zu mute.”

“Ich versteh dich. Er fehlt mir auch und wenn man bedenkt das wir uns bald für eine Zeit nicht mehr sehen.”

“Seit fast fünf Jahren kennen wir uns jetzt alle und wie haben mehr Zeit zusammen als getrennt verbracht. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen das wir uns lange nicht mehr sehe werden.”

“Stimmt, ich meine ich werde zwar hier bleiben, ich habe mit Meister Trags den Verantwortlichen für den Fuhrpark, gesprochen und er wird mich dort Unterweisen aber wenn du ein Wächter wirst, wirst du vielleicht in eines der Äußeren Systeme versetzt. Von Marvin ganz abgesehen.”

“Es freut mich für dich”, lächelte Min. “Aber so ganz freuen tut es mich dann doch nicht.”

“Glaubst du das er wirklich gehen wird”, fragte Duke nach kurzem schweigen.

“Du kennst ihn doch”, sagte Min. “Marvin ist ein Freigeist und er könnte glaube ich nirgends seine Freiheit ausleben egal wo man ihn hinschicken würde.”

“Das stimmt. Weißt du noch als er immer abends rausgegangen ist um zu trainieren?”

“Das gab damals ganz schönen ärger. Ich hätte damals nicht gedacht, das wir jemals so weit kommen.”

“Hey was is das denn”, fragte Duke plötzlich und sah angestrengt in den Himmel.

Min folgte seinem Blick und erkannte einen der Transporter des Crussader Ordens, der auf das Gelände zu steuerte.

“Der fliegt aber ziemlich tief, außerdem wäre es besser von der Nordseite zur Landebucht zu fliegen.”

“Verdammt”, sagte Duke und sprang auf. “Der schmiert ab.”

Es stimmte. Jetzt fiel Min auch auf das der Transporter leicht schlingerte. Allen Anschein nach kämpfte der Pilot damit die Kontrolle zu behalten und es sah so aus als würde er nicht gewinnen.

Dann kam Min die zweite Erkenntnisse, der Transporter würde mitten auf das Gelände stürzen. Sofort war sie neben Duke und fuhr herum. Auf dem Gelände befanden sich noch einige Schüler, Novizen und auch einige Meister.

“Vorsicht”, schrie Min so laut sie konnte und gestikulierte wild gen Himmel. Einige sahen erst zu Min und dann hoch zum Himmel und innerhalb weniger Sekunden rannten alle auseinander.

Der Transporter schoss knapp über das Dach des Hauptgebäudes hinweg und der Pilot schaffte es im letzten Augenblick noch den Transporter zur Seite ausbrechen zu lassen, bevor er in die Trainingshalle donnerte. So krachte der Transporter nur wenige Meter hinter die offene Trainingsfläche auf den Boden und rutschte wie ein Pflug über den Rasen wobei er eine Erdschneise zog.

Min und Duke waren sofort, als klar war das der Transporter außerhalb ihrer Reichweite aufkommen würde losgerannt.

Min war zuerst da. Der Transporter sah ziemlich mitgenommen aus. Die Front glühte noch von dem steilen Absturz und es war ein Wunder dass das Heck nicht abgerissen war. Der Absturz hatte es ziemlich verformt und ein großer Riss hatte sich, wahrscheinlich, durch eben diesen Sturz an der linken Seite gebildet. Der Transporter selbst lag mit Schlagseite nach rechts und einem aufgeschobenen Erdwall vor sich da.

“Geh nich so nah ran”, sagte Duke der jetzt ebenfalls angekommen war. “Vielleicht explodiert der Antrieb.”

Schon waren einige andere Meister gekommen und einer der Wachen des Tempelkomplexes war auch dabei. Er ging zu dem abgestürzten Transporter und brach die äußere Vorrichtung für die Heckverriegelung auf. Mit einem grausigen, metallischen Krachen öffnete sich die Heckklappe einen Spalt. Allerdings war der Spalt zu Eng als das jemand hindurchpassen könnte.

“Die Verrieglung ist verklemmt”, rief der Mann von der Tempelwache.

Ein ungutes Grollen kam von den Triebwerken. Wahrscheinlich hatten sie beim Absturz etwas abgekriegt. Zwar waren grade die Antriebe für solche Fälle besonders gesichert aber hundertprozentig Sicher waren sie nicht.

Einige der Meister traten unschlüssig zurück.

Duke trat zur Luke hinüber. Er war noch Jung, grade mal Anfang zwanzig aber er war trotzdem schon ein sehr kräftiger junger Mann. Er trainierte viel und es gab keinen anderen im Crussader Tempel der so stark war wie Duke Vorn. Er zog seine Jacke aus und warf sie über die Öffnung, dann griff er zu und zog mit aller Kraft. Der Mann der Tempelwache und zwei Meister kamen ihm zur Hilfe und sie schafften es wirklich den Spalt noch zu vergrößern.

Trotzdem war er noch immer sehr schmal.

“Ich glaube ich passe da durch”, sagte Min.

Bevor jemand sie aufhalten konnte war sie schon durch den Spalt geschlüpft.

“Pass auf da drinnen”, rief Duke ihr nach.

Im Gürtel, der zu der Uniform der Crussader gehörte, gab es mehrere kleine Täschchen mit nützlichen Utensilien. Aus einer dieser Taschen zog Min ein kleines Feldlicht. Das rotflackernde Notlicht das immer aufblinkte war keine wirkliche Hilfe. Min fand sehr schnell was sie gesucht hatte. Für solche Fälle gab es in der Schalttafel im Hinteren Teil des Transporters einen Notknopf der die Türen absprengte.

Min fand ihn fast sofort und drückte ihn. Mit einem dumpfen Knall wurden die Türen nach außen weggesprengt und Min verlor das Gleichgewicht. Sie landete ziemlich unsanft auf dem Hintern. Sofort kamen einige der Meister durch den Einstieg und eilten ins Cockpit.

Jemand ergriff sanft aber nachdrücklich Mins Arm und half ihr erst auf und dann aus dem Transporter. Es war der Mann der Tempelwachen.

“Alles in Ordnung”, fragte der Mann.

“Ja Danke”, sagte Min die leichtes Ohrensausen durch die Explosion hatte und leicht strauchelte.

“Kommen Sie mit dort herüber”, sagte der Mann und führte Min zu einem der Bäume in der Nähe. “Setzen Sie sich und warten Sie kurz.”

Min nickte nur und versuchte das Sausen aus dem Kopf zu bekommen. Sie ließ sich an dem Stamm hinunter gleiten und blieb Sitzen. Immer mehr Leute, sowohl Crussader als auch die Männer der Tempelwache kamen herbei und plötzlich wurde es hektisch.

Min sah wie Zwei Crussader auf Tragen weggebracht worden und dann alle vom Wrack wegtraten. Duke und der Mann von der Tempelwache waren plötzlich da und halfen ihr hoch um sie noch etwas weiter von dem Wrack wegzubringen.

Ein lauter Knall und das Plasma in den Triebwerken entzündete sich und das halbe Wrack.

“Sind alle raus”, fragte Min nach kurzem verschnaufen.

“Ja”, sagte Duke und rieb sich den Kopf an der Stelle an der er sich gestoßen hatte als er in das Cockpit gestolpert war. “Es waren nur zwei Insassen.”

“Marvin und Meister Muldoon”, fragte Min und sprach das aus was sie von Anfang an gedacht hatte.

“Nein”, antwortete der Mann von der Tempelwache. “Es waren Meister Novac und Meister Moongrave.”

“Übel”, fügte Duke hinzu und meinte die Beiden Meister.

“Wie konnte das passieren”, fragte Min und fand langsam einen sicheren Stand wieder.

“Ich konnte nichts weiter erkennen”, sagte der Mann von den Tempelwachen. Allerdings ist Meister Novac ein ausgezeichneter Pilot. Es fällt mir schwer zu glauben das es ein menschliches Versagen war.”

“Leutnant Cone”, sagte ein anderer Mann der Tempelwachen war zu Ihnen herüber gekommen. “Captain Cone erwartet Sie. Sofort.”

“Danke Korporal”, sagte Cone und nickte Min und Duke zu. “Danke für Ihre Hilfe.”

“Sag mal”, fragte Duke als Cone verschwunden war, “war der mit dem Captain Cone verwandt, dem Chef der Wachen?”

“Natürlich, wusstest du das nicht? Er ist sein jüngerer Bruder”, erklärte Min.

“Nee, wusste ich nicht.”

“Du solltest zum Arzt gehen”, sagte Min ruhig und deutete auf Dukes Kopf. “Sonst könnte das noch schlimmer werden.”

“Du hast recht wie immer”, grinste Duke. “Kommst du mit.”

“Lass uns gehen”, sagte Min und ging mit Duke an einigen Feuerwehrleuten vorbei die zum brennenden Wrack eilten.

Es war schon spät am Abend als Abraham Rowan aus dem Krankenrevier wiederkam. Der Absturz war eine wirklich üble Sache gewesen. Meister Moongrave hatte seine rechte Hand verloren und der linke Arm war durch Plasma Verbrennungen bis aufs tiefste Gewebe zerstört. Meister Novac würde die Nacht vielleicht nicht überleben.

Das Schlimmste war, das niemand wusste was geschehen war. Das ausgebrochene Feuer hatte das gesamte Cockpit und alle Aufzeichnungen zerstört. Zwar gab es Schäden an der Außenhülle aber die Sachverständigen aus dem Tempel konnten nicht einwandfrei sagen ob diese durch den Aufprall oder schon vorher zugefügt worden.

Noch schlimmer war allerdings, das alles darauf hinaus lief das jemand eine Bombe platziert hatte.

Zur Zeit der ersten Interplanetaren Flüge waren Abstürze keine Seltenheit gewesen, vor allem durch menschliches Versagen.

Heute war dieser Faktor fast gänzlich ausgeschlossen. In jedem Raumschiff war eine Intelligente KI die sofort die Kontrolle übernahm wenn die menschliche Steuerung versagte. Wenn ein Raumschiff keine Manuelle Eingabe zum Landeanflug bekam, konnte es auch nicht landen. Geschweige den abstürzen. Es würde solange im Orbit fliegen bis die Eingabe erfolgte.

Es sei den man würde einen Master Reset durchführen, was hieße das man die komplette Steuerung selbst übernahm und so etwas konnten nur wenige.

Novac und Moongrave waren zu einem Planeten unterwegs gewesen auf dem es kein Leben gab, nur um ihn dem Planetaren Verzeichnis hinzuzufügen. Das war vor ein paar Wochen gewesen und beim letzten Bericht war alles in Ordnung gewesen. Was war also schief gelaufen?

Man konnte alles drehen und wenden, so wie es aussah war wirklich an dem Schiff herumgebastelt worden.

Das alles bestätigte Rowans Vermutung das etwas vor sich ging und zwar im Crussader Orden. Er hatte lange überlegt ob ihn sein Gespür nicht täuschte, was nie vorkam, oder ob er vielleicht langsam eine alters bedingte Paranoia bekam. Im Alter kam es oft vor das man glaubte Dinge würden geschehen ohne das irgendetwas dazu Ausschlag gab.

Vielleicht war es auch jetzt so und Rowan überlegte ob es gut war den Orden in nächster Zeit zu verlassen. Doch er kam immer wieder zu der selben Erkenntnis. Seine Zeit war vorbei. Er hatte während seiner Zeit als Crussader so viele Schlachten geschlagen, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch an Verhandlungstischen, das es für mindestens vier Leben reichte.

Und auch schon vor her, aber das waren Geschichten an die er nicht gerne dachte. Es waren auch Geschichten die lieber tief in seinem Gedächtnis ruhten anstatt das jemand davon erfuhr.

Nein, er musste gehen. Wie pflegte er immer zu sagen: “Es ist an der Zeit für jünger Generationen sich zu beweisen.”

Ein guter Wahlspruch und auch wenn sein guter Freund Fargos Muldoon jetzt schon in das alter eines Bodenständigen Mannes kam, so wie Rowans es war, so war er doch immer noch jung genug um sich gegen alle Probleme die kommen mochten durchzusetzen. Außerdem gab es noch andere die jetzt vielleicht eine wichtige Rolle innerhalb des Tempels einnehmen würden.

Auch wenn Rowan sehr an alten Traditionen festhielt, so war diese Art von Wechsel für ihn mehr als wünschenswert.

Aber was war mit dem Transporter? Das beschäftigte ihn doch sehr.

Letztendlich würde irgendwann herauskommen was geschehen war, aber die Zeit war nicht immer ein Freund.

Das leise Piepen von dem Kommsystem das in die Tischplatte eingearbeitet war weckte Rowan aus seinen Überlegungen. Es war ein Signal von Fargos Muldoon. Nur Audio.

Rowan aktivierte die Lautsprecher per Knopfdruck auf das Touchdisplay.

“Hallo Fargos”, sagte Rowan. “Wie stehen die Dinge?”

“Wir sind unterwegs nach Mionra 3”sagte Muldoon mir seine ruhigen stimme. “Scheint als wären die Cerotaner einem Telwas auf den Leim gegangen. Er sollte eigentlich nur der Verkäufer für die Produkte sein, hat dann aber wohl angefangen einiges unter der Hand zu vertreiben. Die Cerotaner trauen sich allerdings nicht gegen ihn zu handeln.”

“Wird es einen Konflikt geben?”

“Schwer zu sagen, aber ich gehe mal von Nein aus. Telwas sind zwar hinterlistig und sehr wortgewandt, aber sie würden nicht versuchen sich mit zwei Crusadern anzulegen, die noch dazu im Auftrag der Interplanetaren Allianz stehen.”

“Seid trotzdem vorsichtig. Telwas können gefährlich werden wenn man sie zu hastig in die Ecke treibt und dieser Telwas hat immerhin eine Menge Waffen zur Verfügung.”

“Keine Sorge Abraham. Wir werden uns schon zu helfen wissen wenn er so weit gehen sollte.”

“Ich weiß ich kann mich auf euch verlassen”, sagte Rowan.

“Das war soweit alles. Wir werden uns jetzt noch etwas ausruhen. Muldoon ende.”

“Tut das, Rowan ende.”

Das matte aufleuchten des Displays verschwand und Rowan war wieder für sich. Langsam stand er auf. Es war an der Zeit wieder in das Krankenrevier zu gehen, vielleicht gab es Neuigkeit über den Zustand von Novac und Moongrave.

Er hoffte jedenfalls das es nichts schlimmes war.

Und so verließ Abraham Rowan, amtierender Großmeister des Crussader Ordens sein Quartier um einmal mehr eine Nacht ohne schlaf zu verbringen und sich um die Zukunft Gedanken zu machen während er die leeren Flure zum Krankenrevier entlang schritt.