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Kapitel 2 - Entscheidung

Wie viele andere Gruppierungen die in dieser Art existiert haben gab es auch bei den Crusadern eine Satzung. Eine Art Regelement das festlegte wie die Crussader sich zu verhalten hatten, ihre Rechte und ihre Pflichten.

Regel Nummer 1: Ein Crusader ist verpflichtet jedem zu helfen der ihn darum bittet.

Regel Nummer 2: Das Wohl der Anderen steht an erster Stelle der Pflicht der Crusader.

Regel Nummer 3: Ein Crusader darf das Schwert nie außerhalb des Trainings gegen einen anderen Crusader richten.

Regel Nummer 4: Leben zu schützen ist das höchste Gut der Crusader.

Regel Nummer 5: Das Schwert darf nie gegen unbewaffnete benutzt werden.

Regel Nummer 6: Die Verpflichtung der Crusader gehört dem Orden der Crusader.

Regel Nummer 7: Der Weg der Diplomatie ist dem Weg des Konfliktes vorzuziehen.

Wer diese Regeln Missachtete wurde aus den Reihen der Crussader verstoßen. Das war allerdings in all den Jahren von der Entstehung des Ordens bis zu diesem Zeitpunkt nur einmal vorgekommen.

Es waren diese Regeln die dafür sorgten, das die Crussader nicht mit gezogenen Schwertern herum rannten und jeden Schikanierten.

Das war allerdings auch ohne die Regeln schwer vorstellbar da es als eine äußerst ehrenvolle Aufgabe galt ein Crusader zu sein.

Das war vielleicht auch ausschlaggebend warum die Crusader auch bei anderen Spezies so ein hohes Ansehen genossen.

Im Allgemeinen ging man mit den Menschen recht scheu und distanziert um. Erst recht seit dem auf der Erde immer mehr Menschen die Anti- Extraterresten Gruppierungen unterstützen. So gut wie alle Menschen die sich diesen Bewegungen anschlossen waren allerdings nur Mitläufer die ihren Unmut wegen der schlechten Wirtschaftslage Ausdruck verleihen wollten.

Das Problem an der ganzen Sache war das viele Spezies sich fragten warum man den Menschen geholfen hatte wenn sie sich jetzt als so undankbar erwiesen.

Carlo Vinserro, Vertreter der Regierung der Erde im Rat der Interplanetaren Allianz , versicherte jedoch das die Momentane Situation nur vorrübergehend sei und das die Erde definitiv dankbar für die Hilfe der anderen Mitglieder des Interplanetaren Rates war.

Das war zwar für die Meisten Spezies gut aber einige blieben Misstrauisch. Grade deshalb war es äußerst positiv für Vinserro auf den Orden der Crusader zu verweisen und die Arbeit die dieser schon für viele Spezies geleistet hatten.

Das war zweifellos Unbestreitbar. Ohne die Crusader wäre der Standpunkt der Erde wohl wesentlich Schlechter als er es 2648 war.

Wenn man mit anderen Spezies über die Erde sprach wurden nur zwei Dinge genannt. Ersten die Crusader und zweitens. Kaleb Porcha, der Erfinder des Multicom.

Die vielleicht größte Erfindung dieser Zeit. Ein fast unscheinbarerer kleiner Übersetzter der in den Kragen der Kleidung eingearbeitet wurde und der die Sprache anderer Spezies übersetzte. Dadurch hatte sich vieles vereinfacht und dafür waren nicht nur die Menschen dankbar gewesen. Es war eine unglaublich Erleichterung nicht mehr die vielen verschiedenen Sprachen auswendig lernen zu müssen. Ein fast unerträglich aufwendiges Unterfangen.

Das Multicom vereinfachte die Kommunikation erheblich. Die ersten drei Versionen wiesen noch einige Mängel auf aber das vierte und neuste Multicom arbeitete einwandfrei und hatte Porcha über nacht zu einem der reichsten Männer der Erde gemacht.

Es wurde auch von den Crusadern benutzt auch wenn einige Meister der ältern Generation noch einige Sprachen beherrschten.

Fargos Muldoon bedauerte das er nicht dazu gehörte. Zu seiner Zeit war grade die erste Version des Multicoms erschienen und es erschien auch den Crusadern sinnlos sich mit anderen Sprachen zu befassen.

Vielleicht war es auch besser so, den das Multicom in seiner jetzigen Form sorgte dafür das es keine Missverständnisse gab.

Für diesen Auftrag war es elementar und als Muldoon mit Marvin aus dem Transporter stieg, wurde er ich auch sofort bewusst warum.

Der Hangar in dem sie gelandet worden stand voll mit Angriffs Fliegern. Solche wie sie zu duzenden von Schlachtschiffen oder Raumbasen gestartet worden. Bemannt oder mit Navidrohnen.

Es war schon bedenklich das sie hier in der Landebucht standen. Allerdings waren sie ohne Probleme zur Landung gebeten worden.

Ihr Empfang fiel äußerst karg aus. Eine fliegende Kugel mit einem Monitor auf der Front kam auf sie zugeschwebt.

“Guten Tag die Herren”, knarrte die Kugel und auf dem Display ratterten Zahlen und Buchstaben hin und her.

“Guten Tag”, entgegnete Muldoon so höfflich als wäre sein Gegenüber aus Fleisch und Blut. “Wir sind Meister Muldoon und Meister Hart vom Crusader Orden. Wir würden gerne mit dem Magistraten sprechen.”

“Der Magistrat lässt sie grüßen Meister. Er befindet sich momentan in der Fertigungsstätte 3 Gamma. Er wird noch einige Zeit dort verbringen. Sie können auf ihn warten oder wenn sie es wünschen bringe ich sie zu ihm.”

“Dann würden wir gerne zu ihm gebracht werden”, sagte Muldoon und warf Marvin einen fragenden Blick zu.

“Dann folgen sie mir bitte”, sagte die Kugel und schwirrte los.

Muldoon und Marvin folgten mit einem mäßigen abstand.

“Beängstigend was hier so rumsteht”, sagte Marvin leise.

“Sieh aus dem Fenster”, entgegnete Muldoon.

Mionra 3 glich nicht im entferntesten einem Planeten. So weit man sehen konnte war alles ein riesiges Fabrikgelände. Große Maschinen beluden Transportschiffe, Transportgleiter gefüllt mit Waffen und Kampfrobotern schwebten über das Gelände. Alles glich einer eiligen Vorbereitung auf einen Krieg.

Marvin fragte sich was wirklich wie es die Cerotaner geschafft hatten einen ganzen Planeten in einen gewaltigen Fabrikkomplex zu verwandeln. Der Anblick aus dem Orbit und während des Landefluges war sehr beeindruckend gewesen. Allerdings begann man sich, wenn man auf dem Planeten war zu fragen, wie man es hier nur ertragen konnte.

Die Antwort war ernüchternd einfach. Bis auf den Magistraten gab es hier nur Maschinen. So weit Marvin wusste war der Magistrat ein Telwas. Das hatten die Cerotaner gesagt. Aus seiner Zeit im Gruppenunterricht konnte Marvin sich noch erinnern, das Telwas Raumnomaden waren. Sie hatten keinen festen Platz und wenn es einen Heimatplaneten gab , so sprachen sie nie darüber oder er war noch nicht entdeckt worden.

Jedenfalls machte dieser Planet einen sehr trostlosen Eindruck auf Marvin.

Die fliegende Kugel brachte die Beiden Crussader zu einer Schwebebahn.

Eine Schwebebahn war eine Mischung aus einer normalen Einschienenbahn und einem Antigrav- Fahrzeug. Die Bahn wurde mittels einer Bestimmten Trägerwelle auf der Schiene gehalten und galt als besonders sicheres Transportmittel. In der Tat hatte es noch nie einen Unfall mit einer Schwebebahn gegeben.

Zwar schien die Technik auf den ersten Blick kompliziert aber letztendlich war es das selbe Prinzip wie bei Antigrav- Fahrzeugen. Diese Funktionierten durch den Aufbau eines Feldes das sie vom Boden und somit der Gravitation drückte. Je nach der Modulierung war das Fahrzeug in der Lage mehrere Meter über dem Boden zu schweben.

Die Schwebebahn funktionierte umgekehrt. Hier war die Technik in den Schienen, die ein Feld erzeugte das die Bahn von den Schienen drückte und gleichzeitig nur auf dem Feld fahren ließ.

Die Antigrav-, die Hoover- und die Sublichttechnologie hatten dafür gesorgt, das die Nutzung von Kraftfahrzeugen auf der Erde drastisch nachgelassen hatte und jetzt bei weniger als zehn Prozent weltweit lag.

Auf anderen Planeten gab es noch nicht einmal eine andere Fortbewegung als mit Antigrav- oder Sublichttechnologie.

“Bitte steigen Sie ein”, sagte die Kugel und schwebte in eine der Bereitstehenden offenen Gondeln.

Muldoon und Marvin folgten ihr.

“Bitte setzten Sie sich und vermeiden Sie es sich großartig zu Bewegen und Körperteile aus der Gondle zu strecken”, ermahnte die Kugel emotionslos.

“Das kann ja lustig werden”, sagte Marvin und sah Muldoon schräg an.

Das die Regierung immer bemüht gewesen war den Crusader Orden an sich zu binden war ein Thema, so alt wie der Orden selbst. Jede Regierung nach vonBerrow hatte dies versucht. Also hatte, nachdem Hiko Hiroshi den Orden verlassen hatte, das Konzil einen Meister erwählt der sich mit den geheimen Überlieferungen über die Kunst der Spionage und der geheimen Observation befassen sollte. Überall die Jahre hinweg, gab es immer einen dieser Meister der den geheimen Titel Fuma trug und einen Schüler der den Meister ersetzt wenn dieser verstarb und den Orden verließ.

Zur Zeit als Abraham Rowan kurz davor stand den Orden zu verlassen war dieser Fuma Meister Vern Treep.

Außer dem Großmeister und den Mitgliedern des Konzils wussten niemand das es die Fuma gab und wer sie waren. Waren sie nicht mit einem Auftrag betreut waren sie ganz normale Ordensmitglieder. Eine Art Geheimidentität.

Treep war nicht da gewesen als das Shuttle abgestürzt war. Er hatte auf der andersweitig zu tun, selbstverständlich im Namen des Ordens. Rowan schaffte es ihn am späten Abend zu erreichen und Treep kam zu seinem Arbeitszimmer.

Treep war ein end fünfziger, drahtig und gut in Form. Seine Haare waren kurz und stoppelig, wollten aber noch nicht recht grau werden. Anders als sein Bart der schon gänzlich ergraut war.

Rowan saß in seinem Arbeitstuhl und sah wesentlich älter aus als Treep ihn in Erinnerung hatte.

“Ein Spion”, sagte Rowan ruhig. “Das ist mal eine andere Idee.”

“Ich glaube aber nicht das der junge Mr. Tarbrow sehr begeistert davon war. So was ist eine leidvolle Aufgabe und undankbar ist sie auch.”

“Ich denke das gilt für jede Aufgabe die Meyer jemanden zuweist. Richard Tarbrow scheint mir allerdings noch ein sehr ambitionierter Politiker zu sein. Wir sollten ein Auge auf ihn haben.”

“Keine Sorge”, lächelte Treep schief. “Das habe ich.”

“Gut, im Moment habe ich viele Dinge um die Ohren. Da fehlt mir das noch.”

“Wie geht es Novac und Moongrave?”

“Novac ist tot”, sagte Rowan. “Moongrave stabilisiert sich langsam. Furchtbare Sache.”

“Wie ist es passiert?”

“Wir wissen noch nichts näheres. Darum möchte ich dich bitten bei den nächsten Gesprächen von Meyer besonders zu zuhören.”

“Glaubst du das Meyer dahinter steckt?”

Treep und Rowan kannten sich schon viele Jahre und sie waren mindestens so gut miteinander befreundet wie Rowan es mit Muldoon war.

“Ich würde es ihm zutrauen”, sagte Rowan langsam. “Er ist in der Lage über Leichen zu gehen wenn es ihm nutzt. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen was er davon hätte wenn zwei Meister sterben würden. Es hätte mehr Sinn das bei mir zu versuchen.”

“Du weißt wie sich das anhört”, sagte Treep scharf. “Wir stehen zur Regierung, nicht gegen sie.”

“Das stimmt aber die Regierung hat andere Ansichten was unsere Zugehörigkeit angeht. So bedauerlich das auch ist. Ich traue Meyer einiges zu aber mehr als die Hälfte davon sind negative Dinge.”

“Eine schwere Zeit, grade weil Meyer auf einem Aufschwungkurs ist. Die Pericon wird definitiv sein Triumph werden und die meisten Leute stehen hinter seinem Regierungskonzept.”

“Natürlich, es verspricht auch einen Aufschwung, aber sei ehrlich Vern wie oft haben wir das schon gehört?”

“Oft genug, aber Meyer hat einen wirklichen Stein gesetzt. Ich kann ihn nicht leiden, aber auch wenn seine Methoden nicht lupenrein sind, sie erfüllen den Zweck.”

“Der Zweck darf aber nicht immer die Mittel heiligen.”

“Stimmt, aber solange es den Crusader Orden gibt wird er nichts wirklich belastendes machen.”

“So lange der Crusader Orden autonom ist”, sagte Rowan. “Schließlich ist das der Grund warum die Regierung uns kontrollieren will.”

“Apropos Kontrolle. Was hat es eigentlich mit diesem Gerücht auf sich das du zurücktreten willst?”

“Ein Gerücht? Irgendwie spricht sich alles herum, nicht wahr? Ja ich habe vor zu gehen. Es ist an der Zeit das Heft jemanden anderes in die Hand zu geben.”

“Etwas überrascht bin ich schon”, sagte Treep und kratzte sich am Kinn. “Ich dachte immer das ich noch vor dir gehe.”

“Wie steht es mit einem Nachfolger? Wieder keiner dabei?”

“Ich fürcht nicht. Ich dachte an einen der ersten drei Platzierten des Schwertkampf Tourniers. Aber das hat sich zerworfen. Marvin Hart ist zwar gut, aber ich glaube nicht das er einen guten Fuma abgeben würde. Dazu ist er zu leidenschaftlich. Desothes Gartget war zweiter, aber wenn ich ehrlich bin, irgendwie mag ich ihn nicht und Lee Sanders ist nicht grade jemand der sich nicht mit allem Brüstet was er kann.”

“Vielleicht solltest du deine Erwartungen etwas senken?”

“Nein, ich bleibe dabei und suche weiter. Es nutzt uns ja nichts wenn der nächste Fuma ein Idiot ist und sich bei einem Auftrag schnappen lässt.”

“Punkt für dich.”

“Hier wird bald wieder weniger los sein, ich meine wenn die neuen Meister ihren Aufgabenbereich übernehmen und die neuen Novizen mit ihren Meistern auf Mission gehen.”

“Ja, aber wir müssen uns schon mal darauf gefasst machen das in drei Jahren wieder neue Schüler zu Novizen werden und die ein Jahr später wieder zu Meistern. Die Zeit steht nicht still.”

“Das wissen wir beide wohl am besten”, grinste Treep fast jugendlich.

“Da hast du recht”, erwiderte Rowan. “Da hast du recht.”

Richard Tarbrow schritt nervös im Wartezimmer des Gouverneurs von New York auf und ab. Alles sah noch so aus wie als er vor fünf Jahren Abgeordneter für New York wurde. Eine kurze Amtszeit von zwei Jahren hatte er sich mit Gouverneur Swift befasst. Danach war er Sprecher der Abgeordneten des Weltrates geworden und somit Meyer unterstellt.

Er war hier immer recht nervös gewesen, den Gouverneur Swift war ein nicht grade einfacherer Gesprächspartner. Das war wohl Familiär bedingt.

Die Familie Swift konnte auf die Stolze Geschichte zurückblicken seit Entstehung des Weltrates unter Präsident vonBerrow Politiker von New York gewesen zu sein. Die Söhne der Familie Swift waren allesamt beliebt bei der Bevölkerung. Tarbrow fragte sich zu recht warum. Die Swifts machten zweifellos eine gradlinige und effektive Politik, immerhin war New York der reichste Stadtstaat auf der Erde und auch in allen anderen Belangen war es hier besser als überall sonst.

Doch menschlich Betrachtet hätten die Swifts auch mit Meyer verwandt sein können. Charlton Swift etwa, der seit fast zehn Jahren das Amt von seinem Vater übernommen hatte war ein kalter, strenger, kompromissloser und harter Knochen.

Tarbrow hatte unzählige Male mit ihm bis spät in die Nacht diskutiert nur um am ende festzustellen das er klein bei geben musste.

Am liebsten hätte Tarbrow jemanden her geschickt um das für ihn zu erledigen, aber Meyer hatte ihm diese spezielle Aufgabe gegeben und davon durfte niemand wissen. Er musste sich geschickt anstellen, aber das war leichter gesagt als getan. Gouverneur Swift roch eine Finte schon bevor man sie sich ausgedacht hatte.

Doch Tarbrow war niemand der voreilig die Flinte ins Korn warf. Einzig sein schlechtes Gewissen gegenüber den Crusadern lies ihn etwas zögern. Zeit seines Lebens waren die Crusader immer so etwas wie strahlende Ritter gewesen und egal wem man fragte die Crusader waren immer eine willkommene Hilfe.

Präsident Meyer sah das nicht so. Die meiste Zeit ärgerte er sich über den Orden der Crusader. Vielleicht lag es an ihrer Beliebtheit oder der Tatsache das Extraterresten lieber über die Crusader verhandelten oder an etwas anderem.

Tarbrow hatte sich damit abgefunden, aber jetzt? Jetzt sollte er wieder besserem Wissen die Crusader ausspionieren.

Egal wie elegant Meyer es auch ausdrückte, es blieb dabei. Er war zu einem billigen Spion abgestempelt worden.

“Sie können jetzt hereinkommen Richard”, sagte Mrs. Teak , die Sekretärin.

Sie hatte ihn immer schon mit dem Vornamen angeredet und irgendwie war er froh das sie es immer noch tat.

“Danke Mrs. Teak”, sagte er und ging zur Bürotür hinüber.

Das Büro von Gouverneur Swift war absolut auf Arbeit ausgerichtet. Es gab nicht hier drin das dem tristen Zimmer einen persönlichen Touch verlieh. Das Büro war jedoch leer.

Wahrscheinlich war Gouverneur Swift noch im anschließenden Verhandlungszimmer. Das stimmte. Die Tür flog genau in diesem Moment auf und Gouverneur Swift platzte in das Zimmer. Er war ein großer, schlanker Mann mit glatten, braunen Harren und einem feingeschnittenen Oberlippenbart.

“Ah ja”, sagte er und gab Tarbrow schnell die Hand.

Der übliche feste Händedruck.

“Richard Tarbrow, was verschafft mir die Ehre ihres Besuches”, fragte Swift und nahm platz.

“Guten Tag Gouverneur”, entgegnete Tarbrow und setzte sich ihm gegenüber. “Ich bin heute in einer Privatensache hier.”

“Wie lange sind sie jetzt schon weg?”

“Bitte?”

“Wann haben sie ihr Amt bei Meyer angetreten?”

“Vor vier Jahren, Gouverneur.”

“Das werde ich Ihnen nie verzeihen”, sagte Swift und verzog keine Miene. “Ich habe schon ihren dritten Nachfolger hier und der ist wie die beiden anderen ein kompletter Idiot. Sie waren wirklich gut Richard, habe ich ihnen das je gesagt?”

“Nein Gouverneur”, sagte Tarbrow und vermiet es zu erwähnen das Swift ihn eigentlich nie wirklich gut behandelt hatte. Das tat er mit niemanden und irgendwie war es merkwürdig das die alte Mrs. Teak noch hier war. Gut, sie hatte schon für seinen Vater gearbeitet und war deshalb wohl etwas abgehärtet.

“Weswegen sind Sie hier Richard?”

“Ich habe mich in letzter Zeit mit den Crusadern befasst, auf privater Ebene und sie kennen sich ja gut mit diese Thema aus.”

Swifts Blick schien einen Augenblick lang starr zu werden, doch dann wurde er wieder normal.

“Meine Frau war bei den Crusadern”, erklärte Swift kühl. “Als sie mich heiratete verließ sie den Orden.”

“Oh, entschuldigen Sie Gouverneur”, sagte Tarbrow, schallte sich innerlich selbst und versuchte ein anderes Thema anzusprechen. “Ich gratuliere übrigens nachträglich. Als ich damals gegangen bin war ihre Frau grade kurz vor der Geburt. Was ist es geworden? Ein Sohn oder eine Tochter?”

“Eine Tochter”, sagte Swift und Tarbrow erkannte sofort das dies nicht im Sinn des Gouverneurs war.

“Wäre es möglich das ich mit ihrer Frau sprechen könnte?”

“Wenn Sie einen Freifahrtsschein für den Tempelkomplex brauchen Richard, dann kann ich Ihnen helfen. Das ist kein Problem für mich, aber dafür werden sie mir versprechen mein Frau damit nicht zu belästigen. Es hat lange genug gedauert ihr diesen Unsinn auszureden und in ihrem momentanen Zustand möchte ich nicht das sie damit wieder behelligt wird, verstanden?”

“Natürlich Gouverneur.”

“Im Gegenzug dafür werde ich Sie nicht fragen was sie damit wollen und ich will es auch gar nicht wissen. Solange Meyer nicht New York in seine Machenschaften hineinzieht ist mir das alles egal. Aber wenn er es tut muss er sich vor mir verantworten, das können Sie ihm sagen.”

“Ja Gouverneur”, sagte Tarbrow und war erleichtert das Swift wenigstens so umsichtig wie immer war.

Merkwürdig war nur, das Swift und Meyer sich gar nicht so unähnlich waren. Beide waren Knallhart, abgebrüht, sie neigten zu heftigen Aggressionen und sie waren überzeugt das ihr Standpunkt immer der richtige war. Bei Swift mochte das stimmen, aber bei Meyer? Bei Meyer heiligte der Zweck schon sehr lange die Mittel und Tarbrow war froh nicht über alles bescheid zu wissen was Meyer so machte.

“Zeigen Sie das den Tempelwachen”, sagte Swift und schob Tarbrow eine Legitimationskarte zu.”

“Danke Gouverneur.”

“Bevor Sie gehen Richard”, räusperte sich Swift, “wenn Sie der Meinung sind das der Job bei Meyer nichts mehr für sie ist, dann können sie jederzeit wieder hier her kommen.”

“Das weiß ich zu schätzen Gouverneur, aber ich hatte immer vor in meiner Kariere vorwärts zu gehen und nie rückwärts. Egal ob ich die Entscheidung einmal bereue. Auf wiedersehen Gouverneur”

Damit verließ Tarbrow das Büro und verabschiedete sich noch schnell von Mrs. Teak.

“Ich hätte es auch nicht anders erwatet”, sagte Swift leise und wandte sich wieder dem Tagesgeschäft zu.

“Sag mal Roboter”, fragte Marvin, ”wo genau hast du gesagt fahren wir hin?”

“Zur Fertigungsstätte 3 Gamma”, krächzte der Roboter. “Der Magistrat hält sich dort auf.”

“Wo ist diese Fertigungsstätte?”

“Nördlich des großen Sendeturms”, entgegnete der Roboter.

“Danke”, entgegnete Marvin und sah Muldoon fragend an.

Muldoon verstand die Frage sie bewegten sich momentan in Richtung Süden und wenn man sich umsah konnte man den Sendeturm erkennen. Entweder gelangte man nur über diesen Weg dorthin oder sie fuhren absichtlich in die Falsche Richtung.

“Wir fahren aber nach Süden”, sagte Muldoon zu dem Roboter.

“Fertigungsstätte 3 Gamma befindet sich nördlich des großen Sendeturms.”

“Dann wird es wohl Zeit auszusteigen”, sagt Marvin.

“Wird es”, sagte Muldoon.

Mit einer lässigen Eleganz schwangen sich Muldoon und Marvin über das Geländer und ließen den Wagen alleine weiterfahren.

Dieser Sprung war natürlich genau abgepasst und beide landeten auf einem der Stützträger der aus dem Trägerturm der Schienen heraus ragte.

“Scheint als versucht man uns nur aufzuhalten”, sagte Muldoon und sondierte die Umgebung.

“Der Roboter war jedenfalls programmiert uns von der Fertigungsstätte fernzuhalten.”

“Ja, aber lügen konnte er nicht. Das ist einem Roboter nicht möglich. Trotzdem schätze ich wird er Alarm schlagen und wenn der Magistrat keine Zeugen will werden wir hier ernste Probleme bekommen. Nebenbei bemerkt, war das ziemlich schlau von dir.”

“Danke, so wie ich das sehe sollten wir ihn uns schnappe bevor er versucht zu verschwinden.”

“Da könnte schwer werden”, sagte Muldoon nachdenklich. “Ich schlage vor wir trennen uns. Ich werde versuchen zu der Fertigungsstätte zu gelangen und du gehst zum großen Sendeturm.”

“Wäre es nicht besser wir bleiben zusammen?”

“Im Prinzip hast du recht und das Protokoll sieht das in diesem Fall auch eigentlich vor, nur wenn der Telwas die Kampfroboter und KI Kampfmaschinen gegen uns einsetzt sinken unsere Chancen zu ihm zu gelangen.”

“Ich verstehe, der große Funkturm ist der Hauptsteuersender. Wenn ich ihn ausschallte, schaltet das alle anderen Sendetürme aus und Maschinen deaktivieren sich von selbst.”

“Richtig, die hier gefertigten Maschinen sind noch nicht eigenständig programmiert und somit auf das Sendesignal angewiesen.”

“Gut, das dürfte kein Problem sein.”

“Du schaffst das Marvin, ich weiß das.”

“Scheint als würde diese Straße direkt zum Turm führen”, sagte Marvin als er nach unten sah.

“Ich werde die Schienen zurück verfolgen”, sagte Muldoon. “Dort hinten war eine Gabelung und die dürfte zu Fertigungsstätte führen.”

Beide sahen sich einen Moment lang schweigend an. Muldoon war sich sicher das es die richtige Entscheidung war. Es war sicher keine einfache Aufgabe den um den Turm herum wahren viele Lagerhallen, aber wenn es einer schaffen konnte, dann war es sicherlich Marvin.

“Bis wir uns wiedersehen”, sage Muldoon und ging in die Beuge um dann mit einem kräftigen Sprung wieder auf den Schiene zuspringen .

“Na klar”, nickte Marvin mit einem schiefen lächeln.

Dann sprang er nach unten wobei er eines seiner Schwerter zog und es in die Metallverstrebung des Stützträgers stieß. Als Muldoon loslief sah er wie Marvin langsam nach unten glitt.

Das war definitiv keine Idealsituation aber ehrlich gesagt hatte er damit gerechnet. Der Telwas musste sie loswerden. Dadurch konnte er noch etwas Zeit gewinnen aber ihr auftauchen hatte zweifellos zur Folge das er seinen Plan beschleunigen würde. So wie es hier aus sah und der Reaktion auf ihr Eintreffen nach zu urteilen führte der Telwas wirklich etwas im Schilde. Fragte sich nur was.

Die Cerotaner hatten recht mit ihrer Sorge das hier etwas schief lief, aber das hatte nichts mit einem Krieg zu tun. Sicherlich waren die Cerotaner eine der intelligentesten Rassen und fortschrittlich waren sie auch, aber Muldoon war sich sicher das sie hier irrten.

Mann musste, egal wann und wie immer objektiv und realistisch bleiben. Niemand war so dumm mit einer Armee einen Planeten zu attackieren der Mitglied der Interplanetaren Allianz war. Selbst mit einer Planeten wie Mionra 3, der eine riesige, kontinuierliche Fertigungsfabrik war konnte man sich gegen die Interplanetare Allianz nicht durchsetzen. Hunderte von Rassen mit zum Teil riesigen Armeen würden sofort eingreifen und mit der Armeemacht die sich daraus ergab konnte man selbst mit einer Armee aus Kampfrobotern, Kampfmaschinen und anderen KI gesteuerten Dingen gewinnen.

Mann konnte diese Maschinen zwar programmieren aber sie würden sich letztendlich nicht gegen wirkliche Soldaten bestehn können.

Das war auch der Grund warum nur wenige Roboter in den Armeen dienten. Noch waren die Maschinen nicht auf dem Standpunkt so enorm nützlich zu sein.

Das war eine Tatsache die Muldoon nur allzu gut kannte. Immerhin gab es auch im Tempelkomplex der Crussader Übungsroboter an denen die Schüler die ersten Monate trainierten.

Aus Sicherheitsmassnahmen.

Selbst beim Training mit den Übungsschwertern kam es vor das sich die Schüler verletzten. Natürlich nicht schwer, aber die Übungsroboter sorgten dafür das sich die Schüler mehr vorsahen. Abgesehen davon waren die Roboter sehr plump und jemand wie Marvin Hart hatte schon nach wenigen Stunden das Standartprozedere durchschaut.

Muldoon war sich sicher das Marvin auch unter diesen Bedingungen seine Überlegenheit demonstrieren würde.

Viele hielten Marvin für ein Wunderkind. Er war jetzt schon so gut sich mit den Besten zu messen. Muldoon selbst hatte bei den letzten Übungen schon ziemlich Schwierigkeiten gehabt sich gegen Marvin ein unentschieden abzuringen. Einzig Abraham Rowan war wahrscheinlich noch stärker als Marvin. Sicher, Rowan war schon ein älteres Semester aber er war unbestritten der beste im Orden wenn es um Schwertkampf ging.

Es gab mehrere Arten von Schwertkämpfern.

Die, welche auf Geschwindigkeit setzten, Techniker, Kraftnutzer, Konterspezialisten und Abwehrmeister.

Rowan war in jeder Situation mit der richtigen Technik bewandert und trotz seiner guten Unterweisung war Muldoon nur Experte für Techniken, Kontern und Abwehr.

Was Marvin betraf so war er ähnlich wie Rowan gut in allen Gebieten.

Eine Weile war Muldoon schon dem Gleis gefolgt und schließlich an die Gabelung gekommen. Allem Anschein nach würde man von hier aus zu den Fertigungshallen gelangen, aber das Gleiß führte in einer ziemlichen Entfernung am großen Turm vorbei. Das hieß, das er Marvin keineswegs helfen konnte falls es Schwierigkeiten geben sollte. Oder andersherum.

Die letzten Meter ließ Marvin sich fallen. Noch bevor er auf dem Boden landete ließ er das Schwert wieder in die Scheide gleiten. Vorsichtig sah er sich um und richtete sich dann auf. Momentan schien alles ruhig zu sein.

Einen Moment lang orientierte er sich. Er musste Einfach nur die Straße hinauf bis er bei dem Turm war.

Das klang sehr einfach und der Turm war sichtbar in der Nähe. Allerdings musste das nichts heißen. Es konnte gut sein das noch einiges passieren konnte bis er dort war.

Marvin war niemand der voreilig handelte. Meister Muldoon hatte ihm immer beigebracht, dass das Einzige was bei einem Crusader schärfer sein musste als die Klinge des Schwertes der Verstand sein müsse.

Nur ein kühler Kopf hatte einen klaren Verstand und das war auch nötig. Die Unachtsamkeit war der größte Feind den man sich vorstellen konnte.

Es war wahrscheinlich nicht angebracht aber Marvin hatte sich schon oft mit dem Gedanken befasst wie sein Tot wohl sein würde. Er wollte definitiv nicht durch seine Unachtsamkeit sterben.

Deshalb hatte er sich ein gutes Gespür für Gefahren zugelegt.

Man konnte es fühlen wenn etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Die Luft veränderte sich und alles andere. Grade als Crusader war man dafür geschult so eine Veränderung zu spüren.

Das Training der Crusader schärfte allerdings nicht nur die Wahrnehmung sondern auch die geistige und körperliche Reaktion. Von der Körperkraft einmal abgesehen.

Als Marvin sicher war das hier nichts im argen lag, sprintete er hinüber zu einer der Lagerhallen. Dort drückte er sich an die Wand und bewegte sich in dem Schatten den das Gebäude warf vorsichtig vorwärts.

Soweit war alles klar.

Im Zickzack rannte er von Gebäude zu Gebäude, lies sich jedoch immer einen Moment Zeit um die Gegend zu beobachten. Es konnte gut sein das hier irgendwo Kameras versteckt waren.

Doch momentan waren keine zu sehen.

Also weiter.

Die Hälfte des Weges hatte er schon hinter sich als er es deutlich sah. Noch bevor die Schüsse in die Wand vor der er stand einschlugen, duckt er sich und machte einen Hechtsprung vorwärts um sich anschließend abzurollen.

Dabei hatte er schon eines seiner Schwerter gezogen. Die nächste Schüsse prallten um ihn herum ab und er konnte sogar drei der Kugeln an seiner Klinge abprallen lassen.

Er hatte den Schützen schon ausgemacht.

Ein etwa zwei Meter großer Roboter. Sehr Schlank und zylindrisch, mit einem Kopf der aussah wie ein schwarzer Luftballon stand auf der anderen Straßenseite. Sein einer Arm war eine Art Maschinenkanone, die er mit seiner anderen zangenförmigen Hand festhielt.

Ein weiterer Geschosshagel, den Marvin recht mühsam abwehren konnte. Zu seinem Glück schoss der Roboter nur auf einer graden Linie.

Mit einem Schwert Geschosse abzulenken war schon schwer genug, selbst für einen geübten Crusader, aber unkontrollierten Frontalbeschuss war fast unmöglich zu kontern.

Nur mit einem Höchstmass an Konzentration konnte man sich durch solch einen Kugelhagel bewegen ohne getroffen zu werden, aber dafür musste jede Bewegung geplant sein und man durfte sich nicht ablenken lassen. Ein Fehler und mochte er noch so klein sein würde sofort bestrafft werden. Und diese Straffe war entgültig.

Aber Marvin war nicht jemand dem das passieren würde. Wäre sein Gegner menschlich gewesen wäre er garantiert äußerst verblüfft. Mit einer ungewöhnlichen Schnelligkeit und Wendigkeit bewegte Marvin sich durch das Schussfeld. Die Kugeln hämmerten aus der Waffe und donnerten Millimeter an ihm vorbei, allerdings ohne das er in ernsthafte Bedrängnis kam. Es sah so aus als wäre das alles eine Show, einstudiert von dem Schützen und dem Ziel.

Doch dem war nicht so.

Marvin selbst hielt sich nicht für etwas besonderes. Er wusste einfach nur was er tat und vor allem wusste er das er es konnte.

Noch eine Drehung und er zog sein zweites Schwert. Ein Schritt nach links zur Seite, nach hinten Strecken, eine Luftrolle, seitliche Drehung nach rechts, noch eine Drehung, abtauchen nach vorne und dann war es soweit. Mit dem einen Schwert schnitt er den Lauf der Waffe ab und das andere steckte er Zeitgleich mitten in den Ballonkopf des Roboters. Eine weitere Bewegung und das Schwert war wieder heraus gezogen. Nur zu Vorsicht vollführte er mit den Schwertern zwei Schläge und trennte die Arme ab um dann anschließend je ein Schwert in den Brustkorb und den Unterleib der Maschine zu bohren.

Reine Vorsichtsmassnahmen. Es war nicht mehr bei jedem Roboter gleich den Hauptprozessor in den Kopf zu setzen. Es war viel mehr üblich sie irgendwo im Körper einzubauen, meist im Brustkorb oder irgendwo im Unterleib. Mit einem kräftigen Ruck zur Seite teilte er den Körper auf und steckte die Schwerter wieder ein.

Von allen Schwerstielen der Crusader war der zwei Schwertstiel der wohl schwierigste. Er wurde offiziell nicht einmal dazu gezählt da ihn schon seit ewigkeiten niemand mehr praktiziert hatte.

Der Anwender und das Schwert mussten eine Einheit bilden.

Das war schon für viele schwer genug mit einem Schwert durchzuführen. Bei zwei Schwertern war der Koordinationsaufwand wesentlich höher. Man musste die Schwerter gleichzeitig als Einheit und als Unabhänge Teile betrachten.

Daher musste man sich gleichzeitig auf zwei Stellen konzentrieren.

Im Zweischwertstiel unterschied man außerdem noch in der Schwertlänge. Zwei kurze Schwerter, ein Langes und ein Kurzes und zwei lange Schwerter.

Dem schwierigkeitsgrad nach aufsteigend.

Marvin führte zwei kurze Schwerter.

Das war sogesehen die einfachste Form aber immer noch unglaublich schwer.

Es waren unzählige Stunden vergangen in denen Marvin bei seinen Übungen selbst das Ziel seiner Angriffe wurde da er sie nicht richtig koordinierte.

Jetzt jedoch führte er die Schwerter so als hätte er nie etwas anderes getan. Das ihm das gelang war für die meisten keine Überraschung.

Appropros Überraschung.

Genau das war die Art Überraschung die er vorhergesehen hatte. Allerdings wusste er jetzt das er mit wesentlich mehr Wiederstand rechnen musste denn er hatte den Roboter zwar ausgeschaltet, aber der hatte ohne Zweifel schon ein Signal für Verstärkung gesendet.

Das Beste war es, sofort weiter zu gehen.

Se’ghr überwachte das Eintreffen der beiden Crusader von einem Kontrollraum in der Fertigungsstätte 3 aus. Er hatte ein verkniffenes Gesicht und wie bei allen Telwas verlief sein Gesicht schräg abfallend und endete in einem spitzen Kinn. Seine Haut war dunkelgrün und, schmale Augen und Haare die zwischen schwarz und einem sehr dunklen Blau schimmerten.

Se’ghr hatte schon einiges in seinem Leben erlebt und das war sehr lang gewesen, sehr lang für sterbliche Lebewesen und unermesslich kurz für einen Unsterblichen.

Die Telwas waren eine der ältesten Rassen die es gab. Schon viele Äonen bevor Wesen wie die Cerotaner anfingen zu Leben hatten die Telwas schon ihren Planeten verloren.

Grund dafür waren die SaoDai gewesen. Die Telwas waren schon lange vor den meisten anderen Rassen da gewesen aber die SaoDai waren einer alten Sage nach gleichsam mit dem Universum erschaffen worden. Se’ghr kam aus einer Generation von Telwas die nach dem Verlust des Heimatplaneten auf den Rettungskreuzern der Telwas geboren worden.

Der Planet der Telwas, Telorum war von den SaoDai erobert worden. Es gab damals kein kriegerischeres Volk als die SaoDai. Sie kamen auf andere Welten nur um die Bevölkerung zu vernichten und alle möglichen Ressourcen zu erbeuten. Anschließend wurde der Planet vernichtet. So ging es vielen anderen der alten Völker aber die Telwas waren eines der wenigen Völker das entkommen war.

Doch irgendwann begannen die SaoDai diese Art von Verhalten zu beenden und dann waren sie auf einmal verschwunden. Und das nachdem sie sehr lange Zeit unbehelligt geblieben waren. Noch vor der Zeit des Interplanetaren Rates und zwar sehr weit davor.

Se’ghr war das egal. Er hatte sein Leben nach der Zerstörung von Telorum begonnen und mit den SaoDai verbannt er nur alte Geschichten und mehr waren sie jetzt wahrscheinlich auch nicht.

Ärgerlich war nur das Auftauchen der Crusader. Dadurch wurde der ganze Plan durcheinander gebracht.

Das bedeutete dass er wesentlich schneller Handeln musste. Den größten Teil der Endprodukte war schon verladen aber eben noch nicht alles. Natürlich hätte er mit so was rechnen müssen.

Die Ansammlung von Waffen war den Cerotanern natürlich nicht verborgen geblieben. Die Produktionsdaten wurden über ein Computersystem an den Heimatplaneten der eigentlichen Eigentümer gesendet und Se’ghr war nicht in der Lage das zu verhindern. Dieser eine Computer war so gesichert das er jeden Versuch sofort melden würde.

Trotzdem hatte Se’ghr gehofft noch genug Zeit zu haben die Produktion fertig zustellen. Es war schwierig genug eine ganze Armee zu produzieren und zu verschiffen, aber sein Auftraggeber wollte unbedingt die gesamte Produktion auf einmal haben und keine Häppchenlieferung.

Gut, der Plan war fehlgeschlagen und jetzt musste er weitermachen. Die einzige Option war die Crusader auszuschalten und dann die Produktion so schnell wie möglich zu beenden bevor hier noch mehr Crusader auftauchen würden.

Das Comlink begann sich mit einem leisen Klingeln zu melden.

Es war eine Codierte Übertragung, aber das machte nichts, den Se’ghr kannte den Code. Mit ein paar schnellen Bewegungen auf der Tastatur öffnete sich auf dem großen Monitor das Bildprogramm.

Ein bekanntes Bild erschien. Ein abgedunkelter Raum mit einer vermummten Gestallt im Vordergrund. Die Gestallt schien nur aus einem langen schwarzen Umhang zu bestehen der sie komplett einhüllte. Dort wo die Kapuze eigentlich den Freiraum für das Gesicht hatte war ebenfalls nur schwärze.

Se’ghr kam sich jedes Mal dumm vor mit diesem undefinierbaren Nichts zu sprechen. Zu mal dieses Ding nicht empfänglich für die natürliche Begabung der Telwas war jedem alles einzureden.

Trotzdem wollte er sich nicht beschweren. Dieser Kunde würden ihn reich machen. Für ein Wesen das auf natürlichem Wege unsterblich war, lag es im Grunde auf der Hand ein unerschöpfliches Vermögen zu erwirtschaften.

Das war so in der Philosophie der Telwas verankert.

“Guten Tag Magistrat Se’ghr”, kam ein heisere Stimme aus dem Lautsprecher.

“Guten Tag Graf Mogul”, sagte Se’ghr um das Begrüßungsprotokoll abzuschließen.

“Ich wollte fragen wie weit Sie mit der Lieferung sind.”

“So gut wie fertig. Die letzten tausend Kampfroboter werden grade verladen. Unangenehmerweise sind vor wenigen Minuten ein paar Crusader hier aufgetaucht um die ich mich noch kümmern muss.”

“Ich hoffe das hat keine Auswirkung auf unser kleines Arrangement?”

“Ich habe sie ein wenige Beschäftigt. So wie alles bereit ist, lasse ich die Großtransporter starten und sie können die Ware dann übernehmen. Wenn ich die Crusader losgeworden bin, werden wir uns wie vereinbart bei den von ihnen angegebenen Koordinaten treffen.”

“Das hört sich gut an. Trotzdem, denken Sie daran das wenn ich meine Ware nicht bekomme sie ihr Geld nicht bekommen.“

“Das weiß ich. Ich werde dafür sorgen das alles glatt läuft.”

“Das freut mich zu hören. Melden Sie sich wenn sie die Ware abschicken. Mogul ende.”

Der Bildschirm wurde schwarz.

Einer der kleinen, kugelförmigen Schweberoboter kam herangeschwebt und Se’ghr wartete bis der Roboter ihn ansprach.

“Magistrat, die Crusader haben die Transportgondel verlassen und sind auf dem Weg hierher. Einer der Crusader wurde unweit des großen Sendeturmes gesehen. Er hat einen der Patroullienroboter zerstört. Der zweite Crussader verfolgt die Schienen hierher zurück. Eine Flugpatrolie wurde entsandt.”

“Schick alle nahegelegenen Patroulien zum Sendeturm. Sie werden garantiert dort zuschlagen und macht die Gleise die hier her führen dicht! Wie weit sind wir mit dem Laden der Ware?”

“Zu 98 Prozent abgeschlossen. In einer halben Stunde sind die Schiffe beladen und startbereit.”

“Gut, sorg dafür das die Schiffe sofort ablegen wenn das Laden beendet ist. Außerdem will ich das eines der Hyjump Schiffe am Osthangar für mich bereitsteht. Verstanden?”

“Ja Magistrat.”

“Lade alle Daten aus den Systemen herunter, speichere sie und begib dich dann an Bord des Hyjumpers”, sagte Se’ghr und gab eine Zahlenkombination in das Bedienfeld in der Front des Roboters ein. “Lass die Schiffe zu diesen Koordinaten in den Hyperkanal springen. Die selben Koordinaten gibst du in den Hyjumper ein. Verstanden?”

“Ja Magistrat.”

“Dann fang an”, sagte Se’ghr.

Die Roboter Kugel war seit Se’ghrs Amtsantritt auf Mionra 3 sein persönlicher Adjutant gewesen und alle Geschäfte die nicht unbedingt legal und mit wissen der Cerotaner abgelaufen waren hatte dieser Roboter gespeichert. Also war er unerlässlich. Auch für weitere Geschäfte.

Das Wetter hatte sich merklich verschlechtert als Richard Tarbrow vor dem Tempelkomplex der Crussader aus dem Antigrav- Taxi stieg. Ihm war immer noch etwas unwohl dabei, einfach so die Crussader hinter das Licht zu führen.

Doch ihm blieb vor erst keine andere Wahl und er würde erst einmal sehen was überhaupt dabei herauskam.

Die Stufen zum Eingang des Tores waren noch aus altem Stein und liefen schräg nach oben zusammen. Das Tor war ziemlich groß, beeindruckend und massiv.

Alles in allem war es etwa 20 Meter hoch. Das Tor war so breit, das problemlos vier Mann neben einander hindurch gehen konnten.

Vor dem Tor standen zwei Wachen. Eine Tempelwache und ein wirklicher Wächter der Crussader.

Mit festem Schritt ging Tarbrow die Treppe hinauf und bemühte sich darum einen sicheren Eindruck zu machen.

Die beiden Torwachen schienen allerdings nicht wirklich eine Bedrohung in ihm zu sehen.

Beide warteten bis Tarbrow bei ihnen war.

“Guten Tag”, sagte Tarbrow und kramte seinen Ausweis und die ID Bescheinigung hervor die Swift ihm hatte geben lassen.

Die Tempelwache nahm beides entgegen und kontrollierte den Ausweis und die Unterschrift auf der Bescheinigung mit seinem Armscanner.

Ein Armscanner war ein kleiner Minicomputer mit Lesegerät der bequem am Arm getragen wurde, wie etwa eine Armbanduhr. Der Minicomputer war mit dem Hauptrechner im Tempelkomplex verbunden und konnte von dort auf das gesamten Netzwerk der Erde und dem der Interplanetaren Allianz zugreifen.

Eigentlich trugen nur die Tempelwachen solche Armscanner, aber manche Meister in gehobenen Positionen hatten ebenfalls welche.

“Scheint alles in Ordnung zu sein Mr. Tarbrow”, sagte die Tempelwache und wandte sich dann an ihren Kollegen. “Du kannst das Tor aufmachen.”

“Verstanden”, sagte der Wächter und öffnete die kleine Tür in dem Tor mit einem Knopfdruck auf eine Fernbedienung.

“Bitte treten Sie ein Mr. Tarbrow”, sagte die Tempelwache und gab Tarbrow seine Papiere zurück.

Der Bereich zwischen der Mauer und dem Hauptgebäude war mit feinster Sorgfalt gepflastert und neben dem Gehweg waren dunkelgrüne Hecken angelegt worden. Hier und da waren einige der Crusader unterwegs.

Der Tempelkomplex war eine Welt für sich, mitten in New York. Allerdings wirkte alles hier weniger hektisch und irgendwie beruhigend einfach. An einigen Ecken erkannte Tarbrow die Tempelwachen.

Sie hoben sich deutlich von den anderen ab, mit ihrer Uniform in beige und der Feldmütze in der gleichen Farbe.

Die Crussader trugen ebenfalls eine Art Uniform.

Schwarze Stiefel, einen grauen Zweiteiler, dessen Oberteil man mit Knöpfen auf der linken Seite zu- oder aufknüpfte. Unter dem Oberteil wurde für gewöhnlich ein Hemd getragen das je nach Stand eine andere Farbe trug.

Blau für die Heiler, rot für die Ordensgelehrten, weiß für die Ordenswächter und schwarz für die sogenannten Sonderposten, wie etwa Mitglieder des Konzils oder besonderen Vorgesetzten.

Zusätzlich waren auf der rechten Brustseite des Oberteils eine Halterung angebracht an der man in Form eines kleinen, rechteckigen Schildes den Rang erkennen konnte. Bronze für Schüler, Silber für Novizen, Gold für Meister, schwarz für Sonderposten und grün für den Großmeister.

Innerhalb des Tempels war das die gebräuchliche Kleidung.

Verließ man den Tempel war es üblich sich einen weiten Umhang anzulegen, der außen grau und innen in der Farbe des Standes gefüttert war.

Für formale Anlässe gab es ebenfalls einen Anzug. Dieser war wahlweise mattschwarz für Männer und weiß für Frauen. An diesem Anzug waren gewöhnlich Auszeichnungen in Form von kleinen Anstecken angebracht, etwa wie zum Beispiel Sieger beim Schwertkampfturnier.

Es hatte Tarbrow einige Stunden gekostet sich das alles zu merken und das war nur die Kleiderordnung. Die Geschichte der Crussader einmal außer acht gelassen.

Sich mit den Crusadern zu beschäftigen war eine Sache die nicht eben mal ein paar Stunden in Anspruch nahm, sondern eine sorgfältig Recherche.

Tarbrow lenkte seine Schritte in die Richtung des Raumes in dem er das letzte mal mit dem Präsidenten und Großmeister Muldoon gesessen hatte.

Zumindest hoffte er das.

Das Hauptgebäude glich zwar immer noch einer alten Kathedrale, war aber hier und da erneuert worden. So kam er jetzt zum Beispiel an den Wohnquartieren vorbei. Viele Räume nebeneinander. Sie waren wahrscheinlich nicht mehr als eine einfache Ruhestätte, wenn man bedachte das es viele tausend Crussader hier auf der Erde gab.

Das innere der Hauptgebäudes glich einem gewaltigen Kirchenschiff. Überall ragten Säulen empor und die Crussader waren hier noch zahlreicher vertreten als auf dem Hof. Es gab viele Türen und drei Treppen die in die nächste Etage führten.

Es war selbst beim zweiten mal äußerst Imposant.

Eine der Tempelwachen stand vor der Tür. Der Mann kniff kurz die Augen zusammen und musterte Tarbrow. Dann wandte er sich jedoch wieder mit seiner Konzentration der gegenüberliegenden Wand zu.

“Entschuldigung”, sagte Tarbrow und blieb im gebührenden Abstand vor der Wache stehen.

“Was kann ich für sie tun”, entgegnete die Wache ohne den Blick von der Wand zunehmen.

“Ich möchte gerne mit Meister Rowan sprechen“, erklärte Tarbrow und deutete auf die Tür. “Ist er da drin?”

“Meister Rowan befindet sich momentan in einer wichtigen Besprechung. Ich weiß nicht wie lange es dauern wird, aber wenn sie warten wollen nehmen sie bitte dort drüben platz”, ratterte die Wache herunter und nickte auf eine Bank an der Wand.

“Dann warte ich”, sagte Tarbrow und schlenderte zu der Bank hinüber.

Die Wache beachtete ihn nicht weiter. Anscheinend hielt er ihn nicht für eine Gefahr. Wenn der wüsste.

Sicher, Tarbrow war kein Renegat oder ein Feind im eigentlichen Sinn. Allerdings war er hier als ein Spion und solche Leute waren oftmals gefährlicher als jemand mit offensichtlichen, gefährlichen Absichten.

Es verging einige Zeit, die Tarbrow damit verbrachte Nachzudenken. Schließlich wurde die Tür doch geöffnet.

Rowan und einige andere Crussader verließen den Raum und verabschiedeten sich voneinander. Die Tür Wache beugte sich zu Rowan hinüber und sagte etwas und deutete dann auf Tarbrow.

Rowan nickte und kam dann mit einem milden lächeln zu Tarbrow hinüber.

“Mr. Tarbrow”, sagte Rowan freundlich und reichte ihm die Hand. “Das war doch ihr Name, nicht?”

“Ja Meister Rowan, das stimmt.”

“Ronald, nein warten sie Richard.”

“Richard.”

“Sie müssen verzeihen. Mit dem Alter wird man immer vergesslicher zumal ich hier eine Menge Leute zu beaufsichtigen habe.”

“Das weiß ich. Es freut mich trotzdem das sie sich an mich erinnern.”

“Es ist ja auch erst zwei Tage her seitdem Sie und der Präsident hier waren.”

“Ja, das stimmt, ich hätte auch nicht gedacht das ich so schnell wieder hier bin.”

“Aber trotzdem sind Sie hier”, schmunzelte Rowan. “Gehen wir ein Stück.”

Sie traten auf den Balkon der das ganze obere Stockwerk einrahmte. Von hier aus hatte man einen guten überblick über das Gelände. Die Übungshalle, der freie Trainingsplatz, die Unterkünfte der Schüler und die große Grassfläche die sich langsam in einen Wald verwandelte, der mit einzelnen Ruinen durchzogen war. Ein recht malerisches Bild. So musste es auf der Erde ausgesehen, lange vor den Kriegen und der Flut. Einfach friedlich.

“Sind Sie aus Gründen der Politik hier”, sagte Rowan ruhig nachdem Tarbrow sich in ruhe umgesehen hatte.

“Nein”, räusperte sich Tarbrow und hoffte das man ihm nicht ansah das er log. “Es ist mehr persönliches Interesse. Da ich mit dem Präsidenten zusammenarbeite und die Crusader ein Teil der Politik sind, zumindest in anbetracht ihres Aufgabenbereiches so dachte ich das es nicht schaden könnte sich etwas näher mit den Crusadern zu befassen.”

“Näher befassen”, sagte Rowan. “Es ist schwer für jemanden der kein Crusader ist vieles nachzuvollziehen. Dennoch möchte ich ihnen gerne helfen sofern ich das vermag.”

“Das wäre zu freundlich Meister Rowan.”

“Fangen wir doch gleich an. Meine Tagesbeschäftigung für heute ist getan und ein alter Mann wie ich findet es doch recht angenehm Geschichte zu erzählen.”

“Sie meinen Geschichten.”

“Nein, ich meine Geschichte”, sagte Rowan mit einem Geduldsamen lächeln. “Sehen Sie, eine Geschichte kann von Erzähler zu Erzähler anders sein. Sie verändert sich wie ein Stein der einen Berg herunter rollt. Geschichte hingegen ist ein nicht zu leugnendes Geschehnis das in seiner Existenz auf die Bericht Erstattung vieler Menschen zurück greifen kann.”

“Da habe Sie wohl recht. Entschuldigung.”

“Gibt es etwas bestimmtes das Sie wissen möchten?”

“Nun gut wie wäre es mit dem Anfang der Crusader?”

“Dem Anfang der Crusader. Das ist vielleicht der beste Punkt zu starten, am Anfang.”

Für einen Planeten der eigentlich eine vollautomatisierte Fabrik war gab es erstaunlich viele Killer Roboter. Marvin kam nicht wirklich weit vorwärts. Immer wen er grade einen der Roboter ausgeschaltet hatte tauchte ein neuer auf.

Wenn das weiter so gehen würde, wäre er nicht in der nächsten Zeit am Turm.

Das Problem war nicht das er die Roboter nicht besiegen konnte. Es war nicht unbedingt einfach, aber für ihn war es dennoch eine durchaus lösbare Aufgabe.

Nein, das Problem war das die Roboter ihn einfach zu viel Zeit kosteten.

Es war eben umständlich sie auszuschalten, zumal er sie erst zerhacken oder köpfen musste.

Etwas anderes kam nicht in frage, da es durchaus sein konnte das ein nicht fachgerecht zerlegte Roboter ihn von hinten attackieren würden.

Einer der Roboter war buchstäblich in die Luft gegangen als Marvin seine Schüsse abgewehrt hatte. Das Computerhirn des Roboters konnte sich nicht erklären warum die präzise errechneten Schüsse ihr Ziel nicht getroffen hatten. So ein Glück hatte man nur selten wenn man es mit Maschinen zu tun bekam und auch nur dann wenn die Computerhirne schon etwas älter waren und den Denkprozess überlasteten wenn es zu Fehlern kam.

Das machte sie allerdings kaum weniger gefährlich. Es hatte auch Situationen gegeben, die Marvin erlebt hatte, in denen der Roboter einfach angefangen hatte wild um sich zu schießen. In der jetzigen Situation war das nicht weiter schlimm, aber in einer Stadt oder einem öffentlichen Gebäude war das etwas anderes.

Hier konnte Marvin sich selbst schützen und musste nicht auf Andere achten.

Da war wieder eine Bewegung.

Die Kugeln schossen knapp an Marvin vorbei und bohrten sich in die Wand hinter ihm. Sofort hatte er das Schwert vor sich in Stellung gebracht.

Die sogenannte Aufstellung. So wurden die sechs Haltungen genannt die ein Crussader einnahm bevor er Angriff oder verteidigte.

Stellung Eins: Cha Touh, die Grundstellung. Das Schwert wird dabei leicht angewinkelt vor den Körper gehalten. Die Beine stehen dabei versetzt nach vorne. Eine Ideale Stellung um sowohl anzugreifen als auch abzuwehren.

Stellung Zwei: Men Var, die Mauer. Wenn man sich darauf gefasst machen musste hart vom Gegner attackiert zu werden war dies die Ideale Basis. Das Schwert wird diagonal mit der Klinge nach unten vor den Körper gehalten und der Griff wird mit zwei Händen festgehalten. Die Beine stehen leicht auseinander und man beugt sich leicht vor.

Stellung Drei: Serico Balhar, der wartende Jäger. Das Schwert wird locker seitwärts vom Körper gehalten. Die freie Hand wird geballter Faust und ausgestreckten mittel und Zeigefänger vor dem Gesicht gehalten, mit den Fingern zwischen beiden Augen. Diese Stellung wird als Konter genutzt. Man kann alle Attacken perfekt kontern.

Stellung Vier: Bin Seai, der Blitz. Eine gezielte Angriffsposition. Das Schwert wird auf Schulter Höhe gehalten und der Oberkörper wird scharf nach vorne Gelehnt, bereit zum Sprint.

Besonders gut für schnelle Attacken geeignet.

Stellung Fünf: Bea Lai, der finstere Regen. Die Ausgangsstellung für das Schwertziehen. Das Schwert wird in die Scheide gesteckt, welche mit einer Hand festgehalten wird. Wahlweise für Angriff und Verteidigung geeignet.

Stellung Sechs: Ean Funr, Schattentanz. Mehr eine Kunst als eine Position. Das Schwert wird um den Körper herum gewirbelt. Eine Angriff ist jeder Zeit möglich und die Durchschaubarkeit entscheidet über die Effizienz in Angriff oder Verteidigung.

Marvin bevorzugte Char Touh Stellung. Grade wenn man sich unter Beschuss befand war die Wahrscheinlichkeit die Kugeln abzuwehren und dann anzugreifen war hier am größten. Jeder hatte da seine vorlieben.

Weitere Schüsse. Drei Kugeln parierte er mit dem Schwert und lies sich dann seitwärts fallen um unter der nächsten Salve durchzutauchen. Jetzt hatte er den Roboter ausgemacht. Er stand in einer Ecke und feuerte erneut.

Marvin wehrte die Salve nicht ab sondern tauchte seitlich unter den Schüssen hindurch. Er näherte sich in einem Bogen dem Roboter. Das war eine der Dinge die man als Crusader zuerst lernte. Nie direkt auf den Gegner zurennen wenn er eine Schusswaffe hatte.

Ein Bogen gab einem selbst die Möglichkeit immer noch die Schüsse parieren zu können und sich relativ sicher zu nähern, während der Gegner in seinen Handlungen eingeschränkt war.

Marvin machte einen scharfen Bogen. Sehr riskant da die Reichweite ziemlich kurz wurde. Eine weitere Salve. Ein Kugel prallte klingend von der Schwertklinge ab. Die restlichen Geschosse sausten so nah über Marvins Kopf hinweg, das er den Windzug fühlen konnte.

Eine Feuerpause. Vielleicht drei Sekunden. Das genügte. Blitzschnell ändere Marvin seine Richtung und schlug zu. Das Schwert durchschlug die Beine des Roboters und lies ihn nach hinten kippen. Er war noch nicht einmal auf dem Boden aufgekommen, da nutzte Marvin schon seinen Schwung und lies das Schwert quer durch den Körper des Roboters gleiten.

Noch einer weniger. Für eine Sekunde blieb er wieder in der Char Touh Stellung und sah sich akribisch um. Nichts. Kein weiterer Roboter zu sehen.

Marvin hatte jetzt zwei Möglichkeiten, weiter zuschleichen oder sich ohne stopp zum Turm zu bewegen. Wenn er es zum Turm schaffte, war das Problem mit den Robotern gelöst, außerdem hing vielleicht Muldoons Leben davon ab.

Also musste es schnell passieren. Marvin löste die Stellung und sprintete los. Er hielt sich gebeugt und versuchte im Schatten der Häuser zu bleiben.

Weitere Schüsse. Und er hatte noch gut vier Lagerhallen vor sich bis er den Turm erreichte. Er musste alles riskieren und weiterrennen. Er rannte noch schneller. Es war schon eine Weile das er das letzte mal so gerannt war und es überraschte ihn selbst das er das Tempo halten konnte. Noch eine Halle. Noch mehr Schüsse. Da tauchte vor ihm ein weiterer Roboter auf.

Keine vier Meter. Marvin nutzte den Schwung den er hatte und lief diagonal an der Wand der Lagerhalle hoch. Gleichzeitig schlug er mit dem Schwert zu und köpfte den Roboter. Der Rest blieb stehen und wurde von einigen weiteren Schüssen umgeworfen.

Währendessen war Marvin schon wieder hinter dem geköpft Roboter gelandet und weiter gesprintet.

Er war jetzt kurz vor dem Turm.

Augen zu und durch.

Es war alles Problemlos verlaufen, bis die Boosterbots kamen. Es waren unförmige Roboter die im aussehen eher an Gorillas erinnerten als an Roboter. Natürlich waren sie ziemlich Kastenförmig und ihr Kopf erinnerte an die Nase eines Flugzeuges. Größenmäßig kamen sie an Muldoon heran. Auf ihren Rücken hatten sie montierte Jetpacks die sie über gewisse Distanzen tragen konnten.

Bewaffnet waren sie nicht. Sie waren nur mit Stahlfäusten ausgestattet. Außerdem mit einer verteufelten Sprengkapsel im Körperinneren bewaffnet. Bei Schüssen in den mittelmäßig gepanzerten Körper konnte es geschehen das der Sprengsatz detonierte. Keine große reichweite, aber es reichte wenn man um sie herumstand wenn es krachte.

Muldoon war sich bewusst das sie ihn kriegen wollten, aber er lief weiter. Sie konnten so lange nichts machen bis sie bei ihm waren. Dann musste Muldoon sich etwas einfallen lassen.

Vorsichtshalber zog er beim laufen schon einmal sein Schwert.

Eine weise Entscheidung.

Plötzlich schoss einer der Boosterbosts herab und hielt direkt auf ihn zu. Muldoon warf sich auf die Schiene und drehte sich um, wobei er das Schwert so hielt, das es in den Antrieb des Jetpacks schnitt.

Mit einem heiseren jaulen, beschleunigte das Jetpack unkontrolliert und lies den Boosterbot einen schnörkeligen Looping vollführen, bevor es mit ihm in eine der Fabrikhallen jagte. Kurz darauf gab es eine laute Explosion und Rauch stieg auf.

Jetzt musste Muldoon kämpfen. Er drückte sich über den Rücken ab und landete in der Hocke.

Ein weiterer Boosterbot jagte an ihm vorbei und Muldoon lies seinen Kopf fliegen. Ohne Steuerungszentrum wurde er immer langsamer und stürzte ab.

Der dritte Boosterbot landete auf der Schiene und kam langsam auf Muldoon zu, während ein vierter immer wieder knapp vor ihm abdrehte. Muldoon fuhr herum und rannte auf den gelandeten Boosterbot zu und schlitterte zwischen seinen Beinen hindurch als dieser nach seinem Gesicht schlug.

Dabei schlug er ihm ein Bein ab und kappte die Antriebsdüsen als er hinter ihm wieder hochkam.

Langsam kippte der Roboter von der Schiene und stürzte in die Tiefe.

Da war auch schon der vierte gelandete und griff nach Muldoon. Einen Augenblick später hatte er seine Arme verloren und dann seinen Kopf. Nur noch zwei.

Einer blieb in einem respektvollen Abstand zurück, während der andere langsam immer näher kam.

Der Kampf gegen Roboter war sehr kräftezehrend. Das wusste Muldoon schon aus einigen anderen Begegnungen. Ein Kampf gegen einen Lebensform war fast immer einfacher. Es brauchte wesentlich weniger Kraftaufwand als durch Metall zuschneiden.

In dieser Hinsicht waren die Schwerter der Crusader schon etwas besonderes.

Hiroshinum, der Stoff aus dem Sie geschmiedet waren, machte die Klingen um ein vielfaches Schärfer als bei anderen Schwertern.

Trotz das die Schwerter schon so gut waren brauchte es eine Menge Kraft einfach so Körperteile eines Roboters abzuschlagen.

In dieser Hinsicht waren die Schwerter der Crussader schon etwas besonderes. Hiroshinum, der Stoff aus dem Sie geschmiedet waren, machte die Klingen um ein vielfaches Schärfer als bei anderen Schwertern.

Trotz das die Schwerter schon so gut waren brauchte es eine Menge Kraft einfach so Körperteile eines Roboters abzuschlagen.

Wie es so schön hieß: Eine Waffe ist immer nur so gut wie der Jenige der sie führt.

Der Boosterbot drehte ab und hielt auf den Stützpfeiler unter der Schiene zu.

Gute KI. Sie hatten bemerkt, das Muldoon keine einfache Beute war und so versuchten sie jetzt die Brücke zu sprengen.

Muldoon rannte los und hielt das Gleichgewicht, als die Explosion die Schiene erschütterte. Er konnte spüren wie die Schiene hinter ihm zur Seite Bog und absackte, aber er lief weiter.

Was blieb ihm auch übrig? Stehen bleiben konnte er schlecht den das hieße tief fallen.

Ein leises zischen.

Der letzte Boosterbot, dachte Muldoon noch, als die Explosionsdruckwelle ihn erfasste und grade aus durch die Luft schleuderte. Alles drehte sich und geistesgegenwärtig schaffte Muldoon es das Schwert in die Schiene zu rammen. Er umklammerte den Schwertgriff fest als die Druckwelle ihn mit sich reißen wollte.

Dieses Roboter waren darauf programmiert ihr Ziel auszuschalten. Das Wie, war irrelevant. Eine Maschine hatte keinen Selbsterhaltungstrieb. Wenn es hieß alles zu geben, war das auch wirklich alles.

Muldoon stand auf und klopfte seine Kleider ab. Dann zog er das Schwert aus dem Gleis und schob es zurück in die Scheide. Eigentlich hatte er keine Lust mehr auf solche Eskapaden.

Es stimmte wohl das Innendienst verweichlichte.

Wie schon gesagt, Rowan und Marvin waren wirkliche Feldexperten. Muldoon hingegen war ein Meister des Innenlebens.

Das war durchaus nichts negatives. Wie jeder andere Crussader war er in der Lage sich zu verteidigen. Und das nach allen Regeln der Kunst.

Jetzt musste er jedoch erst einmal weiter.

Marvin hätte nicht gedacht, das sein Plan so gut gehen würde. Er stand wirklich vor der Zugangstür zum Sendeturm. Allerdings schien diese verschlossen. Egal wie sehr er sich bemühte, er fand keinen Öffner. Grade noch rechtzeitig trat er beiseite, als eine Salve Schüsse die Tür traf.

Jetzt wurde es ihm allmählich doch zu dumm. Er fuhr herum und rannte auf den Roboter zu der ihn beschoss. Das Schwert nahe beim Körper wehrte er alle Schüsse ab und rannte förmlich durch den Angreifer hindurch.

Ein weiterer Roboter. Marvin machte eine schwungvolle Bewegung die in einem Bogen endete. Er lies die Schüsse daneben gehen und wiederholter das solange bis er so nah an den Roboter herangekommen war um die Schüsse abzulenken. Dann, mit einer schnellen Bewegung duckte er sich und stach dem Roboter mitten in das Gesicht. Dabei zog er sein zweites Schwert und schlug den Gegner in der Mitte durch.

Endlich war alles ruhig und keiner schoss mehr.

Marvin steckte die Schwerter wieder in die Scheiden.

Eines war wenigstens erfreulich. Die Tür war durch die Schüsse aufgegangen. Falls irgendwo ein Türöffner verborgen war, so hatte ein Schuss ihn lahmgelegt und so die Tür geöffnet.

Von innen glich der Turm einem riesigen Computerkern. Der Hauptkern erstreckte sich bis ganz nach oben und blinkte an fast allen Stellen.

Von hier wurde alles gesteuert. Produktion, Maschinen, Transport, Versandt und was nicht sonst noch alles.

Eine einzelne Konsole tat sich vor Marvin auf als er näher an den Kern heran trat.

Statt einer Eingabekonsole nach dem Schema wie sie von allen Mitgliedern der Interplanetaren Allianz als Standart benutzt wurde war diese mit merkwürdigen Zeichen versehen.

Wahrscheinlich Cerotanisch. Diese Sprache hatte er nie gelernt. Aber trotzdem meinte er zu glauben das er sie irgendwoher kannte.

Bei näherer Betrachtung wurde er sich sicher das er sie kannte.

Aber woher?

Er gab einige Befehle ein und wirklich, auch wenn er es nicht lesen konnte, er verstand was dort stand.

Als erstes suchte er einen Weg die Roboter auszuschalten.

Ein gewaltiges Untermenü breitete sich auf dem Bildschirm aus.

Das war allerdings zu erwarten gewesen. Ein Komplex, der einen ganzen Planeten vereinnahmte brauchte auch eine gewaltiges Datenverarbeitungssystem. So wie es aussah war alles hier irgendwo aufgeführt.

Es half nichts, Marvin musste alles durcharbeiten. Zu allem Überfluss gab es keine Systemordnung.

Alles war wirr durcheinander Gelegt. Ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor.

Wie es schien befand er sich momentan im Menü der Fabrikanlagen.

Ein paar weitere Tasten und er gelangte in ein Untermenü das in der Lage war die gesamten Anlagen zu deaktivieren.

Nicht unbedingt was er gesucht hatte, aber immerhin war es nützlich.

Über dem Display erschien, auf einem Holofeld eine Miniatur Ansicht des gesamten Planeten. Einzelne Gelbe Punkte blinkten kurz auf und erloschen dann.

“Strom aus”, sagte Marvin und stieß einen Seufzer aus.

Jetzt musste er nur noch den Funkturm deaktivieren.

Doch auch das nächste Menü schien nicht das richtige zu sein, doch andererseits...

Als Richard Tarbrow in sein Apartment eintrat, blinkte das rote Lämpchen seines Coms im schnellen Takt auf. Sein Arbeitstisch stand wenige Meter von der Eingangstür entfernt. Es war ein sogenanntes Politiker Apartment. Drei Zimmer. Bad, Schlafzimmer und Arbeitszimmer. Das genügte. Mal abgesehen von den Schlafenszeiten verbrachte ein Politiker nur wenig Zeit hier.

Der Großteil der Arbeit wurde im Weltratsgebäude erledigt.

Das größte Gebäude in New York. Der unterste Teil sah aus wie ein Halbmond mit runden enden. Er nahm den Großteil der Südspitze von Manhattan ein. Darin waren alle erdenklichen Behörden untergebracht. Dazu noch Archive, mehrere Millionen Büros und noch vieles andere mehr.

Im inneren des Halbmondes befand sich eine Säule die sich höher als alle anderen Gebäude der Erde in die Höhe erhob. Hier wurde die eigentliche Politik gemacht. Sowohl planetar als auch interplanetar.

Verhandlungsräume, Debatierräume und natürlich das Ratszimmer selbst waren dort integriert. Außerdem die Zimmer für den Präsidenten, seinem Stab und den Botschaftern aller anderen Welten.

Ein Imposanter Neubau.

Tarbrows Zimmer befand sich relativ weit in der Mitte des Turmes. Zwar war ein wichtiger Politiker, aber sein Amtsbereich war eben nur New York.

Bevor Meyers Stimme aus dem Com ertönte wusste Tarbrow wer ihn angerufen hatte.

“Wo stecken Sie Tarbrow? Wir hatten heute Nachmittag eine Sitzung bei der sie hätten Anwesend sein sollen. Ich erwarte sie morgen Früh in meinem Büro. Vor der Sitzung.”

Dann brach die Aufnahme ab.

Typisch Meyer. Erst gab er ihm so einen komplizierten Auftrag und dann hatte er keine Verständnis wenn die Recherche ihn beschäftigte.

Auch egal.

Allerdings stand Tarbrow vor einer komplizierten Entscheidung. Entweder spionierte er die Crusader gewissenhaft aus oder er gab bei Meyer falsche Berichte ab.

Aus Rowans Erzählungen hatte Tarbrow sehr wohl den Schluss ziehen können, das wenn die Crusader direkt dem Präsidenten oder dem Militär unterstanden das eine empfindliche Machtzunahme der Regierung bedeuten würde. Immerhin konnte dann alleine die Regierung über die Einsätze der Crusader bestimmen und das konnte dazu führen das sie zu einem Druckmittel wurden.

Tarbrow traute Meyer so etwas zwar nicht zu, aber man musste ja nur ein oder zwei Generationen weiter denken. Es gab jetzt schon Politiker die wie Meyer dachten und vielleicht noch etwas Radikaler in der Gesetznutzung waren.

Außerdem hielt Tarbrow Meyers bedenken für übertrieben.

Man konnte meinen und es war auch durchaus ein logischer Gedanke, das eine so starke, autonome Gruppe wie die Crusader danach gierten eine höhere Stellung in der Hyrachie der Erde einzunehmen.

Das schien Tarbrow allerdings für unwahrscheinlich. Es hatte auch schon Präsidenten gegeben die im Gegensatz zu Meyer politisch sehr schwach waren. Hätte es einen guten Zeitpunkt gegeben sich an einen Sturz der Politiker zu versuchen so wäre es momentan ein Ungünstiger.

Also war es besser weiter zu beobachten und sich um die Politik zu kümmern.

Doch jetzt stand Tarbrow erst einmal der Sinn nach Schlaf. Er ging in das Schlafzimmer und zog seinen Anzug aus. Sein Bett war zwar hergerichtet, aber das war der Zimmerservice gewesen.

Für viele Politiker war es einfach so etwas wie ein Privatleben zu führen. Tarbrow gehörte der Minderheit an der das nicht vergönnt war.

Am Anfang seiner Politischen Kariere war er noch mit einer alten Freundin aus Schultagen zusammen gewesen. Doch sie hatten sich schnell auseinander gelebt. Danach hatte Tarbrow keine Zeit mehr für so etwas gehabt. Manchmal, auf politischen Veranstaltungen, wenn es die Situation erforderte gab es eine Sekretärin die für Meyer die Post erledigte.

Moira Adams.

Mit ihr ging er gelegentlich aus, aber da war nicht mehr und zu mehr konnte Tarbrow sich nicht durchringen.

Irgendwer hatte mal gesagt, dass das Leben an der Spitze einsam ist. Wie wahr und kraftraubend war es auch.

Muldoon trat das Lüftungsgitter ein. Egal wie modern die Zeit auch war, das war immer noch der Beste weg in ein Gebäude zu kommen.

Außerdem der Sicherste.

In vielen Komplexen in denen es noch Lüftungsschächte gab, durch die man sich hindurchzwängen konnte, waren in diesen Schächten noch keine Sensoren installiert worden.

Das hatte sich Muldoon auch gedacht. Die Cerotaner hatten wahrscheinlich nicht gedacht das jemand so hier herein kommen würde.

Immerhin wäre auch niemand so leicht an den Booster Bots vorbei gekommen.

Gut, er war jetzt zwar jetzt in der Zentralle, aber er musste immer noch den Telwas finden.

Eine Konsole stand an der Wand gegenüber.

Muldoon ging zu der Konsole und aktivierte sie per Berührung. Es gab nicht viele Crussader die noch die Sprache der Cerotaner sprachen. Außer ihm und Rowan vielleicht noch zwei oder drei.

Aber es war auch nicht nötig.

Eigentlich hatte Muldoon es schon vermutet, aber das System in der Zentrale arbeitete mit der Sprache der Telwas. Im Gegensatz zu der melodischen Sprache der Cerotaner, war die Sprache der Telwas rau und kratzig.

Die Schrift war hart und kantig und so gut wie keine Letter war an irgendeiner Stelle glatt oder gerundet.

Trotzdem war es keine schwere Sprache.

Muldoon gab einige Befehle ein und war auch sofort im Suchsystem.

Die Anfrage war wo sich Lebensformen innerhalb des Komplexes aufhielten. Sein eigens Signal hier im Untergeschoss und dann war da noch das Signal des Telwas, fünf Stockwerke über ihm.

Gut, die Sicherheitsmaßnahmen waren noch nicht aktiviert also wusste noch niemand das er hier drin war. Es war jetzt besser sich zu beeilen bevor sich das änderte.

“Jemand hat grade auf das Terminal im Untergeschoss zugegriffen Magistrat”, sagte der Schweberoboter der sich von hinten genähert hatte. Se’ghr wandte sich vom Monitor ab auf dem er grade die letzten Systemdateien gelöscht hatte.

“Dann sind die Crusader jetzt hier”, sagte er. “Wie steht es mit den Vorbereitungen?”

“Die letzten Roboter sind grade verladen worden. Das Transportschiff ist gestartet und trifft sich mit den anderen zum Sprung in den Kanal.”

“Gut, das Fluchtschiff?”

“Ist programmiert und wartet im Hangar auf den Start Magistrat.”

“Aktiviere die Wachroboter und begib dich dann an Bord des Schiffes. Ich werde dort gleich ebenfalls eintreffen. Nur noch ein paar Dateien sind zu löschen.”

“Jawohl Magistrat”, sagte der Roboter und flog davon.

Kein Zweifel das die Crusader gut waren, aber das würde ihnen auch nichts bringen. Sie waren hier auf seinem Spielfeld und er hatte sich schon eine ganze Weile darauf vorbereitet hier zu verschwinden.

Glücklicherweise hatte er diesen letzten Auftrag noch fertig stellen können.

Jetzt war er in der Lage sich irgendwo niederzulassen. Das einzige Problem das er jetzt noch hatte war wie er seinen Reichtum anlegen sollte. Immerhin musste er dafür sorgen das dass Geld so lange reichte wie er lebte und das war sehr, sehr lange.

Das war der eigentlich Sinn des Lebens für die Telwas, einen Reichtum anhäufen der nie endete.

Mit einem druck auf die Konsole löschte er den letzten Eintrag.

Es war jetzt Zeit aufzubrechen.

Keinen Moment zu früh. Dieses kalte, einsame Gebäude mit dem dazugehörigen Planeten wurden langsam unerträglich langweilig. Er hatte all diese Jahre auf diesen Punkt hingearbeitet.

Natürlich hatte er sich gefragt was jemand mit so einer Armee vor hatte. Sie reichte Problemlos aus um einen mittelgroßen bis großen Planeten zu erobern. Immerhin handelte es sich hier um die besten Modelle auf dem Markt. Von den Kampffahrzeugen einmal abgesehen.

Wenn man wollte konnte man damit sogar einen kleinen Krieg führen. Etwa in einem ganzen System.

Aber das war Se’ghr egal. Sein nächstes Ziel war weit von hier entfernt. Irgendwo in den Outlands.

Das war so weit wie möglich entfernt von allem was sich wirklich als Zivilisiert bezeichnen konnte.

Es gab einen Punk, hinter den letzten Systemen die mit mindestens einem Planeten gesegnet waren auf dem man normal leben konnte, an dem gab es fast nur trostlose Planeten. Dschungelwelten, Wüstenplaneten, Steinplaneten, Eiswelten und gewaltige Meerestrabanten.

Auf einigen lebten Piraten oder andere kriminelle Kartelle. Manche waren Autonome Welten, die ganz für sich existierten und nicht mit der Interplanetaren Allianz zu tun haben wollten.

Was nach den Outlands kam?

Nur weiter, weiter Weltraum. Einige Spezies waren schon dort hinein geflogen, doch auch vier Jahre später hatte man dort nichts gefunden. Auch nicht mit Langstreckensonden.

Der Sprung in Hyperkanäle war auch nicht möglich. Niemand wusste ob man nicht irgendwo herauskam wo es doch einen Planeten gab. Allerdings arbeiteten angeblich Forscher daran dieses möglich zu machen.

Aber das war nicht von Bedeutung. Se’ghr hatte vor einen der verwaisten Planeten in Besitz zu nehmen. Mit den richtigen Mitteln war das kein Problem. Die Planeten dort boten reichhaltige Bodenschätze, die man sicherlich äußerst gewinnbringend verkaufen konnte.

Problemmatisch würde es nur mit den Piraten werden, aber anders als die Regierung anderer Völker war Se’ghr gerne bereit die Piraten zu bestechen.

Jeder war käuflich, solange der Preis stimmte.

Se’ghr würdigte dem Raum noch einen letzten Blick bevor er in den Aufzug zum Hangar stieg. Hier her würde er nicht wieder zurück kommen.

Muldoon hatte die Idee den Aufzug zu benutzen sofort verworfen. Das glich ja einer Einladung zu einer gestellten Falle.

Zum Glück war das Gebäude als tatsächliche Arbeitsstelle entworfen worden. Es gab Treppen die nach oben in die anderen Stockwerke führten.

Erst jetzt merkte Muldoon das es sehr vorteilhaft in dem Lüftungsschacht gewesen war. Er hatte nicht rennen müssen. Das tat er heute schon zu oft und zu lange. Nicht das er es nicht gewöhnt war, aber es war natürlich eine Sache rennen zu müssen weil es wichtig war und nur zum Training zu rennen.

Es war logisch anzunehmen, das der Telwas versuchen würde zu flüchten wenn Marvin den Hauptsender deaktiviert hatte. Dazu würde er in den Hangar müssen der sich weiter oben befand.

Dort würde Muldoon auf ihn warten.

Hauptsache war, das der Telwas sich ergeben würde. Die Wahrscheinlichkeit war ziemlich hoch. Telwas waren mehr große Redner als Kämpfer. Er würde versuchen sich rauszureden.

Trotzdem hatte Muldoon ein Gefühl als würde alles noch etwas kompliziert werden.

Das war jedoch relativ.

Muldoon hatte noch nie einen Auftrag gehabt den er als leicht bezeichnen würde. Selbst Verhandlungen waren äußerst schwierig und konnten mehr Schaden als ein Kampf anrichten.

Abgesehen davon hatte Muldoon, grade während seiner Ausbildung eine Menge Aufträge absolviert und konnte das so mit behaupten.

Sofort als er über den Rand der Treppenstufen blickte erkannte er den Telwas, der auf den Weg zu einem kleinen Gleiter war.

“Se’ghr”, sagte Muldoon und ging weiter auf ihn zu. “Ich bin Meister Fargos Muldoon vom Orden der Crusader. Ich bin hier um mit ihnen zu reden.”

Der Telwas zuckte kurz zusammen und sah Muldoon an als wäre er ein Geist. Dann riss er eine Fernbedienung hoch und plötzlich hörte Muldoon ein hydraulisches Zischen.

Grade noch rechtzeitig rollte er sich zur Seite und sprang sofort, als er wieder auf die Beine kam, mit einem Hechtsprung nach vorne. Er rollte sich ab und stand mit gezogenen Schwert bereit.

An der Treppe stand ein Frachtroboter dessen Faust dort im Boden steckte wo Muldoon eben noch gestanden hatte.

Dieser Frachtroboter war ein neueres Modell. Ein viereckiger Klotz auf kurzen Beinen, mit langen hängenden Armen und einem, schmalen Ovalen Kopf der in der Mitte des Körpers saß. Ein einziger optischer Sensor war dort angebracht, der sich auf Muldoon richtete.

Das war jetzt der Teil der schwer wurde.

Marvin rannte die Straße hinunter und war froh den Sendeturm deaktiviert zu haben. Überall standen stumme Roboter mit hängenden Köpfen und Armen. Das hätte Stunden gedauert sich bis zur Kontrollzentrale durchzuschlagen.

Fragte sich nur ob Muldoon schon dort war und ob er es überhaupt geschafft hatte. Sein Meister war definitiv kein Haudegen aber er wusste sich durchaus seiner Haut zu erwehren.

Wenn Marvin allerdings die Anzahl der Roboter hier bedachte war es eine Überlegung wert ob er es geschafft hatte.

Zu hoffen blieb es, immerhin hatte er eine interessante Entdeckung gemacht und darüber hinaus noch eine Überraschung vorbereitet.

Er fand den Haupteingang des Zentrums verlassen vor. Keine Wachen oder Abwehrsysteme.

Eigentlich hatte er das erwartet. Immerhin verfügte das Kontrollzentrum über eine eigene Sendeanlage für sein Innenleben.

Hier konnte es noch einmal gefährlich werden. Oder jedenfalls etwas aufregend.

Marvin hatte noch nie einen Auftrag gehabt den er als schwer bezeichnen würde. Natürlich hatte er nur wenige Feldaufträge gehabt, aber jene die er gehabt hatte waren ihm alle sehr einfach von der Hand gegangen.

Gut, dieses mal hatten sie ja einen ganzen Planeten gegen sich, aber das war dann doch einfacher geworden als er gedacht hatte.

Natürlich, Roboter und andere, anorgane Wesen mit einer künstlichen Intelligenz boten immer eine besondere Gefahr. Sie zielten besser und waren schneller. Allerdings fehlten ihnen das Verständnis eine Situation richtig einzuschätzen und sie waren berechenbarer als Menschen.

Im Untergehschoß des Zentrums befand sich eine große elektronische Karte. Sie war in der Sprache der Cerotaner beschriftet. Trotzdem erkannte Marvin auch diesmal alles das dort geschrieben stand.

Er ging zu dem Fahrstuhl hinüber und drückte auf die Rufen Taste.

Leise konnte er den Fahrstuhl herunter kommen hören. Mit einem gedämpften Zischen glitten die Türen auseinander und Marvin trat in hinein.

Ebenso leise glitten die Türen zu und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Von weiter oben konnte Marvin einen lauten Knall hören. Als stürzte etwas um. Jetzt wusste er definitiv das Muldoon dort oben war.

Der Frachtroboter war zwar groß und konnte sich nur langsam fortbewegen, aber dafür waren seine langen, zylinderförmigen Arme schnell und schlugen kräftig zu.

Dort wo der Crusader eben noch gestanden hatte, war der Metallboden eingedellt. Sofort als der Roboter merkte das sein Ziel nicht mehr dort war, wandte er sich dessen neuer Position zu.

Se’ghr wandte sich ab und ging an Bord des Shuttles. Der kleine Beraterroboter schwebte schon am Eingang.

“Start einleiten”, sagte Se’ghr und setzte sich auf den Pilotensessel.

Seine Hände bewegten sich über die Tastatur, während sich von draußen die dröhnenden Schläge bis in das Cockpit erhoben.

Die Einstiegsluke schloss sich und der Boden erhob sich wie eine Schanze nach oben, während sich eine Luke in der Kuppel öffnete. Die Startmotoren des Shuttles heulten auf und Se’ghr gab den Startbefehl ein.

Es war für Muldoon nicht schwer den Schlägen auszuweichen. Sie waren zwar, trotz der Größe des Frachtroboters ziemlich schnell, aber Muldoon war schneller. Sekunden bevor der Schlag ihn traf war er schon an einer anderen Stelle.

Das Negative war nur, das er den Roboter nicht angreifen konnte. Er hatte es zweimal versuch, doch der Roboter schlug jedes Mal schwungvoll aus und hatte Muldoon so fast erwischt. Ihm blieb also nichts anderes übrig als auszuweichen und eine Schwachstelle zu finden.

Und das war gar nicht so leicht.

Vielleicht wenn er ein paar Sekunden Zeit hätte und vor allem nicht ausweichen müsste.

Doch das war nicht nötig.

Plötzlich war Marvin da. Er sprang auf die Schultern des Roboters und schlug ihm den Kopf ab. Sofort nutzte Muldoon die Chance und machte einen Satz nach vorne. Mit einem einzigen Streich schlitzte er dem Roboter den Bauch auf.

Gleichzeitig rammte Marvin dem Roboter sein Schwert zwischen die Schultern und schwang sich daran herunter, so das er ihn in zwei Teile schnitt.

Die Stücke des Roboters schlugen hart auf und ließen ein dumpfes Geräusch nachhallen.

“Gutes Timing” sagte Muldoon und nickte Marvin zu.

“Perfektes Timing”, entgegnete Marvin und schob sein Schwert in die Scheide.

In diesem Moment heulte das Triebwerk des Shuttles auf und ließen es von der Startrampe jagen, direkt durch die Luke in dem Dach.

“Scheint nicht ganz so perfekt”, sagte Muldoon und steckte jetzt seinerseits sein Schwert ein. “Es war knapp, aber wir haben wohl leider versagt.”

“Nicht so schnell”, sagte Marvin und lächelte diebisch. “Als ich den Sender deaktiviert habe, habe ich die Koordinaten für den Sprung des Shuttles verändert. Es wird nahe der Erde aus dem Hyperkanal treten und wird dort schon erwartet.”

“Und wenn er es merkt?”

“Soll er ruhig. Ändern kann er es nicht, ich habe es mit einem Passwort gesichert.”

“Ich würde meinen Hut ziehen, wenn ich einen hätte”, sagte Muldoon und grinste fast. “Aber was ist mit der Ware?”

“Leider war ich nicht in der Lage die auch irgendwo in Sicherheit zu schicken. Es reichte grade noch sie so zu programmieren das sie auf Dauer im Hyperraumkanal bleiben. Vielleicht kommen sie irgendwann mal irgendwo wieder raus, aber für genaues hatte ich keine Zeit.”

“Das war trotzdem schon brillant genug”, nickte Muldoon. “Ehrlich gesagt hätte es mich auch gewundert wenn du es nicht geschafft hättest.”

“Zu viel der Ehre. Was machen wir jetzt?”

“Wir melden uns bei den Cerotanern und dann fliegen wir nach hause.”

“Ja, dann kommen wir noch pünktlich zur Meister Ernennung. Auch wenn ich nicht viel diplomatisches geleistet habe.”

“Wohl war, aber wir alle kennen deine Qualitäten und eigentlich war schon vorher klar, das ein richtiger Meister wirst, nicht nur dem Namen nach. Also lass uns gehen.”

“Ach so? Und warum dann das alles hier?”

“Na ich konnte doch nicht zulassen das du den ganzen Tag faul im Grass liegst und nichts tust.”

Fargos Muldoon lächelte nachdenklich und Marvin war sich plötzlich nicht mehr ganz so sicher ob es wirklich so gemeint war oder nicht.

“Es scheint so als hätte sich Minister Tarbrow entschieden uns nicht auszuspionieren”, sagte Vern Treep, während Rowan mit auf dem Rücken verschränkten Armen aus dem Fenster sah.

“Er machte mir den Eindrucke eines Mannes, der sich nicht so leicht ausnutzen lässt. Er ist noch jung, aber er weiß viel mehr über Politik als einige Andere, die dieses Amt länger als er bekleiden.”

“Soll ich ihn trotzdem weiter beobachten?”

“Nein, das ist nicht nötig. Wir wollen nicht das es zu unnötigen Komplikationen kommt. Richard Tarbrow ist kein Problem für den Orden. Es gibt Andere denen wir unsere Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten.”

“Dann werde ich wieder ein Auge auf Meyer werfen”, sagte Treep und stand von seinem Stuhl auf.

“Ja, aber es eilt nicht. Momentan hat er genug mit der Pericon zu tun und Tarbrows Bericht wird ihn einige Zeit ablenken. Zeit genug einen Wechsel durchzuführen.”

“Du willst also wirklich gehen?”

“Meine Zeit hier war lang und ich habe oft und viel gekämpft. Zum Schluss mehr am Tisch als auf dem Feld, sofern das irgendwen wirklich der Fall war. Meyer war mein ärgster Gegner und so lange er abgelenkt ist wird es Fargos einfacher haben sich in mein Amt einzufügen.”

“Das geht schneller als du denkst. Muldoon ist ein großer. Der wird der ideale Nachfolger werden, immerhin ist er fast so wie du.”

“Findest du”, fragte Rowan und drehte sich zu ihm um.

“Schau nichts so überrascht. Du hast ihm alles beigebracht was du weißt und er war schon immer selber ein kluges Köpfchen. Immerhin hat er sich auch Marvin Hart als Schüler ausgesucht. Außer ihm hätte niemand etwas aus dem Jungen machen können.”

“Das stimmt wohl. Marvin Hart ist die nächste Generation von Crusadern. Eine Generation die vielleicht mehr in der Lage ist für den Orden einzustehen als wir es können. Es war richtig das Fargos sich seiner annahm. Ich kenne niemanden hier im Tempel der Fargos Muldoon nicht zutraut der nächste Großmeister zu werden.”

“Das stimmt. Damals sagtest du mir das schon und wenn ich ehrlich bin hatte ich es nicht recht glauben wollen. Dann habe ich Muldoon beobachtet und je mehr ich mich mit ihm beschäftigt habe desto mehr hat er mich an dich erinnert als du noch um einiges jünger warst.”

“Um einiges jünger? Jetzt glaube ich wirklich das es Zeit ist für mich den Orden zu verlassen, wenn selbst du mich für zu alt hältst.”

“Wir bleiben alle nicht davor verschont alt zu werden”, lächelte Treep schmal. “Du hast aber im Endeffekt recht was den Wechsel betrifft. Es wird wohl keinen geeigneteren Zeitpunkt geben als jetzt.”

“Ich werde es in vier Tagen bekannt geben, dann ist Meyer grade in Neuropa. Das gibt uns etwas Zeit. Ich bin froh mir nicht seine Beschwerden anhören zu müssen.”

“Wer wird Muldoons Nachfolger werden? Immerhin wird ja eine Stelle im Konzil frei. Gehe ich recht in der Annahme das es Marvin Hart sein wird? Die Vernunft spricht zwar dagegen, da dem Jungen noch ein wenig Disziplin fehlt, aber du sagtest ja auch einmal das Männer mit ihren Aufgaben wachsen.”

“Stimmt, aber Marvin Hart wird es nicht werden.”

“Das überrascht mich. Haben die anderen sich dagegen ausgesagt?”

“Nein, das nicht aber Marvin hat mich gebeten den Orden auf unbefristete Zeit zu verlassen. Er will noch ein wenig lernen wie es da draußen vor sich geht im Universum.”

“Seltsam. Trotzdem bleibt er ein Crussader, oder?”

“Ja, trotz alle dem.”

“Hätte ich ihm nicht zugetraut. Aber wer soll es dann werden?”

“Ich hatte Orkus Meldorn in betracht gezogen, aber die anderen haben ihn abgelehnt.”

“Recht so. Meldorn ist zwar ein beachtlicher Meister, aber die Anderen meiden ihn nicht umsonst. Seine Trainingsansichten sind mir zu wieder.”

“Dafür war sein Schüler Marvin Hart fast ebenbürtig.”

“Da mag sein, aber ich mag ihn trotzdem nicht. Schon als ich Schüler war er nicht beliebt und das wird er auch nie werden.”

“Trotzdem sprechen seine Erfolge für sich. Zwar war Desothes Gartget sein bisher einziger Schüler aber er hat mit den besten Bewertungen abgeschlossen. Außerdem ist er ebenso begabt wie Fargos.”

“Wie dem auch sei. Wissen wir schon etwas mehr über den Shuttle Absturz?”

“Unsere Techniker kümmern sich noch darum. Die Beerdigung ist für nächste Woche Freitag angesetzt.”

“Und Moongrave?”

“Er ist ausgeschieden. Seine Verletztungen sind zu stark.”

“Ein ganz schöner Schlag. Die Moongraves sind in jeder Generation seit Gründung der Crussader bis zu ihrem Altersgesuch Mitglied gewesen. Er ist der erste der vorzeitig ausscheidet.”

“Ja und auch für uns ist es ein großer Verlust. Er war immerhin einer unserer besten Ausbilder.”

Treep sah aus dem Fenster. Eine Menge war in begriff sich zu ändern und dabei waren viele Dinge die alltäglich waren und auch Treep selbst merkte das er langsam alt wurde. Was hieß langsam, immerhin war er ein Jahr jünger als Rowan. Es blieb nur zu hoffen das sich das alles als positiv herausstellen würde.

Marvin warf noch einen letzten prüfenden Blick auf die verstaute Fracht in den Stauspinten und verließ dann den Rückwärtigenbereich des Shuttles. Er hatte alles verstaut und war startbereit.

Dieser Plan war schon lange in seinem Kopf gewesen und deshalb war er auch nicht übermäßig aufgeregt. Irgendwie wollte er immer die Erde verlassen und sich einen Eindruck von den anderen Welten verschaffen die dort draußen waren.

Eigentlich eine Lebensaufgabe, aber für einen eigentlich ruhelosen Geist wie ihn trotzdem kein Hindernis.

Trotz seines routinierten Denkens war er doch ein wenig überrascht, das Muldoon draußen wartete. Auch Min und Duke waren da.

“Wolltest du gehen ohne dich zu verabschieden”, fragte Min und sah ihn schnippisch an. “Wie immer bist du sehr unhöfflich.”

“Ich bin nicht gut in so was”, sagte Marvin und zuckte mit den Schultern.

“Das wäre das erste in dem du nicht gut wärest”, sagte Muldoon und lächelte schmal, “jedenfalls das erste das du zugibst.”

“Zugegeben habe ich nichts”, entgegnete Marvin. “Ich sagte ich bin nicht gut darin mich zu verabschieden, das heißt aber nicht, das ich nicht gut darin werden könnte.”

“Eins zu null”, sagte Duke und sah zur Seite als Muldoon ihn ansah.

“Jedenfalls solltest du dies noch wissen”, sagte Muldoon. “Der Telwas wurde von dem Militär in Haft genommen und eingesperrt. Sein Verhandlung ist ende diesen Monats, aber es sieht nicht gut für ihn aus. Wenn seine Verhandlung hier zu ende ist wird er noch von einigen anderen Systemen vor Gericht zitiert werden.”

“Dann hat mein kleiner Trick mit der Koordinaten Änderung ja geklappt.”

“Ja, aber er wäre beinahe wieder entkommen. Man hat ihn wegen unerlaubter Einmischung in das Hypersprungnetzwerk angeklagt. Ein Delikt.”

“Aber es hat gereicht, oder.”

“Ja, das hat es.”

Marvin lächelte schief und Muldoon nickte mit einem zufriedenen lächeln.

Dann war da ein Moment stille.

“Wo fliegst du als erstes hin”, fragte Duke schließlich.

“Ich weiß nicht, ehrlich gesagt habe ich mir über das Ziel noch keine Gedanken gemacht.”

“Typisch”, sagte Min. “Erst einmal aufbrechen und dann das Ziel festlegen.”

“Hey, so hab ich es immer gemacht und wo bin ich jetzt?”

“Das frage ich mich ernstlich auch”, sagte Min.

“Oft ist der Weg das Ziel”, sagte Muldoon und reichte Marvin untypisch für die Crusader Gepflogenheiten die Hand.

“Ich danke dir für deine Ausbildung”, sagte Marvin. “Es wird mir immer positiv in Erinnerung bleiben.”

“Du wirst mir fehlen”, sagte Muldoon, “und deine positive Lebenseinstellung auch. Wenn du in der nähe bist würde ich mich freuen dich hier wieder Begrüßen zu können. Denk dran, du bist immer noch ein Crusader.”

“Ich weiß. Danke.”

Dann war Duke an der Reihe. Er überlegte kurz und kratzte sich an der Stirn. Schließlich legte Marvin ihm die Hand auf die Schulter, was anhand des Größenunterschiedes recht komisch aussah.

“Pass auf dich auf könnt ich jetzt sagen”, räusperte Duke sich, “aber das kannst du ganz bestimmt. Lass dich mal blicken, okay?”

“Mach ich Duke”, sagte Marvin. “Versprich du mir das du hier einen guten Job machen wirst.”

“Geht klar.”

Ganz ungewohnt umarmte Min ihn. Dann stellte sie sich vor ihn und nahm seine Hand.

“Ohne dich wird es hier ziemlich langweilig”, sagte sie. “Du wirst mir fehlen.”

“Du mir auch. Was die Langeweile angeht, werden das sicherlich einige Leute begrüßen.”

“Ich erwarte das du von dir hören lässt. Sonst suche ich dich und es gibt ärger?”

“In diesem Fall habe ich wohl keine Wahl oder?”

“Nein hast du nicht.”

“Gut, dann tue ich es.”

Dann schwiegen wieder alle einen Moment.

Marvin war sich bewusst, das es sich hier um keinen Abschied für immer handelte aber es würde eine ganze Weile dauern bis sie alle sich wieder sahen.

“Bis wir uns wieder sehen”, sagte Marvin und ging zur Verladerampe.

Er warf einen letzten Blick auf seine Freunde als sich die Rampe schloss.

Langsam ging er nach vorne ins Cockpit und setzte sich in den Pilotensessel.

“Bitte geben sie ihre Koordinaten ein”, tönte es aus den Boxen am Bedienpult.

“Ins äußere System”, sagte Marvin.

Das Shuttle hob ab und verließ New York, die Erde, das Sonnensystem und schließlich die Milchstraße.

Über den Monitor warf er einen letzten Blick zur Erde. Bevor er sie für eine ganze Zeit hinter sich ließ.