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Kapitel 3 - Neue Zeiten

Es hatte sich nicht viel verändert, zumindest nichts was man auf anhieb erkannte. Vielleicht waren hier und da einige Bäume die damals noch nicht hier gewesen waren und auch einiges andere an der Gestaltung der Außenanlage war nicht so vertraut.

Doch die Gebäude standen immer noch wie stumme Zeugen der Zeit da. Unverändert und hochaufragend.

Seit er damals, vor dreizehn Jahren, von hier weggegangen war hatte er immer den Gedanken im Kopf gehabt, das sich alles hier verändern würde.

Aber zum Glück war alles beim alten, was man von ihm nicht sagen konnte.

Nein, Marvin Hart hatte sich, zumindest was das Aussehen betrifft ziemlich verändert.

Seine Haare waren länger, sein Gesicht wurde von dem Unterteil seiner linken Wange bis zur spitze seines Kinnes von einer feinen Narbe geziert und er war noch ein Stück gewachsen.

Einzig seine wachen, blauen Augen waren übrig geblieben.

Er war viel rumgekommen, hatte viel gesehen und viel gelernt. Antworten und neue Fragen hatte er gleichermaßen gefunden.

Jetzt war er wieder hier, auf bitten seines alten Meisters, Fargos Muldoon.

Natürlich wäre er nicht einfach so wieder zurück gekommen. Es gab noch viel zu sehen und trotz das er dreizehn Jahre lang auf anderen Planeten gewesen war, so hatte er nicht einmal die hälfte der Planeten bereist die es im äußeren System gab.

Es lag daran, das Muldoon etwas über ihn wusste das er erst nach ein paar Jahren auf seiner Reise verstanden hatte. Anfangs hatte er geglaubt, das nur reine Neugier ihn antreiben würde, doch das stimmte nur zum Teil.

Was er eigentlich suchte, war eine Herausfordern, einen Gegner mit dem er sich messen konnte und der es ihm nicht leicht machte. Wenn er etwas gelernt hatte, dann war es das er schnell andere übertraf. Muldoon hatte bei ihrer letzten gemeinsamen Auseinandersetzung nur ein unentschieden erzielen können. Einzig der alte Rowan wäre noch eine Hürde gewesen, aber mit ihm hatte er sich nie duelliert.

Unterwegs war er in einige Situationen geraten, die echt bedrohlich waren.

Nicht wirklich schwere Situationen, aber gleich am Anfang hatte er die bittere Erfahrung machen müssen das Arroganz ein schwerer Fehler war. Das hatte ihm auch die Narbe eingebracht.

Jedenfalls hatte Muldoon ihn vor ein paar Wochen über das ViCom gesprochen und ihm gesagt, das es diesmal bei den Neuzugängen zwei Schüler geben würde, die wie er vor Jahren sehr begabt waren und scheinbar einmal ziemlich gut werden würden.

Deshalb schlug er ihm vor zum Tempel zurück zu kehren und sich mit um die Ausbildung zu kümmern.

Damit hatte er ihn so gut wie sicher. Einen Moment hatte Marvin gezögert doch dann hatte er doch zugestimmt.

Jetzt war er wieder zurück und er war zu spät dran um sich noch mit einer genaueren Studie der Umgebung zu befassen.

Eigentlich war Marvin ein Typ der nicht unbedingt pünktlich war. Meist verspätete er sich um eine Viertelstunde, selten mehr. War es jedoch wichtig kam er immer genau pünktlich.

Dieses Mal lag es allerdings nicht an ihm. Die Weltraumflugüberwachung wollte ihm keine Landung erteilen. Zwar hatte er noch immer das Crusader Shuttle, aber das war seit dreizehn Jahren nicht mehr registriert worden und deshalb war man bei den Behörden stutzig geworden.

Seit dem ein Telwas vor dreizehn Jahren einfach ohne Ankündigung direkt im Raumsektor der Erde aufgetaucht war, waren die Sicherheitsmassnahmen strenger geworden.

Schließlich hatte Marvin alles aufklären können. Muldoon war so umsichtig gewesen ihm die derzeitigen Sicherheitscodes der Crusader zu übermitteln.

Durch Eingabe dieser Codes konnte er seine Zugehörigkeit zu den Crusadern beweisen und ohne weitere Probleme einen Flugkorridor zum Tempelkomplex bekommen.

Durch den hohen Anteil von Antigrav Fahrzeugen und Raumfähigen Fahrzeugen war es Bestimmung das man für Fahrzeuge die sich außerhalb der freigegebenen Verkehrswege bewegten eine Freigabe für einen Flugkorridor erbitten musste. Das war nötig um schwere Unfälle zu verhindern.

Marvin musste die Koordinaten des Flugkorridors einfach nur in seinen Bordcomputer eingeben und das Shuttle flog automatisch über diese Route zum Hangar des Tempels.

Trotzdem war er zu spät. Überraschenderweise fand er sich gut auf dem Gelände zurecht, so als wäre er nie weg gewesen.

Von der Treppe die aus dem Unterirdischen Hangar führte ging er über den breiten weg an der Ostseite des großen Hauptgebäudes entlang. Von hier gab es einen Eingang der ihn auf die Rückseite der großen Halle führen würde in der man traditionell die neuen Schüler empfing.

Schon im Anflug hatte Marvin die Verbundenheit gespürt die er zu diesem Ort hatte. Das ganze Gelände, das frei in der Luft schwebte, nur getragen von Antigrav Repulsoren und angebunden an das Straßenverkehrsnetz das zum Teil noch befahren war.

Es war der mit Sicherheit seltsamste Anblick von ganz New York. Die Unterirdische Struktur die von einem Kraftfeld gehalten wurde und die an einen groben Klotz aus Erde erinnerte, mit dem daraufliegenden Komplex voller Ruinen und den wenigen Gebäuden, den Wäldern und Wiesen.

Für Marvin war es ein Ort gewesen den er zuhause nannte, auch wenn er dort lange Zeit nicht eingekehrt war.

Wiedererwartend war alles wie ausgestorben.

Natürlich, es waren ja auch alle in der großen Halle. Bis auf einige wenige Tempelwachen, die ihre Runde machten.

Endlich war Marvin an der Rückwärtigen Tür angelangt. Sie führte direkt hinter die Sitzplätze der Mitglieder des Konzils, dorthin wo jetzt alle Meister standen.

So jedenfalls war es damals gewesen als er hier angekommen war.

Diese Tür war eine der wenigen die noch nicht automatisiert worden war. Sie hatte noch eine Klinke und wurde per Hand geöffnet.

Vorsichtig drückte Marvin die Klinke herunter. Er öffnete die Tür nur einen Spalt und schlüpfte hindurch. Wie er es sich gedacht hatte stand er jetzt hinter den anderen Meistern.

“Du bist ja wirklich gekommen”, sagte jemand neben ihm. “Auch wenn du zu spät bist.”

“Verpasst habe ich aber wohl noch nichts”, entgegnete Marvin der sah, das die Schüler sich grade erst vor den Meistern aufgestellt hatten. Natürlich unter der Anleitung vom Emilia Cinderdrake.

“Dreizehn Jahre und du bist immer noch wie früher.”

“Natürlich, warum sollte ich mich ändern, Min?”

Min Tiros warf ihm ein schmales lächeln zu. Sie sah fast genau so aus wie früher, nur waren ihre Haare jetzt kürzer. Sie reichten grade mal bis auf ihr Schultern. Das tat ihrer Attraktivität jedoch keinen Abbruch. Sie trug ihre Standart Uniform. Die goldenen Ansteker waren ihm ja bekannt, aber das schwarze Hemd überraschte ihn. Anscheinend war Min Mitglied des Konzils geworden. Aber davon hatte sie nichts gesagt.

Gut, das letzte Mal hatte er sie vor zwei Monaten gesprochen. Da konnte es gut sein, das sie erst seit kurzem zu dieser Ehre gekommen war. Wundern würde es ihn nicht. Min war klug, nein sogar wirklich richtig intelligent. Sie wusste immer auf alles eine Antwort und sie konnte mit Menschen umgehen.

Er wüsste nicht wer besser geeignet wäre.

“Warum sollte ich das auch erwarten”, sagte Min leicht spöttisch. “Was hast du an der Wange?”

“Ein Lektion“, entgegnete er knapp.

“Ich hätte nicht gedacht das Meister Muldoon dich dazu kriegt zurück zu kommen.”

“Das hat er wahrscheinlich auch nicht, aber trotzdem bin ich wieder da. Kann ja sein das ich einen guten Lehrmeister abgebe.”

Min versuchte sich ein lächeln zu verkneifen, was ihr aber nicht ganz gelang. Natürlich merkte Marvin das.

“Du solltest ein wenig mehr Vertrauen in mich haben.”

“Ich habe sehr großes Vertrauen in dich”, entgegnete Min ernst. “Aber ich kenne dich eben auch zu gut. Das soll nicht heißen das ich denke das du ein schlechter Lehrmeister wärest, aber der Gedanke ist, nun ja, sehr Amüsant.”

“Freut mich das ich immer noch zu deinem Amüsement beitragen kann Min”, sagte Marvin und lächelte schief.

Marvin konnte erkennen das die neuen Schüler nun alle gut ausgerichtet dastanden.

Muldoon war einen schritt nach vorne getreten und stand nun ein einem aufgebauten Podium. Marvin konnte ihn nur von hinten sehen. Seine kurzen Haare waren nun grau meliert und nur noch an wenigen Stellen dunkel. Natürlich war er älter geworden. Die Zeit hielt eben nicht an, für niemanden.

“Liebe Schüler, ich möchte euch recht herzlich im Tempel der Crussader begrüßen. Mein Name ist Fargos Muldoon und ich bin der Großmeister des Crusader Ordens.”

Er hielt kurz inne und ließ seinen Blick über die Menge wandern.

“Einige von euch sind hier weil sie aus Tradition von ihrer Familie zu uns geschickt werden. Andere sind hier weil ihre Familien euch für begabt halten und wieder andere sind hier weil wir sie für begabt halten. Wichtig ist, das alles was hier geschieht für den Orden geschieht. Wir sind alle eine Einheit und müssen uns aufeinander verlassen. Das werdet ihr hier lernen, sowie einige andere Dinge. Die Ausbildung wird euch in verschiedene Zweige der Crussader einführen. Wer letztendlich wofür geeignet ist wird sich während den verschiedenen Prüfungen zeigen. Die eigentlich Ausbildung beginnt zwar erst morgen, trotzdem möchte ich euch nicht großartig mit reden ermüden.”

Muldoon hielt einen weiteren Moment inne. Zwar konnte Marvin sein Gesicht nicht sehen, doch er war sich sicher das Muldoon sein väterliches Lächeln zeigte. Es war ein sogenanntes Millionen Dollar lächeln. Es machte Mut und gab Geborgenheit und Sicherheit.

“Meisterin Cinderdrake wird euch zu den Schüler Unterkünften bringen. Ihr bekommt dort Zeit eure Sachen auszupacken, euch mit euren Zimmer und euren Mitbewohnern anzufreunden und einen Moment ruhe zu finden. Später werdet ihr dann über das Gelände geführt. Falls es irgendetwas gibt das ihr noch wissen wollt oder wenn ihr Sorgen und Probleme habt, dann könnt ihr jederzeit zu mir kommen. Ich nehme mir gerne Zeit für euch.”

Er nickte Emilia Cinderdrake zu.

“Folgt mir jetzt Schüler”, sagte sie mit einer Stimme die keine wiederrede duldete.

Immer zwei nebeneinander trotteten sie hinter Emilia Cinderdrake her. Als die Prozession abgezogen war schlossen sich die großen Eingangstüren.

Dann wandte sich Muldoon um.

Marvin hatte recht gehabt. Er war alt geworden, vielleicht zu schnell. Zwar waren seine Haare und sein nun faltigeres Gesicht die eines alten Mannes, aber sein auftreten und seine Gesichtzüge waren deutlich die eines Mannes der wesentlich jünger war.

“Gut”, sagte er und rieb sich die Hände. “Damit hätten wir das erledigt. Ihr könnt jetzt gehen, aber ich bitte die Meister die Morgen den Gruppenunterricht leiten rechtzeitig Schlafen zu gehen. Es kann unter umständen ein langer Tag werden.”

Allgemeines nicken.

“Dann könnt ihr jetzt auch gehen”, sagte Muldoon und die Meister verließen geordnet den Raum.

“Kommst du auch”, fragte Min Marvin, der stehen blieb.

“Ich habe noch etwas mit ihm zu besprechen”, entgegnete er und deutete mit dem Kinn zu Muldoon. “Wir sehen uns später.”

“Dann besser morgen”, sagte Min. “Ich bin für die Führung verantwortlich.”

“Dann morgen”, nickte Marvin.

Die Tür schloss sich als alle Meister den Raum verlassen hatten. Nur Marvin stand noch da und Muldoon sah ihn von der Seite an.

“Unpünktlich”, sagte er schließlich.

“Aber gemerkt hat es keiner”, entgegnete Marvin und zuckte mit den Schultern.

“Gut dich zu sehen”, sagte Muldoon und lächelte schmal. “Du hast dich verändert.”

“Ein wenig.”

Marvin drehte sein Gesicht so, das man die Narbe nicht sehen konnte. Irgend wie war es ihm peinlich das Muldoon sie sah.

Doch Muldoon hatte sie schon gesehen und war näher gekommen.

“Die kannst du dir entfernen lassen”, sagte er nachdem er sie kurz begutachtet hatte.

“Ich denke ich behalte sie. Die Narbe erinnert mich immer daran das ich vergessen habe was du mir beigebracht hast.”

“Dazu brauchst du die Narbe nicht.”

“Mag sein, aber es ist eine Strafe für mich, ein Mahnmal.”

“Herrje warum so düster?”

“Lass mich doch. Für mich ist das ernst.”

“Ernst, hm?”

“Lassen wir das”, sagte Marvin mit leicht gespielter Empörung. “Also warum hast du mich hergeholt?”

“Als du damals wegergangen bist habe ich mir oft Gedanken gemacht was dich so rastlos macht. Hier wärest du ein hervorragender Meister geworden, aber du bist lieber weggegangen.”

“Das habe ich auch.”

“Nun, du bist zweifellos der beste Schwertmeister des Ordens. Jetzt bist du mir sicher über und ich glaube nicht das jemand hier annähernd so gut ist wie du. Und das ist das Problem. Du suchst die Herausforderung, einen Gegner der dir alles abverlangt und der dich an deine Grenzen treibt.”

“Treffer, versenkt.”

“Jedenfalls habe ich jemanden gefunden der dem entspricht.”

“Wirklich? Wem?”

“Reden wir in meinem Büro”, sagte Muldoon und deutete mit dem Kinn auf die Tür die in sein Arbeitszimmer führte.

Das Büro kannte Marvin in und auswendig. Als er selbst noch Schüler war, musste er oft hier her kommen und sich einiges anhören. Meistens weil er gegen Regeln verstoßen hatte, oder zumindest ein wenig um die Regeln herum geschippert war. Allerdings war das nie böswillig gewesen. Manchmal hatte er einfach seinen Kopf durchsetzen müssen.

Muldoon hatte es so gelassen wie es war, oder besser so wie der alte Rowan es hinterlassen hatte.

“Setz dich ruhig”, sagte Muldoon während er selbst platz nahm.

Marvin setzte sich auf einen der Stühle auf der anderen Seite und stütze sich mit einem Arm auf dem Arbeitstisch zwischen ihm und Muldoon ab.

“Genauer gesagt, sind es zwei Schüler.”

“Zwei Schüler”, wiederholte Marvin etwas skeptisch.

“Wundere dich nicht, du warst auch mal ein Schüler.”

“Stimmt schon, aber kein Schüler kann doch jetzt schon so gut sein wie ich jetzt bin. Ohne Angeben zuwollen.”

“Jetzt noch nicht, aber die beiden haben potential und ich dachte das du ihnen helfen könntest dieses Potential zu nutzen.”

“Mit anderen Worten ich soll den Meister machen, aber für Beide?”

“Das ist kein Problem. Vorrausgesetzt du traust dir das zu?”

“Hey, einen Moment mal, ich habe noch nicht zu gesagt.”

“Das musst du auch nicht. Wie gesagt, es ist nur eine Anfrage. Wenn du nicht willst kann ich dich nicht zwingen, aber du solltest darüber nachdenken.”

“Zeig mir die Beiden doch erst mal”, entgegnete Marvin.

Muldoon gab einige Befehle in die Tischkonsole ein und zwischen den beiden erschien in der Luft ein Hologramm einer Akte. Links in der Ecke war ein Bild von einem Jungen. Er hatte kurze, blonde Haare, die ihm vorne etwas in die Stirn fielen. Merkwürdigerweise kam Marvin das Gesicht des Jungen bekannt vor.

“Das ist Kyle Nate”, erklärte Muldoon.

“Nate? Ist er mit Fred Nate verwandt?”

“Ja, er ist der Ur- Enkel von Abraham Rowans Vorgänger. Das merkt man auch. Er ist ziemlich gut, allerdings wollte seine Eltern nicht das er etwas mit Schwertern oder unserem Orden zu tun hat.”

“Es war eine Explosion nicht wahr? Ich meine Meister Nates tot.”

“Ja, bei Verhandlungen. Es hat keiner der Diplomaten überlebt. Zuerst dachte Man das es eine Anschlag war, aber letztendlich war es eine kaputte Plasmaleitung in der Wand des Konferenz Raumes. Sehr tragisch.”

Ich habe ihn leider nie kennen gelernt”, sagte Marvin, “aber er war ziemlich lange Halter der Schwertkampf Meister Trophäe.”

“Ja, er war sehr gut obwohl er nicht so gut war wie du.”

“Aber der Kleine ist es?”

“Na ja, er hat bei den Test mit als Bester abgeschnitten, nur fünf punkte unter deinem Ergebnis.”

“Fünf Punkte”, wiederholte Marvin überrascht. “Nicht schlecht.”

“Wenn man bedenkt wie hoch der Abstand der anderen ist.”

“Und der zweite.”

Ein paar weiter Tastenkombinationen ließen eine andere Akte erscheinen als schwebendes Hologramm zwischen den beiden.

Der Junge auf dem Foto hatte als auffälligstes Merkmal eisblaue Augen. Seine schwarzen Haare fielen ihm seitwärts von der Stirn ins Gesicht und er wirkte ziemlich düster und distanziert.

“Sieht ja nicht grade froh aus der Bengel”, sagte Marvin und lehnte sich zurück.

“Er heißt Jack Raynor und er ist aus dem selben Waisenhaus aus dem du kamst.”

“Das alte Ding gibt es noch?”

“Freilich, aber es wird wohl nicht mehr lange da sein. Es gibt ein neues Programm in dem es um Einsparungen gibt. Vor allem in diesem Bereich.”

“Schade eigentlich. Es war ein schöner Ort.”

“Ja, jedenfalls war ich nur zufällig da, aber der Junge hat es mit einer Bande von Schlägern aufgenommen die dort herumlungerten.”

“Auch das hat sich nicht geändert.”

“Jedenfalls hat er die Kerle mit dem Stock eines Besens in die Flucht geschlagen. Aber die Art wie er mit dem Stock hantierte erinnerte mich an dich als wir uns damals trafen. “

“Ein wenig Nostalgisch, oder?”

“Vielleicht.”

“Und hat er genau so viele Punkte wie Kyle Nate?”

“Nein, wenn es hoch kommt vielleicht etwas mehr als die hälfte.”

“Ähm, so ganz verstehe ich das nicht, ich dachte er ist gut?”

“Oh, das ist er aber er hat den Test ohne wirkliches Interesse abgeschlossen. Ich denke er hat nicht wirklich gezeigt was er drauf hat.”

“Dann nutzt er mir nichts. Ich meine wenn er nicht will dann ist es doch zwecklos.”

“Deshalb möchte ich ja das du dich um ihn kümmerst. Immerhin ist es eine Ehre vom berühmten Marvin Hart alle Tricks und Kniffe zu lernen.”

“Päh, berühmt. Seid wann denn das.”

“Schon eine ganze Weile. Auch wenn du es nicht glaubst.”

“Berüchtigt hätte es wohl eher getroffen.”

“Und was sagst du?”

“Kyle Nate dürfte kein Problem werden, mit diesem Jack Raynor bin ich mir nicht sicher. Wenn er mir nicht den Anschein macht das er wirklich etwas lernen will dann kann sich ein anderer mit ihm befassen.”

“Es ist erstaunlich, ich hätte nicht gedacht das du mal so erwachsen wirst. Du redest schon wie ein Meister der duzende Schüler ausgebildet hat.”

“Sagen wir mal, ich habe eine Menge gelernt, vor allem in den letzten Jahren”, sagte Marvin ungewohnt ernst. Dann schob er allerdings ein lächeln nach. “Ich mache es, denn um ehrlich zu sein bin ich neugierig auf die Beiden geworden.”

“Das freut mich. Vor allem das du wieder hier bist. Das lässt mich schon einen großen Teil meiner Sorgen vergessen.”

“Sorgen?”

“Nun ja, Meyer setzt uns ganz schön zu. Ein Wunder das er immer noch Präsident ist.”

“Ich habe gehört er hat einige Maßnahmen gegen die Armut und die Arbeitslosigkeit eingeleitet.”

“Das hat”, nickte Muldoon schwach. “Der Bau der Pericon ist in den letzten Zügen und die neu geplanten Unterwasser Städte in Südeuropa brauchen ebenfalls enorme Zahlen an Arbeitern. Außerdem sind einige seiner Reformen nicht ganz unsinnig, allerdings trägt sich alles so da hin und was ist wenn die Pericon fertig ist? Und die Unterwasser Städte? Dann stehen wir wieder am Anfang.”

“Ich bin kein Politiker oder jemand der sich besonders darin auskennt, aber solange Meyer dafür sorgt, das alle im Moment zufrieden sind, wird man ihn wieder und wieder wählen.”

“So etwas nennt man trügerischen Frieden, entgegnete Muldoon. “Er unternimmt auch nichts um die zu unterstützen die immer noch im Urban Ground leben.”

Urban Ground.

Die nur allzu oft verschwiegene Welt unterhalb der lebenden Metropole von New York. Dort wo einst die Stadt gewesen war, vor der Flut und den Aufbauten weiter hinauf in die jetzigen höhen. Zum Teil glich das ehemalige New York einer gewaltigen Müllheide. Nur wenige Straße und alte Gebäude waren noch erhalten und einzig der ehemalige Broadway war noch immer ein belebter Platz. Dort gab es Spelunken, Kneipen und mitunter auch einige Wetthöllen. Organisiertes Verbrechen herrschte dort und nirgendwo in New York konnte sich ein Krimineller so gut verstecken wie dort. Weit ab davon, ringsum Manhattan Island lebten über Tausende von Arbeitslosen und Verwahrlosten Familien. Sie waren noch weniger als die unterste Unterschicht und hier oben, in der jetzigen Stadt New York.

Dort unten gab es nichts und wer nicht lernte sich darauf zu besinnen zu stehlen oder schlimmeres ging vor die Hunde. Die Meisten hatten jedoch nicht mal diese Wahl denn dort unten gab es tausend Mal mehr Opfer als Täter.

Marvin war selbst nur zwei mal mit Muldoon dort unten gewesen. Beide Male waren ein einprägsames Erlebnis gewesen.

“Tja, ich werde langsam alt”, nickte Muldoon wie zur Selbstbestätigung.

“Langsam”, sagte Marvin wie zur Aufmunterung. “Mach dir nichts draus. Irgendwann hat mir mal ein Freund gesagt, dass das Alter der einzige Feind ist den wir nicht besiegen können.”

“Zu dieser Zeit war dein Freund wahrscheinlich auch noch nicht alt.”

“Nein warst du nicht.”

Muldoon lächelte und lehnte sich in seinem Stuhl leicht zurück. Er war wirklich froh das Marvin wieder da war.

Eric Parker stellte seine Tragetasche auf das Bett. Es war so gut wie jedes andere und eigentlich interessierte es ihn nur das es das untere Bett war. Vor ein paar Jahren hatte er ein übles Erlebnis mit einem Etagenbett gehabt. Am liebsten hätte er das vergessen aber irgendwie erinnerte ihn jedes Bett an diese ´´Geschichte``.

Wie dem auch sei, so wie es aussah hatte er freie Auswahl. Niemand schien sich für dieses Zimmer zu interessieren. Sei es drum.

Das Zimmer war für vier Leute ausgerichtet. Zwei Etagenbetten, vier Doppelschränke, ein Tisch mit vier Stühlen in der Mitte des Zimmers. Der Tisch war festangebracht und besaß vier in den Tisch eingebaute Computer.

Mit Sicherheit zum lernen.

Kein Problem für Eric. Im lernen war er ziemlich gut. Alles andere, na ja.

Er war immer ein ordentlicher und korrekter Junge gewesen, ein vorzeige Junge.

Seine Eltern waren überrascht als er sie gebeten hatte ihn hier her zu schicken. Aber sie lehnten seine bitte nicht ab. Sie waren froh das er sich für etwas so weitreichendes wie den Orden der Crusader entschieden hatte.

Für Eric war es eine gute Entscheidung. So gut wie jedes Kind träumte davon einmal ein Crusader zu sein. Das war so wie vor vielen hundert Jahren der Wunsch zum Feuerwehrmann, Polizisten und zum Astronauten.

Aber jetzt da er hier war, nachdem er die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, wurde er sich mehr und mehr bewusst das alles hier nicht so einfach werden würde wie es am Anfang schien.

Mit einem zischen Glitt die Tür auf und ein Junge trat ein.

Er war mindestes einen Kopf größer als Eric selbst. Schwarze Haare und ziemlich einschüchternde blaue Augen.

“Äh Hi”, sagte Eric.

“Ist hier frei”, fragte der Junge.

“Ja”, entgegnete Eric. “Drei Betten, du hast freie Auswahl.”

Der Junge ging zu der anderen Seite und warf einen alten Seesack auf das Obere Bett. Dann ging er zum nächst gelegenen Schrank hinüber und machte ihn auf. Natürlich war er leer, aber der Junge betrachtete das innere trotzdem Intensiv.

“Mein Name ist Eric Parker”, räusperte sich Eric vorsichtig.

Der Junge sah über sein Schulter und musterte Eric. Sein Blick verriet ein großes Maß an Desinteresse. Es war fast ein Schlafzimmerfensterblick, aber seine blauen Augen waren ziemlich durchdringend. Dann wandte er sich wieder ab.

Eric kratzte sich am Hinterkopf. Ein merkwürdiger Kerl.

“Jack”, sagte er plötzlich und Eric zwinkerte überrascht.

Eigentlich hatte er mit keiner Antwort gerechnet. Anscheinend war er doch nicht so verkehrt.

“Kommst du auch von der Erde, oder bist du vom Mond?”

Im nächsten Moment bereute Eric die Frage. Heutzutage war diese Frage nicht einmal unhöflich, denn schließlich war der Mond kolonisiert worden und auch einige Crusader kamen von dort.

Trotzdem konnte diese Frage missverstanden werden.

“Von der Erde”, sagte Jack und sah Eric dann an. “Ich bin kein Typ für solche Gespräche.”

Das war alles. Er begann damit seinen Seesack auszupacken.

Okay, das war jetzt ein Dämpfer. Na ja, es hätte auch schlimmer sein können.

Wenigstens hatte er einen ruhigen Zimmerpartner. Besser als jemanden der laut und aufdringlich war.

“Hallo”, sagte plötzlich jemand.

Eric war so in Gedanken das er nicht gehört hatte das die Tür aufgegangen war. Ein Junge, nur ein wenig größer als er selbst, mit blonden Haaren und einem munteren lächeln auf den Lippen.

“Mein Name ist Kyle, Kyle Nate, ist hier noch frei?”

“Ja, klar. Ich bin Eric Parker”, er wandte sich zu Jack um, der sein Sachen in den Schrank räumte. “Das ist Jack.”

“Hi”, sagte Kyle in Jacks Richtung.

“Hallo”, entgegnete dieser tonlos und ohne sich umzudrehen.

Kyle sah zu Eric hinüber und zog eine Grimase während er in die Richtung von Jack nickte.

“Wo liegst du”, fragte er dann.

“Da drüben.”

“Unten?”

“Ja?”

“Dann werde ich das Bett darüber nehmen.”

Er warf seinen Rucksack auf das Bett über dem von Eric, dann drehte er sich um und streckte sich.

“Endlich, ich konnte es schon nicht mehr erwarten das es endlich los geht. Aufregend nicht wahr?”

“Hm, äh ja”, sagte Eric dem bewusst wurde das er zwei absolut unterschiedliche Zimmernachbarn bekommen hatte.

Das war ja an sich auch nicht schlecht, solange das keine Streitigkeiten auslöste. Grade bei zwei soll unterschiedlichen Charakteren konnte das ziemlich schnell der Fall sein.

“Irgendwie wollte ich das schon immer machen”, fuhr Kyle fort. “Bei den Crusadern sein und so.”

“Ja, ich auch”, sagte Eric.

“Meine Eltern wollten mich eigentlich nicht her schicken. Aber jemand vom Tempel war der Meinung das ich wegen meines Urgroßvaters bestens geeignet sei.”

“Dein Urgroßvater?”

“Der war mal Großmeister hier.”

“Cool, aber warum wollten deine Eltern dich dann nicht hier her schicken?”

“Na ja, mein Großvater hatte einen Unfall und sie haben angst, das es mir genau so geht.”

“Und du bist trotzdem hier?”

Kyle zuckte mit den Achseln.

“Passieren kann mir überall etwas, aber das hier wollte ich immer schon mal erleben.”

“Das stimmt wohl.”

Wieder ging die Tür auf und diesmal stand ein Junge da der noch einen ganzen Kopf kürzer war als Eric.

Der Junge sah sich unsicher um und als er merkte das Kyle und Eric ihn musterten schlug er die Augen zu Boden.

“Hallo”, sagte Kyle. “Suchst du nen Schlafplatz?”

“Ich... Ähm.... Ich”, stammelte der Junge fast unverständlich.

“Hier ist noch ein Platz frei”, sagte Eric und deutete in die Richtung von Jack.

“Danke”, sagte der Junge und vermiet es den Beiden in die Augen zu sehen, während er zu Jack hinüber ging.

“Einen Moment”, sagte Jack ohne den Jungen weiter zu beachten.

Er hatte seine Sachen komplett in den Schrank geräumt und trat jetzt beiseite um den Jungen an sein Bett zu lassen. Dann wuchtete er sich auf das obere Etagen Bett.

Leicht verunsichert stellte der Junge seine Tragetasche auf das Bett und setzte sich daneben.

Kyle warf Eric einen fragenden Blick zu, doch der konnte nur mit den Schultern zucken und musterte den Jungen jetzt genauer.

Erst hatte er gedacht, das der Junge sehr blonde Haare hatte. Jetzt merkte er erst das sie in der tat schneeweiß waren. Die Frisur war, so fern vorhanden recht eigenwillig und langweilig. Volles Haar mit Fransen in die Stirn und weit in den Nacke fallend. Er war auch ziemlich blass. Ansonsten hatte er ein sehr feines und schmales Gesicht, jedenfalls das was man davon sah wenn er den Kopf so hängen ließ.

Eric hatte noch nie jemanden gesehen der für ihn den Ausdruck: ``Unglücklichster Mensch der Welt´´, mehr gegolten hatte.

“Mein Name ist Kyle, das ist Eric und der über er heißt Jack. Wie heißt du?”

“Irvin Creev”, sagte der Junge ohne Kyle anzusehen.

“Du brauchst nicht nervös sein”, lächelte Kyle. “Wir fressen dich nicht auf, jedenfalls ich und Eric nicht, was mit Jack ist na ja wer weiß.”

Falls Kyle auf eine Reaktion von Jack gewartet hatte, so blieb diese aus.

“Welchen Schrank willst du”, fragte Kyle Eric und deutete auf die beiden Schränke neben ihrem Etagen Bett.

“Ist mir egal”, sagte Eric.

“Was heißt ist mir egal”, sagte Kyle und boxte Eric gegen die Schulter. “Sag welchen du willst.”

“Au, schon gut ich nehme den Neben dem Bett.”

“Schade, den wollte ich eigentlich haben.”

“Tja Pech, jetzt ist es meiner”, grinste Eric.

“Geht doch”, nickte Kyle und ging zu seinem Schrank hinüber.

Alles in allem war Eric froh. Wenigstens einer seiner Mitbewohner schien ein normaler Typ zu sein. Wahrscheinlich würden sich die anderen Beiden auch noch ein wenig einfügen. Alles in allem hätte es auch schlimmer kommen können.

Am liebsten wäre er gleich ins Bett gefallen. Den ganzen Tag war er herumgelaufen und das fühlte er jetzt auch. Verdammt, so alt war er doch noch gar nicht. Nicht mal vierzig, noch lange nicht und trotzdem fühlte er sich wie ein alter Mann. Entschuldigend konnte man sagen, das er seit vielen Tagen nur unermüdlich auf den Beinen war. Das hatte die Beförderung mit sich gebracht, sofern man es Beförderung nennen konnte.

Bis jetzt hatte sein neuer Aufgabenbereich noch keine positiven Seiten gehabt.

Mit geschlossenen Augen lehnte sich Richard Tarbrow in seinem Sessel zurück. Die untergehende Sonne, die durch das halb geöffnete Rollor in das Zimmer fiel tauchte alles in ein Meer aus rot und orange.

Auf Tarbrowas Arbeitstisch tanzte eine Aspirin Tablette einen lustigen Tanz, während Millionen kleiner Blässchen um sie herum entstanden um dann an die Oberfläche zu treiben.

Mit Ausnahme des zischenden Wassers war Tarbrows ruhiger Atem das einzige Geräusch im Zimmer. So saß er die letzten Monate oft da, wenn der Tag zu ende ging.

Er brauchte diesen Moment der Ruhe und er genoss ihn.

Seit einem halben Jahr war er jetzt nicht mehr Abgeordneter der Stadt New York. Sein neuer Arbeitsplatz war jetzt die des Assistenten des Innenministers der Erde.

Das klang Wahnsinnig wichtig, aber im Enteffekt war er nur damit beschäftigt sich mit Abgeordneten der anderen Stadtstaaten zu treffen und sich mit ihnen zu beratschlagen.

Feldarbeit wenn man so wollte. Morgens und Mittags war er rund auf der Welt unterwegs und abends war er wieder hier.

Sehr schwere Zeitumstellung.

Sein vorgesetzter Berin Fideler war ein netter und angenehmer Mann, anders als Meyer, der immer noch Präsident der Erde war. Etwas völlig seltsames.

Zwar hatte Meyer einige Dinge die Erde betreffend in klare Bahnen gelenkt, aber jeder der nur ein wenig weiter sehen konnte als bis zum Tellerrand, wusste das dies alles nur kurzfristige Lösungen waren.

Jetzt, wo das Projekt: Pericon bald abgeschlossen war würde es wieder enorme Anstiege in der Arbeitslosenrate geben.

Allerdings war Tarbrow selbst nicht von der allgemeinen Lage betroffen. Von der politischen Seite gesehen.

Seine Aufgaben lagen weit von denen der Weltpolitik entfernt, aber das machte ihm nichts. Tarbrow reichte das auch erst mal.

Meyer wurde anscheinend immer unausstehlicher. Fast niemand aus seinem näheren Umfeld hielt es lange bei ihm aus. Angeblich hatte er einen Minister so runtergeputzt das dieser zurückgetreten war.

Da gefiel Tarbrow seine jetzige Arbeit im Hintergrund besser. Oft arbeitete er mit Grant Duran dem Assistenten des Außenministers Simian Fletcher zusammen.

Duran und er hatten viel gemeinsam, auf politischer Ebene. Trotzdem war Tarbrow zuweilen der Scharfsinnigere von beiden.

Die Lampe für Anrufe blinkte im halbdunkel rot auf. Dazu gesellte sich ein leiser Summton.

Tarbrow öffnete die Augen und setzte sich kerzengrade vor den Tisch bevor er die Taste für den Audikanal öffnete.

“Hallo”, sagte er. “Sie sprechen mit Richard Tarbrow, Assistent des Innenministers. Was kann ich für Sie tun?”

“Guten Abend Mr. Tarbrow”, meldete sich eine Stimme die er zu erst nicht einordnen konnte. “Wir haben Sie heute vermisst.”

Es dauerte nur eine Sekunde bevor Tarbrow wusste wer ihn angerufen hatte.

“Guten Abend Meister Muldoon”, sagte er. “Entschuldigen Sie, es war mir ganz entfallen das die neuen Schüler heute ankommen. Momentan habe ich einfach ziemlich viel um die Ohren.”

“Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Ihr neuer Job bringt einige Arbeit mit sich, das ist mir bewusst. Trotzdem würde ich mich freuen Sie wieder hier im Tempel begrüßen zu können. Es ist ja nun fast ein Jahr her seit dem Sie hier waren.”

“Ich werde gerne einmal hereinschauen wenn ich etwas Zeit erübrigen kann.”

“Tun Sie das bitte”, entgegnete Muldoon. “Nur wenige Politiker haben je so ein reges Interesse für unseren Orden gezeigt wie sie. In diesen Zeiten ist das sehr erfreulich.”

“Danke das weiß ich zu schätzen. Ehrlich gesagt finde ich es bedauerlich das sich nicht mehr Politiker dafür interessieren was der Crusader Orden für die Erde getan hat.”

“Das wird sich eines Tages ändern”, sagte Muldoon zuversichtlich. “Ich möchte Sie jetzt auch nicht weiter stören. Einen schönen Abend noch.”

“Den wünsche ich Ihnen auch”, entgegnete Tarbrow.

Die Übertragung wurde beendet.

Kurz bevor Abraham Rowan den Orden und die Erde verlassen hatte, wurde Tarbrow mit Fargos Muldoon bekannt gemacht. Ähnlich wie Rowan besaß Muldoon ein gewaltiges Charisma so das man in einfach Sympathisch finden musste.

Das wirkte bei allen bis auf Meyer, der vom ersten Tag an Spinnefeind mit Muldoon war. Das war aber nichts ungewöhnliches. Der einzige Mensch den Meyer mochte war er selbst, obwohl Tarbrow auch das einige Male in Zweifel gezogen hatte.

Er war wirklich froh das er seine Ruhe vor Meyer hatte. Wirklich froh. Zwinkert sah er noch einmal aus dem Fenster und schloss dann die Augen.

Es war ein milder Abend und ein, nur leichter Wind raschelte sacht am Laub der Bäume. An solchen Abenden bot der Teil des Tempelkomplexes der aus Natur bestand ein wunderschönes Szenario. Die Wälder und Wiesen waren in Rot getaucht, so etwas wie ein lebendiges Gemälde.

Min Tiros lies es sich nicht nehmen auf dem Weg zur Unterkunft der Schüler einen Moment stehe zu bleiben und sich dieses Schauspiel anzusehen.

Natürlich war das nicht das erste Mal aber an diesem Anblick konnte Min sich einfach nie satt sehen.

Vor allem dann nicht wenn das Rot der Abendsonne auf den See traf der von hier aus noch zu erkennen war.

Solche Abende gaben Min immer ein gewisses Gefühl der Ruhe und des Friedens, jedenfalls hier auf dem Gelände des Tempelkomplexes. Draußen sah es leider an der aus.

Die Stimmung der Bevölkerung war selten gut und grade die Leute die sich gegen eine weitere Eingliederung von Extraterresten drängten gewannen immer mehr Zuhörer.

In den letzten Wochen war es wiederholt zu Zwischenfällen gekommen, bei denen die Läden von Extraterresten durch Randalierer zerstört worden waren.

Seit dem waren die Polizeikräfte von New York ständig auf der Hut vor weiteren Übergriffen und dementsprechend präsent.

Wenigstens blieben die Schüler hier drin von dem ganzen Irrsinn verschont. In den nächsten Wochen würden sie nämlich nicht hier herauskommen, da die Ausbildung verlangte das die Schüler sich intensiv vorbereiteten und auf jede Art von Ablenkung verzichteten.

Das war, so wusste Min es selbst, nicht unbedingt immer einfach. Doch das würde schon werden. Der Anfang war immer schwer, dann wurde es immer leichter und am Ende war es am schwersten.

Sie setzte ihren Weg zu der Unterkunft fort.

Der quadratische Bau der sich hinter der Sporthalle und dem Trainingsfeld befand, war eines der neueren Gebäde auf dem Gelände. Min selbst war damals in der zweiten Generation von Schülern gewesen die dort wohnten.

Davor hatte der Platz im Hauptgebäude und den wenigen Nebengebäuden gereicht um alle Crussader unterzubringen. Doch mit der Zeit waren es so viel geworden, das es nötig war die Schüler separat unter zubringen.

Fragte sich nur wie lange das noch so sein würde. Die an die Schüler gestellten Erwartungen in den Eignungstests wurden immer weniger erfüllt und die Schülerzahl wurde immer geringer. Zu Mins Zeiten waren es in einer Schülergeneration noch zwischen zweihundert oder dreihundert Jungen und Mädchen. Jetzt war es grade mal knapp einhundert.

Vielleicht würden es künftig noch weniger werden, vielleicht war es nur ein schlechter Jahrgang oder irgendwas anderes.

Mit einem tiefen Ein- und Ausatmen stieß Min diese Fragen von sich und öffnete die Tür.

Die Unterkunft hatte nur eine Etage und war in vier Abschnitte aufgeteilt.

Den Nord- , den Ost- , den Süd- und den Westflügel. Der Nord- und der Ostflügel waren für die Jungen und der Süd- und der Westflügel für die Mädchen gedacht. In der Mitte befand sich eine Art von Pausenraum. Das einzige Zimmer in diesem Gebäude in dem sich Jungen und Mädchen zusammen aufhalten durften. Es wurde zwar nicht überwacht, aber ab und an machte ein Meister seine Kontrolle in dem Komplex und ein Verstoß konnte schwere Folgen haben.

Min musste schmunzeln wenn sie daran dachte wie oft sie mit Marvin und Duke bis in den späten Abend zusammen in ihren Zimmern zusammen gesessen hatte.

Es war schön das Marvin wieder da war.

Zuletzt hatten sie einander von Angesicht zu Angesicht vor dreizehn Jahren gesehen aber sie hatte sofort wieder dieses Gefühl tiefster Sympathie empfunden als er vorhin aufgetaucht war. Ohne ihn war es ziemlich einsam gewesen.

Zwar war Duke noch immer hier, aber er hatte im Fuhrpark soviel zu tun das sie sich nicht so oft sahen. Abgesehen davon hatte sie selbst ziemlich viel zu tun. Immerhin war sie eine der Lehrerinnen für die Schüler und außerdem wurde sie in das Konzil aufgenommen.

Min konnte leise Stimmen aus den Zimmern hören und für einen Moment fühlte sie sich wieder wie damals als sie fünfzehn war. Sie sah sich selbst als Mädchen wie sie hier gestanden hatte, ängstlich wegen ihrer extrem weißen Haut, etwas das sie Zeitlebens von allen unterschieden hatte. Dann war sie hier auf Marvin getroffen. Das erste mal. Einer der Meister hatte ihn hier hergebracht weil er sich mit einem Zimmernachbarn gestritten hatte. Erst hatte er sie angestarrt. Sie dachte es wäre wegen ihrer Haut doch dann sagte er etwas was ist nicht vergessen hatte. Nicht in all den Jahren.

“Scheint das ich nicht der Einzige bin der hier ärger macht.”

Min drehte sich um und sah Marvin in der Tür stehen. Es war nicht der kleine Marvin von damals, sondern der erwachsene Marvin. Es war ein schöner Moment der Vergangenheit, doch jetzt war Min wieder eine Frau und kein Mädchen mehr. Sie sah Marvin verkniffen an.

“Doch, du warst immer der Einzige der ärger gemacht hat.”

“Das halte ich für eine völlig haltlose Behauptung”, lächelte Marvin und sah sich um. “Kommt mir alles sehr klein vor hier.”

“Aber es steckt alles voll Erinnerungen.”

“Stimmt”, nickte Marvin und sah sie dann an. “Du siehst gut aus.”

“Schmeichler, ich hätte nicht gedacht das du mich überhaupt noch erkennst.”

“Hey ich werde doch wohl meine beste Freundin erkennen”, sagte Marvin leicht empört.

“Du schmeichelst schon wieder”, entgegnete Min und tippte Marvin mit dem Zeigefinger gegen die Stirn.

“Lass mich doch wenn es stimmt.”

Sie fuhr langsam mit dem Finger seine Narbe entlang und machte ein mitfühlendes Gesicht.

“Was ist passiert?”

“Ein Andenken.”

“Andenken?”

“Ja, an einen Fehler.”

“Wie dramatisch.”

“Ich könnte auch sagen ich habe mich zu sehr in Sicherheit gewogen und den Preis dafür bezahlt, allerdings hört sich das Andere etwas einfacher an.”

“Ich weiß nicht, du bist irgendwie immer noch ganz wie früher, gar nicht erwachsen.”

“Ich bevorzuge es einfach nur groß zu werden.”

“Das bist du jedenfalls geworden.”

“Wie sieht es aus, wann bist du hier fertig? Ich würde dich und Duke gerne noch ein wenig sprechen.”

“Ich bin wohl noch eine Weile beschäftigt. Duke wird irgendwo im Fuhrpark sein. Wo wirst du einquartiert?”

“In Fargos alten Zimmer. Es steht frei seit dem er Großmeister geworden ist. Er hat es für mich herrichten lassen.”

“Dann komme ich dahin wenn ich hier fertig bin.”

“Gut, wir werden dort warten”, sagte Marvin und ging dann zur Tür.

Bevor er hinaus ging drehte er sich noch einmal kurz um.

“Viel Glück”, sagte er und verschwand dann nach draußen.

Min sah sich noch einmal um und wurde sich bewusst das sie wirklich viel zu schnell erwachsen geworden war.

Kyle nickte zufrieden als er seinen Schrank begutachtete. Alles war sorgfältig eingeräumt und zeugte von einer guten Organisation.

“Wow”, sagte Eric.

Er war neben Kyle getreten und sah sich staunend den Schrankaufbau an.

“Nicht wahr”, grinste Kyle.

Er liebte es wenn er jemanden positiv überraschen konnte. Das gab ihm immer ein Gefühl der Erhabenheit. Nicht das er besser sein wollte, aber er hatte auch nichts dagegen wenn die Anderen ihn für besser hielten.

Nun gut, hier schien nur Eric von ihm beeindruckt zu sein. Ein netter Kerl, so fand Kyle. Die anderen beiden waren für Kyle schwierig einzuordnen. Jack schien nicht viel Älter als die anderen hier, aber er war irgendwie enorm distanziert und wirkte sehr in sich gekehrt.

Und Irvin? Er war sehr schüchtern, fast ängstlich.

Na ja wenn sie sich erst einmal besser kennen würden, dann würden sie sich schon gut zusammenraufen. Kyle konnte es gar nicht abwarten bis es los ging. In gewisser weise war er vorbelastete. Einer seiner Großväter war ein Crusader gewesen. Sogar Großmeister. Das hatte Kyle schon immer fasziniert und mit dem bestehen der Prüfung ging für ihn ein Traum in Erfüllung.

Am liebsten wäre er schon jetzt ein echter Crussader, aber er stand noch ganz am Anfang. Immerhin hatte er schon die besten Testergebnisse gehabt. Äußerst aufbauend.

Plötzlich hallte eine Stimme vom Flur wieder.

“Alle Schüler bitte zum Haupteingang kommen.”

Irvin zuckte Zusammen, als Jack mit einem Satz von seinem Bett herunter sprang und direkt neben ihm stand.

Der Junge war einfach viel zu nervös. Fragt sich nur warum? Aber das würde sich schon legen.

Sie verließen das Zimmer und gingen in Richtung des Haupteinganges an dem schon einige andere Schüler warteten. Direkt an der Tür stand eine Frau mit schwarzen Haaren und einer fast Schneeweißen Haut. Sie hatte ein freundliches Gesicht und versuchte das Geschehen zu überblicken. Anscheinend zählte sie die Schüler.

“Hallo”, sagte sie schließlich als alle versammelt waren. “Mein Name ist Meisterin Min Tiros. Ich werde eure Lehrerin im Fach Meditation sein. Das hört sich vielleicht nicht besonders an, aber die Meditation ist die Grundlage für eure Fähigkeiten mit dem Schwert. Aber dazu mehr wenn wir übermorgen die erste Stunde haben. Heute Abend möchte ich euch ein wenig mit dem Gelände bekannt machen. Es ist ziemlich groß und selbst die für euch wichtigen Bereiche sind anfangs nicht leicht auseinander zuhalten. Allerdings bin ich mir sicher das ihr euch schnell zurecht finden werdet.”

Meisterin Tiros deutete auf die Tür und ging dann los. Die anderen folgten ihr.

“Das wird bestimmt nicht so einfach”, sagte Eric der neben Kyle ging. “Das Gelände ist ganz schön groß.”

“Überall werden wir sowieso nicht hin dürfen”, erwiderte Kyle.

Er sah sich um. Eine menge Schüler standen hier herum. Es war ihm gar nicht aufgefallen das es so viele Schüler waren.

Meisterin Tiros erzählte grade etwas über die Übungshalle.

Kyle sah sich um, wobei er ein wenig seitwärts ging und gegen jemanden stieß. Sofort drehte er sich um und flüsterte ein: “Entschuldigung.”

“Keine Problem”, antwortete das Mädchen das er angerempelt hatte.

Sie hatte lange, braune Haare und dunkelblaue Augen und Kyle musste sich förmlich zwingen den Blick von ihr zu lassen.

Doch Meisterin Tiros führte die Führung fort.

Sie gingen den größten Teil der Bereiche mit den Gebäuden ab und auch wenn Kyle ab und an mit Eric redete versuchte er immer wieder einen Blick auf das Mädchen von vorhin zu erhaschen, allerdings war sie in der Menge verschwunden und so sehr er sich auch bemühte er konnte sie nicht wieder finden.

Es war schon ziemlich dunkel als sie wieder vor den Unterkünften standen. Allerdings waren überall gedämmte Lichter angebracht die ein schwaches Licht auf den gepflasterten Weg warfen. Alles wirkte sehr beruhigend und strahlte eine gewisse Gemütlichkeit aus.

“So”, sagte Meisterin Tiros und trat neben die Eingangstür. “Ihr könnt jetzt auf eure Zimmer gehen oder noch ein wenig im Gruppenraum bleiben. In einer Stunde ist Nachtruhe. Dann seid ihr bitte auf euren Zimmern und macht das Licht aus. Des weiteren ist es nicht gestattet das Jungen auf die Mädchenzimmer gehen und umgekehrt. Ein Meister wird zu Schlafenszeit einen Kontrollgang machen. Morgen früh trefft ihr euch alle hier, punkt sieben Uhr und werdet dann zum Frühstück gebracht. Nach dem Frühstück geht ihr bitte wieder auf eure Zimmer und wartet auf bis ein Meister zu euch kommen wird. Irgendwelche Fragen?”

“Hier”, rief ein Mädchen mit kurzem, roten Haar und schwenkte die Hand in der Luft.

“Bitte”, erwiderte Meisterin Tiros.

“Wie viele Stunden werden wir insgesamt haben?”

“Für den Anfang sind es acht Stunden.”

“Werden wir getrennt oder alle zusammen unterrichtet?”

“Zunächst alle zusammen, später getrennt.”

Das Mädchen hatte noch eine ganze Menge fragen und Meisterin Tiros musste die Beantwortung schließlich auf den nächsten Tag verlegen, da sie sonst noch bis in den Morgen da gestanden hätten.

“Gut, dann wünsche ich euch eine Angenehme Nacht.“

Fast im Chor entgegneten die Schüler diesen Wunsch. Dann ging Meisterin Tiros in Richtung des Hautgebäudes davon.

Kyle wollte noch eine Moment am Eingang warten, doch Eric zog ihn mit. Das war auch nicht so schlimm. Er würde das Mädchen sicher noch einmal wiedersehen. Dazu gab es noch genügend Gelegenheiten. Eric hatte auch Irvin aus der Menge gezogen, der mit der ganzen Situation etwas überfordert zu sein schien.

Zu dritt machten sie sich auf den Weg zurück zu ihrem Zimmer.

Als sie eintraten lag Jack schon auf seinem Bett und schien zu schlafen.

“War er überhaupt mit”, fragte Kyle und setzte sich auf einen der Stühle am Tisch.

“Gesehen habe ich ihn nicht”, erwiderte Eric und ließ sich auf sein Bett sinken.

“Ich auch nicht”,fügte Irvin hinzu.

Langsam schien er sich auch beteiligen zu wollen, blieb aber leicht unsicher vor seinem Bett stehen.

Nach kurzem zögern ging er zu seinem Schank und wechselte seine Klamotten zum Schlafanzug und legte sich dann ins Bett.

“Ich glaube ich werde auch schlafen gehen”, gähnte Eric und wechselte ebenfalls seine Kleidung.

“Irgendwie bin ich noch nicht so richtig müde”, entgegnete Kyle.

Was er jedoch nicht sagte war das er immer noch an das Mädchen von vorhin denken musste.

“Ich bin auf morgen gespannt”, sagte Eric und ließ sich auf sein Kissen sinken. “Wird bestimmt aufregend.”

“Bestimmt”, sagte Kyle und begann sich nun auch fürs Bett fertig zu machen.

Er schloss seinen Schrank, warf noch einen Blick aus dem Fenster und kletterte dann auf sein Bett.

“Licht aus”, sagte Jack zur Überraschung von Kyle und Eric.

Der Computer der das Zimmer überwachte reagierte augenblicklich und löschte das Licht.

Es wurde dunkel und alle schliefen schnell ein.

Bis auf Irvin.

Es dauerte noch eine Stunde in der er nur auf das leise Atmen der anderen drei achtetet. Dann schlief auch er ein.

Marvin hatte grade die letzten seiner Sachen in die Schränke geräumt als der Türbuzzer dezent summte.

“Herein”, rief er und die Tür glitt zur Seite.

“Hey Alter”, sagte Duke mit einem breiten grinsen als eintrat.

Er war ziemlich groß und musste deshalb den Kopf einziehen. Marvin hatte nicht erwartet das sein alter Freund noch so in die Höhe schießen würde. Er wirkte wie ein Ringer und ein Vollbart zierte sein Gesicht.

“Hab gedacht Min hät mir was vorgesponnen als sie sagte du wärst wieder hier”, sagte er und legte Marvin zum Gruß die Hand auf die Schulter.

Zwar war Marvin selbst auch nicht grade der schwächste aber er spürte deutlich das Gewicht von Dukes Arm.

“Ein Bart”, fragte Marvin und zog eine Augenbraue hoch.

“Hab lange drüber nachgedacht”, lächelte Duke. “Wirke irgendwie reifer damit, findest du nicht?”

“Reifer? Seit wann brauch ein Riese wie du einen Bart um Reifer zu wirken?”

“Na ja hat sich eben so ergeben. Aber erzähl ma wie’s dir so ergangen is.”

“Ich hab viel gesehen, aber jeden Tag wurde mir bewusst das es nur ein kleiner Teil von etwas großem ist. Trotzdem bin ich schon an Orten gewesen die mir so fremd waren wie nur irgendwas und ich war an Orten die mir wie die Erde vorkamen.”

“Das Weltall ist also spannend, hm?”

“Ungemein.”

“Wollte Min auch noch kommen? Du sagtest so was.”

“Sie muss noch mit den Schülern die Geländebegehung machen. Danach wollte sie kommen. Das müsste jetzt bald sein. Setz dich doch erst mal.”

“Danke, ich war heute den ganzen Tag auf den Beinen. Wir haben Besuch und das Transportschiff war in nem Miesen zustand.”

“Besuch von wo?”

“Aussem Tegal System.”

“Tegal System? Haben die dort nicht ein Piraten Problem?”

“Ja, was denkst du warum das Schiff in einem schlechten Zustand war? Die Panzerung war ganz schön mitgenommen und wenn die Schutzschilde nicht gewesen wären sähe es noch schlimmer aus.”

“Ich nehme mal an das die Abgeordneten aus dem Telgal System genau deswegen hier sind.”

“Wer hat was von Abgeordneten gesagt?”

“Niemand, aber was wäre nahliegender als ein Prozession um über dieses Problem zu reden. Selbst in Systemen die ein Paar Monate von der Erde entfernt liegen und erstrecht noch länger vom Tegal System redet man von diesen Piraten.”

“Na ja, is schon ne schlimme Sache aber so was gibt’s doch immer irgendwo.”

“Mag sein, aber das diese Piraten greifen auch Patroullienschiffe an und anscheinend auch Diplomatentransporter.”

“Und was hat das zu sagen?”

“Einiges, aber lassen wir das. Ich fülle mich schon als würde ich hier im Konzil sitzen.”

“Arbeit und Freizeit trennen”, nickte Duke. “Ist besser so.”

Der Türbuzzer summte und Duke und Marvin sahen zur Tür.

“Herein”, sagte Marvin und die Tür schob sich auf.

“Da bin ich endlich”, sagte Min als sie eintrat. “Hat leider etwas länger gedauert.”

“Macht nichts”, entgegnete Marvin. “War ja nicht abzuwenden.”

“Abzuwenden? Ich habe mich freiwillig gemeldet.”

“Min ist doch jetzt im Konzil”, sagte Duke und bis sich auf die Lippe als Min ihn ärgerlich ansah.

“Ach”, räusperte sich Marvin. “Davon hast du gar nichts erzählt.”

“Wollte ich noch”, erwiderte Min trotzig.

“Tut mir leid”, entschuldigte Duke sich.

“Halb so wild”, sagte Marvin. “Ob so oder so, erfahren hätte ich es ehe. Wie dem auch sei, ich wollte von euch erst einmal wissen was sich hier so verändert hat und vor allem wer für was verantwortlich ist.”

“Hm, was gibt es da zu erzählen”, sagte Min und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. “Die Leitung über die Schüler hat Emilia Cinderdrake.”

“Der Drache”, seufzte Marvin. “Das sie immer noch hier ist.”

“Meisterin Cinderdrake wird uns noch alle überleben”, sagte Duke und kratzte sich am Kinn.

“Stellvertretender Leiter ist Orkus Meldorn”, fuhr Min fort und stockte als Marvin die Stirn kraus zog.

“Damit hätte ich nicht gerechnet”, sagte er langsam.

“Meldorn war schon immer scharf auf den Posten des Leiters. Das er sich dazu herab lässt nur den Stellvertreter zu machen, ist mir auch ein Rätsel”, entgegnete Min.

“Vielleicht will er sich erstma hocharbeiten”, wandte Duke ein.

“Sicher”, erwiderte Marvin. “Meldorn war schon immer ziemlich düster.”

“Das sagst du nur weil du ma ärger mit ihm hattest”, grinste Duke.

“Er ist ein Großer, so wie Rowan und Muldoon, allerdings wurde er nicht so beachtet wie die Beiden und ich glaube auch nicht das er irgendwann Großmeister des Crussader Ordens wird”, sage Min.

“Habt ihr auch was zu tun?”

“Technischer Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene”, sagte Duke stolz.

“Hör bloß auf”, seufzte Min. “Seit Monaten liegt er mir schon damit im Ohr.”

“Hät mir ja auch keiner Zugetraut”, schnappte Duke.

“Quatsch”, sagte Marvin. “Wir wissen das du ziemlich clever bist, wenn du willst.”

“Nur meist willst du nicht”, fügte Min hinzu. “Wenn ich an deine Noten denke.”

“Hey das is nun aber schon ne weile her.”

“Stimmt”, sagte Min, “aber das wird dich immer verfolgen.”

“Dafür werden wir sorgen.”

“Schöne Freunde habe ich mir da ausgesucht.”

“Machst du auch was”, fragte Marvin Min um das Thema zu wechseln.

“Meditation.”

“Das passt.”

“Was soll das denn heißen?”

“Nichts.”

“Ja, ja, als ob ich nicht wüsste was du meinst.”

“Nein wirklich, das passt.”

“Jedenfalls sind die Dinge ziemlich straff gespannt. Also ich meine damit, das viele es nich gut fanden das Meldorn einen solchen Posten gekriegt hat. Du weißt das viele ihn nicht mögen.”

“Trotz das er wirklich gut mit dem Schwert umgehen kann”, fügte Min hinzu.

“Genies werden zu Lebzeichen immer verkannt”, sagte Marvin Und strich sich mit der Hand durchs Haar. “Das ist leider eine Tatsache.”

“Ein Genie? Na ich weiß nich.”

“Wie gesagt, er ist ein Großer und im Schwertkampf überragt er wahrscheinlich auch Muldoon und den alten Rowan.”

“Glaubst du das wirklich?”

“Ich bin mir sicher.”

Mehr sagte Marvin darüber nicht und Min und Duke fragten ihn auch nicht weiter. Den Rest des Abends erzählte Marvin von einigen Welten auf denen er war und von den Dingen die er dort erlebt hatte. Es wurde schon morgen als die drei sich trennten und sich jeder auf den nächsten Tag vorbereitete.

Meister Vern Treep seufze als er an diesem Morgen auf den Hof trat. Diese war sein Jahr, sein letztes Jahr. Er war alt und wurde sich dessen immer mehr bewusst. Es war für ihn nicht mehr so nötig wie früher nachts die Partein zu überwachen die versuchten die Crussader zu bedrohen, aber manchmal versuchte er sich noch in seinen alten Disziplinen.

Dadurch wurde er sich mehr den je bewusst das er endlich jemanden brauchte der ihn ablösen konnte. Seit Abraham Rowan den Orden verlassen hatte, war Treep immer wieder der Auswahl eines Nachfolgers aus dem Weg gegangen.

Jetzt ging das nicht mehr. Deshalb musste er auch jetzt zu Muldoon. Es war immer Site einen Schüler zur Ausbildung zur übernehmen. Vielleicht war dieses mal jemand brauchbares dabei.

Da kamen ihm die Schüler auch schon entgegen. In geordneten Reihen folgten sie einem Meister in Richtung des Speisesaals.

Gut, was hiess schon Speisesaal, eigentlich war es mehr so eine Art Kantine.

Der Meister grüßte Treep und dieser grüßte zurück. Einige der Schüler sahen Treep an und grüßten ebenfalls.

Die glücklichen.

Sie waren noch jung und hatten noch so vieles vor sich. Er hingegen musste sich langsam darauf vorbereiten entgültig abzutreten. Mit seinen über achzig Jahren war er der älteste aktive Crussader überhaupt.

Heute morgen hatte er, als er in den Spiegel geschaut hatte, feststellen müssen das er längst nicht mehr der Mann war der er einmal gewesen war.

Er hatte einiges angesetzt, an Pfunden und sein Haar war graumeliert, trotz das er noch seinen kurzen Zopf und seinen Bart hatte. Immerhin hatten die meisten Leute seines alters noch nicht einmal das.

All dies grämte ihn jedoch nicht. Man konnte machen was man wollte das alter holte einen immer ein.

Trotzdem musste er innerlich lächeln als ein paar Meister und Novizen erstaunt dreinblickten als er die Wendeltreppe zu den oberen Stockwerken doch recht behände und leichtfüßig erklomm und sogar seine Fordermänner überholte.

Muldoon saß hinter seinem Schreibtisch als Treep eintrat. Er hatte wirklich enorme Ähnlichkeit mit Rowan. Gut, sein Bart war kürzer und seine Frisur war anders aber er strahlte die selbe Autorität und Würde wie Rowan aus.

Das war Sicherlich einer der Gründe warum Treep auch mit ihm immer gerne zusammen gearbeitet hatte.

Apropos Rowan.

Er vermisste seinen alten Freund natürlich sehr und wenn das hier vorbei war würde er ihn endlich einmal besuchen.

“Guten morgen Vern”, sagte Muldoon und stand auf während er Treep die Hand reichte. “Ungewöhnlich dich schon so früh zu sehen.”

“Das stimmt, aber am morgen stehen die Chancen für ein Gespräch mit dir immer am Besten.”

“Das bringt der Job leider mit sich”, lächelte Muldoon schmal. “Aber um was geht es denn überhaupt.”

“Um meine Pensionierung Fargos.”

“Ah ja”, sagte Muldoon und klang etwas bedrückt. “Musste ja irgendwann kommen, hm.”

“Ja leider. Ich werde langsam zu alt für alles.”

“Wann ist es soweit?”

“Ich habe vor noch dieses Schuljahr mitzumachen. Bei den neuen Schülern müsste jemand dabei sein den ich zum Fuma ausbilden kann.”

“Gute Schüler haben wir dieses Jahr genug. Alle im oberen Bereich des Durchschnittes.”

“Jemand besonderes?”

“Wir haben da zwei Talente. Aber ich glaube nicht das die geeignet sind.”

“Warum?”

“Der erste ist ein Nate.”

“Sag bloß du suchst jetzt schon einen Nachfolger?”

“Nein, aber Großmeister Nate war einer der besten Großmeister des Ordens. Vielleicht ist sein Enkel ähnlich talentiert.”

“Der Zweite?”

“Ein Unbekannter was den Orden betrifft. Der Schriftliche Test war durchschnittlich und der Schwerttest brachte ihn auf den letzten Platz.”

“Klingt nicht beeindruckend.”

Muldoon rief mit ein paar Befehlen einen Holoschirm über der Tischplatte entstehen auf denen die Daten von Kyle Nate und Jack Raynor standen.

Treep lass sie sich kurz durch.

“Nein, die Beiden sind nicht für meine Zwecke geeignet.”

“Auch gut, wenn du willst kann ich dir die Schulakten zusenden. Dann kannst du dir in Ruhe einen der anderen Schüler aussuchen.”

“Ja, das wäre gut.”

“Dann werde ich schon einmal den Papierkram für dich vorbereiten, damit wir bei deiner Pension bereit sind.”

“Papierkram”, wiederholte Treep. “Heutzutage geht das doch alles mit den Computern.”

“Richtig, aber diese alten ausdrücke verlernt man nicht so leicht.”

“Wohl war, da wäre noch was.”

“Bitte.”

“Ich habe gehört Marvin Hart ist wieder zurück.”

“Ja, ich habe ihn gebeten wieder zurückzukommen.”

“Hast du vor ihn als Lehrer einzusetzen?”

“Nein, ich dachte er ihn als Meister einzusetzen wenn die Schüler den Unterricht abgeschlossen haben.”

“Ich weiß, er war dein Novize und auch ein guter Freund aber meinst du er ist der Aufgabe gewachsen?”

“Marvin war immer ein guter Schüler, ein hervorragender Novize und ein überaus geschickter Meister. Seine Auszeit hat ihm gut getan, er ist reifer und vor allem diplomatischer geworden. Es wäre eine Verschwendung ihn nicht zu bitten es zu tun.”

“Das hoffe ich, den es wäre eben so eine Verschwendung wenn er einen Novizen verziehen würde.”

“Da mache ich mir keine Sorgen. Ich denke viel mehr er wird einen besseren Bezug zu seinen Novizen haben als die meisten anderen.”

“Seinen Novizen?”

“Ich habe beschlossen das er sowohl Kyle Nate als auch Jack Raynor ausbilden wird.”

“Es gab bis jetzt nur einen Meister der zwei Novizen ausgebildet hat. Einer davon ist tot, der andere gilt als verschwunden.”

“Keine schöne Geschichte, aber auch das ist schon fast sechzig Jahre her. Trotzdem, gibt es Gründe für meine Entscheidung. Gute Gründe. Sie betreffen sowohl die beiden Jungen als auch Marvin. Die beiden können einmal ganz groß werden, da bin ich mir sicher. Da liegt es nahe das der beste Schwertkämpfer den wir haben die beiden auf diesem Weg begleiten und helfen wird. Marvin hingegen braucht eine Herauforderung, einen Gegner der ihm gewachsen ist. Wenn er die Möglichkeit bekommt gleich zwei solcher Gegner selbst zu unterweisen wird er sein Bestes geben um das zu bewerkstelligen.”

“Hört sich so an als wüstest du was du da tust. Ich selbst hoffe natürlich ebenso darauf wie du.”

“Gut, dann nehme ich an wir sind hier fertig.”

“Noch nicht ganz.”

“Heute morgen bist du wirklich sehr redselig.”

“Bist du dir was die Besetzung der Meister für den Unterricht angeht sicher?”

“Selbstverständlich.”

“Erlaube mir trotzdem ein Auge auf die Geschehnisse zu haben, solange ich noch da bin.”

“Ich weiß zwar nicht warum, aber wenn du meinst es wäre besser, bitte.”

Treep sah sich im Zimmer um.

Es hatte sich nicht Verändert seit dem letzten mal als Abraham Rowan es verlassen hatte.

Keine Veränderung.

Es war erstaunlich wie Rowan und Muldoon sich glichen. Dahingegen war es ebenso erstaunlich wie Muldoon und Hart sich unterschieden. Sie waren gänzlich anders und doch traute Muldoon dem jungen Mann so einiges zu.

Vielleicht war es auch nur übergeordnete Gefühlsdusselei.

So etwas kam nicht selten vor. Ein Meister und sein Novize verbrachten viel zeit miteinander und es konnte vorkommen das sie so etwas wie eine Eltern - Kind Beziehung hatten.

In diesem Fall war das ein gutes Beispiel.

Marvin Hart war ein Waisenkind und Fargos Muldoon kam aus einem Witwer Haus. Vielleicht lag es daran das die Beiden sich so gut ergänzten.

Treep sorgte sich nicht das Marvin Hart irgendwelche Probleme machen würde. So fern er sich sorgen machen musste so beraff das andere Dinge.

“Ich wollte nur das du bescheid weißt”, sagte er schließlich.

“Am besten du machst das mit Emilia aus. In der nächsten Zeit habe ich eine Menge mit den neuen Reformen der Regierung um die Ohren. “Meyer ist wieder auf Kriegskurs.”

“Jedes Mal wenn er irgendwelche wichtigen Dinge gelöst hat, kommt er wieder auf den Tempel zurück”, nickte Treep. “Es ist mir ein Rätsel wie er immer noch Präsident sein kann.”

“Er hat seine Tricks und leider sind die so simpel und legal das man nichts machen kann. Aber vielleicht wird die nächst Wahl ihn zum Verhängnis. Es gibt immer mehr Probleme in der Bevölkerung. Ganz besonders zum Punkto Extraterresten.”

“Ich habe von den Vorfällen gehört”, sagte Treep.

“Es ist ganz klar, das die Menschen auf die Barrikaden gehen, wenn immer mehr Extraterresten auf die Erde kommen und die arbeiten erledigen die auch von Menschen erledigt werden können. Bei der steigenden Armut ist das nur zu verständlich. Trotzdem dürfen grade wir als Crusader nicht zulassen, das den Extraterresten hier auf der Erde etwas zustößt.”

“Für diese Ansicht könntest du in die Kritik geraten. Sowohl hier drinnen als dort draußen.”

“Der Grund dafür das der Orden der Crusader gegründet wurde war den Menschen in Notzeiten Schutz und Hilfe zu bieten. So hielten wir es dann auch mit den anderen Völkern. Grade jetzt müssen wir sowohl den Extraterresten als auch den Menschen helfen, damit sie sich nicht gegenseitig zur Bedrohung werden.”

“Gute Rede, aber was willst du tun? Polizei und Armee können nichts sinnvolles Unternehmen. Wenn es schlimmer wird könnte Meyer das Kriegsrecht ausrufen.”

“So schwerwiegend sind die Probleme noch nicht.”

“Ja, aber Meyer ist nicht grade für seine Zurückhaltung bekannt. Wenn es hart auf hart kommt wird er es tun, so viel ist sicher.”

“Dann müssen wir uns darauf vorbereiten im Notfall einzugreifen.”

“Auf welcher Seite sollen wir dann stehen?”

“Auf der Richtigen Vern, auf der Richtigen.”

Eric stand in der Reihe vor der Essensausgabe. Kyle stand hinter ihm, dahinter Irvin und irgendwo weiter hinten auch noch Jack.

Der Meister, Eric hatte seinen Namen vergessen, hatte sie angewiesen sich in einer Reihe aufzustellen und sich ihr Essen abzuholen. Dann sollten sie im Anschluss daran zurück in die Unterkunft gehen und dort warten bis man sie rufen würde. Alle sahen hier irgendwie gleich aus. War ja auch kein wunder immerhin trugen sie alle ihre Schuluniformen, die so aussahen wie die Uniformen der Meister. Mit dem Unterschied das sie graue Hemden trugen statt die Hemden die Zeigten welcher Gruppenart die Meister angehörten.

Also standen sie alle da, in einer grauen Reihe und warteten.

Hinter sich konnte Eric Kyle erzählen hören. Der konnte irgendwie immer begeistert sein, nicht das es Eric störte, aber andere bestimmt irgendwann.

Er warf einen Blick über die Schulter. So wie es aussah hatte Kyle es sich zur Aufgabe gemacht Irvin ein wenig auftauen zu lassen. Der Kleine sah ihm interessiert an und hörte aufmerksam zu.

Eric empfing seine Essensration und wartet auf Kyle und Irving. Zusammen schlenderten sie an den Sitzbänken vorbei. Es gab eine gewisse Einteilung, nicht festgelegt aber durchaus erkennbar.

Nahe an der Tür saßen die Meister. Längs davon, nahe an der Essensausgabe waren die Plätze der Novizen. Was übrig blieb wurde einfach von den Schülern besetzt. Vereinzelt saßen auch hier ein paar Novizen dazwischen.

“Setzen wir uns dort hin”, sagte Eric und deutete auf einen der halbbesetzten Langtische während er sein Tablett mit einer Hand jonglierte.

“Lass uns da rüber gehen”, entgegnete Kyle und deutete auf einen kleineren Tisch an der anderen Seite der Halle.

Ohne eine Antwort abzuwarten schlenderte er los.

“Na dann”, nickte Eric Irvin zu und folgte Kyle mit dem Kleineren im Schlepptau.

Auch wenn es erst so ausgesehen hatte, so war der Tisch nicht leer. An dem Fenster saß schon ein Junge.

“Alles klar”, fragte Kyle und setzte sich dem Jungen gegenüber.

Der Junge ignorierte ihn und aß weiter.

Jetzt erkannte Eric das es Jack war der hier saß.

Vorsichtig setzte er sich neben Kyle während Irving sich neben ihn setzte.

“Guter Platz”, nahm Kyle das Gespräch wieder auf.

Jack sah mit einem missmutigen Blick hoch, konzentrierte sich dann jedoch wieder auf sein essen.

Eric merkte sofort das Jack definitiv keine Gesellschaft wünschte. Schon gar nicht jemand wie Kyle der dauernd auf gute Laune aus war. Das konnte nicht gut gehen.

“Was meint ihr wie die ersten Stunden so sind”, fragte er und trank einen Schluck Saft.

Irvin schien die drohende Gefahr zu spüren und machte sich noch kleiner als er schon war.

“Vielleicht sollten wir erst mal etwas essen”, sagte Eric. “Danach können wir uns darüber Gedanken machen.”

Natürlich hoffte er das Jack schneller als sie fertig war und gehen würde. Alles konnte passieren wenn es Eric recht war, aber mit diesem Typen wollte er keinen Streit vom Zaun brechen.

Beunruhigend war nur, das Kyle das Essen förmlich in sich hinein schaufelte und Jack so langsam ass das letztendlich Kyle zuerst fertig war.

“Also was haltet ihr davon”, fragte er noch bevor er aufgekaut hatte.

“Wovon”, fragte Irvin fast unmerklich.

Das er überhaupt etwas sagte verblüffte Eric etwas, aber er sagte nichts um den Kleinen nicht zu verunsichern.

“Na wie unsere ersten Stunden sein werden? Was wir so als Fächer haben und so eben. Ich glaube... .”

“Musst du eigentlich ständig reden”, fragte Jack und setzte sich grade hin.

“Nicht ständig nur meistens”, erwiderte Kyle ohne Hintergedanken.

“Du solltest das lieber lassen.”

“Hey Großer, ganz ruhig”, sagte Kyle etwas gekränkt. “Ich bin wie ich bin.”

“Meinetwegen”, sagte Jack und erhob sich mit seinem Tablett. “Dann sei wie du bist, aber sei es möglichst weit weg von mir.”

Damit drehte er sich um und ging davon. Eric war heilfroh, das es nicht zu einem Eklat gekommen war. Doch er hatte die Rechnung ohne Kyle gemacht. Dieser erhob sich jetzt ebenfalls.

“Warte mal”, rief er Jack hinter her. “Keinen Grund so unhöfflich zu sein.”

Eric stellte erschreckt fest, das ihr Tisch jetzt der Mittelpunkt der umliegenden Tische geworden war.

Es waren fast keine Novizen da und Meister auch nicht. Das konnte nicht gut gehen.

Vorsichtig legte er seine Hand auf Kyles unterarm.

“Lass es lieber.”

“Von wegen”, entgegnete Kyle. “Ich hab ihm nichts getan, also brauch sich dieser Ochse nicht so aufzuführen.”

Das hatte gereicht. Natürlich hatte Kyle das so laut gesagt, das Jack es hören musste und die Meisten anderen Schüler auch.

Sofort wurde es Mucksmäuschen still. Geräuschvoll stellte Jack sein Tablett auf den Tisch neben dem er stand ab und drehte sich langsam um.

“Was hast du gesagt”, fragte er so bedrohlich ruhig das Eric sich bereit machte in Deckung zu springen falls er sich auf Kyle stürzen würde,

“Ich habe gesagt, das du dich nicht so aufführen brauchst wie ein Ochse,”

“Du bewegst dich langsam immer mehr auf sehr dünnen Eis du Nervensäge.”

“Willst du mir etwa erzählen wie ich mich zu verhalten habe?”

“Ich sagte schon, mach was du willst aber nicht in meiner nähe”, sagte Jack und drehte sich wieder zum gehen.

“Verlangst du etwa ich soll in unserem Zimmer de Mund halten wenn du da bist?”

“Entweder das oder du suchst dir ein anderes Zimmer.”

“Blöder Idiot”, sagte Kyle so laut das es wirklich niemand mehr überhören konnte.

Zu Erics Erleichterung reagierte Jack jedoch nicht darauf und ging einfach.

“Also wirklich”, sagte Kyle und setzte sich gekränkt wieder hin. “Als ob ich soviel reden würde.”

“Na ja”, räusperte Eric sich. “Manchmal tust du das schon.”

“Ach so”, sagte Kyle überrascht. “War mir gar nicht bewusst.”

“Na dann halt dich doch einfach etwas zurück”, schlug Eric vor.

“Von wegen. Ich lasse mich doch nicht von dem Kerl einschüchtern. Der wird sich schon wundern.”

Eric seufzte und sah zu Irvin hinab.

“Du hast es gut”, flüsterte er ihm zu. “Du bist so unauffällig, das dich niemand bemerkt und du brauchst dich nicht um so was hier zu kümmern.”

Irvin lächelte schmal.

“Also ist es sehr dringend, ja?”

Orkus Meldorn stand kerzengrade vor dem Schreibtisch und erinnerte an eine Büste eines alten und erhabenen Königs aus längst vergangenen Zeit. Anders als Fargos Muldoon schien er nicht wesentlich gealtert zu sein. Sein kurzes, messerscharfgeschnittenes Haar war immer noch Rabenschwarz und auch sein Spitzbart wies noch keine Melierung auf. Meldorn war lang und drahtig und sein Gesicht ähnelte dem eines wartenden Fuchses.

“Das sagte ich dir doch eben grade.”

Emilia Cinderdrake saß hinter dem Schreibtisch und arbeitete an ihrem Tischcomputer. Ihre Haare waren immer noch kurz, aber verloren schon leicht an Farbe. Auf der Nase trug sie eine Brille die ihren Blick noch schärfer erschienen lies.

“Dann werde ich mich also vorerst um die Schüler kümmern”, nickte Meldorn so knapp das es einem fast nicht auffiel.

“Nur eine Woche”, erwiderte Emilia Cinderdrake. “Dann komme ich wieder.”

Ihr war gar nicht wohl bei dem Gedanken, immerhin kannte sie Orkus Meldorn sehr gut. Er war nicht der Mann dem man eine Gruppe Schüler anvertrauen sollte, aber zur Not war Fargos Muldoon noch hier um ihn zu bremsen.

Natürlich wäre sie lieber hier geblieben, aber für diese Mission wurde ein Meister oder in diesem Fall eine Meisterin mit einem großen Erfahrungsspektrum gesucht. Das hatte Emilia Cinderdrake definitiv.

Sie gehörte zu den wenigen Meistern des Crussader Ordens die über Kampferfahrung verfügten.

Ziemlich viel Kampferfahrung. Das sie einen hervorragenden Wächter abgegeben hätte wusste sie, aber ihr hatte der Sinn mehr danach gestanden Schülern alles beizubringen was sie wissen mussten wenn es zu einem Kampf kam.

Ihr war nur allzu bewusst, das so gut wie alle Schüler in ständiger Angst vor ihrer Strenge lebten. Doch sah sie darin eher einen Vorteil als einen Nachteil. So lernten die Schüler mehr und vor allem unter druck zu arbeiten. Ironischerweise, war der einzige Schüler den sie je gehabt hatte, der nie Angst gehabt hatte jetzt wohl einer der beste Schwertkämpfer des Ordens. Aber Marvin Hart war auch ein Ausnahmeschüler gewesen. Als ob er nie etwas anderes als Schwertkampf gemacht hatte, war er in der ersten Stunde aufgefallen.

“Soll ich in deiner Abwesenheit hier auf alles achten”, fragte Meldorn und holte sie aus ihren gedanken zurück.

“Du bist stellvertretender Ausbildungsleiter”, sagte Emilia Cinderdrake trocken.

Als ob er das nicht wusste. Orkus Meldorn war immer schon jemand gewesen der unbedingt von anderen hören wollte was er ohnehin schon wusste. Vor allem wenn es Dinge betraf die ihm zu gute kamen. Für Emilias Geschmack war er eine Spur zu arrogant um ein guter Crussader zu sein. Allerdings war er zusammen mit Fargos Muldoon Jahrgangsbester geworden als sie zu Novizen ernannt wurden.

Und er war der erste von beiden den man zum Meister ernannt hatte.

Das alles schien schon so lange zurück zu liegen, das Emilia einmal mehr merkte das sie nicht mehr die Jüngste war. Aber zu alt war sie definitiv nicht.

“Damit wir uns verstehen Orkus”, sagte sie und funkelte ihn über den Rand ihrer Brille an. “Ich will keine Experimente oder Abweichungen vom Unterrichtsplan. Meine Schüler, meine Ausbildung.”

“Natürlich”, entgegnete Meldorn und hob die Hände beschwichtigend nach oben. “Wie du wünscht. Allerdings brauch ich für diese Zeit einen Vertreter der mir etwas hilft.”

“Such dir jemand aus wenn du willst”, entgegnete Emilia.

“Dann würde ich gerne Desothes nehmen. Er war immerhin mein Schüler und wir arbeiten gut zusammen.”

“Wie gesagt, es liegt in deinem ermessen.”

Das sagte sie zwar, aber denken tat sie etwas völlig anderes.

Desothes Gartget war der einzige Schüler der Orkus Meldorns Training jemals vollständig durchlaufen hatte. Außerdem glich er Meldorn in vielerlei Hinsicht. Vor allem im Kampfstiel. Der sehr aggressive Ragasz Ha Itme -Stiel. Aber Meldorn hatte schon zu seiner Schulzeit diesen Stiel selbst auf sich abgestimmt und sein Musterschüler Gartget hatte das auch getan. Es war soweit gegangen das er nur noch mit dem Übungsroboter trainieren durfte, weil der die anderen Schüler immer wieder verletzte. Angeblich unabsichtlich, aber Emilia wusste das er es nicht unterlies selbst wenn er es umgehen konnte.

Letztendlich war nur Marvin Hart ihm gewachsen gewesen.

Beim großen Tournier in der Klasse der Novizen hatte er Gartget in seine Schranken verwiesen.

Es kam allerdings manchmal vor das Schüler oder Novizen, die zu schnell zu gut worden, sich für unbesiegbar hielten.

“Wer kümmert sich in deiner Abwesenheit eigentlich um den Schwertunterricht?”

“Ich habe schon jemanden im Auge, nur fragen muss ich ihn noch”, sagte Emilia und schaltete das Display ab.



Jack Raynor setzte sich auf eine der freien Bänke die an dem Weg standen der zu den Unterkünften führte. Irgendwie hatte er sich das anders vorgestellt. Eigentlich hatte er gedacht das die Sache mit den Crusadern ihn aus dem Waisenhaus heraus in eine gewisse Freiheit bringen würde.

Das stellte sich allerdings als Fehler heraus. Nicht nur das er sein Zimmer mit dem wohl nervigsten Typen den es hier weit und breit gab teilen musste, nein er würde hier auch noch zur Schule gehen müssen.

Davon hatte dieser Kerl namens Muldoon nichts erwähnt.

Aber was tun?

Bestimmt ließen die ihn hier nicht so einfach wieder raus. Außerdem musste er dann wahrscheinlich wieder zurück ins Waisenhaus und das war wirklich der letzt Ort zu dem er hinwollte.

Dort gingen ihm alle aus dem Weg und mieden ihn.

Das war ihm nur recht, den er war nie jemand der sich gerne unterhielt oder Gesellschaft brauchte. Irgendwie war ihm die Einsamkeit sehr vertraut und sie fühlte sich für ihn richtig an.

Im Waisenhaus jedoch grenzten sie ihn nicht nur einfach aus, sondern sei suchten oft genug streit mit ihm. Ihr Pech, den er ging immer als Sieger aus Schlägerein hervor, egal wie viele Gegner er hatte.

Es gab, so glaubte er, im Waisenhaus niemanden den er noch nicht verprügelt hatte.

Allerdings hatte ihm das weder Respekt noch Ruhe eingebracht.

Doch auch hier hatte er nicht die Ruhe die er wollte.

“Nicht beim Essen?”

Jack schielte zur Seite. Der Mann der hinter der Bank stand hatte sich leicht über die Rückenlehne gebeugt und beobachtete die Wiese vor sich.

Jack antwortete nicht und sah selber wieder auf die Wiese.

“Hm, gesprächig bist du aber nicht grade”, sagte der Mann unverändert freundlich.

“Nein”, sagte Jack und hoffte den Mann damit loszuwerden.

Fehlanzeige, stattdessen schwang der Mann sich über die Bank und setzte sich neben ihn.

“Hier habe ich auch immer gesessen wenn ich meine Ruhe haben wollte”, erklärte der Mann.

“Natürlich ausgerechnet hier”, brummte Jack der wusste wohin das führen würde.

“Nicht nur hier”, sagte der Mann und deutete mit einer ausholenden Geste auf den ganzen Bereich. “Ich habe auf jeder Bank hier gesessen.

Wenn ich dir einen Tipp geben darf, wenn es ein schöner Tag ist, mit viel Sonne, dann solltest du die Bank dort hinten nehmen. Nicht zu schattig nicht zu warm, perfekt.”

Jack sah zu dem Mann hinüber. Eine feine Narbe zierte sein Gesicht von der Wange bis zum Kinn.

“Ich könnte die Narbe weg machen lassen”, sagte der Mann schließlich ohne das er gesehen hatte das Jack sie betrachtete. “Aber sie gehört zu mir so wie manche Eigenarten zu anderen Menschen gehören. Man muss nur lernen damit zu leben ohne das man sein Leben davon bestimmen lässt.”

Langsam fuhr er mit dem Finger die Narbe entlang.

“Eine Sekunde nicht aufgepasst. Eine weitere Sekunde und es wäre noch schlimmer gewesen”, er lächelte schief. “Sei es drum, immerhin kann ich jetzt noch drüber lachen. Es ist wohl wie man sagt, nie zu spät etwas zu bereuen.”

Damit stand der Mann auf und schlenderte zu dem Hauptgebäude hinüber.

Jack sah ihm kurz nach. Wer war das denn gewesen? Ein merkwürdiger Typ. Allerdings verspürte Jack das erste mal so etwas wie Sympathie. Dieser Mann schien schon einiges durchgemacht zu haben.

Das stand fest.

Nach kurzem Überlegen stand Jack auf und ging zu der Bank hinüber die ihm der Mann empfohlen hatte. Allerdings blieb er davor stehen, schüttelte schließlich kurz den Kopf und ging dann den Weg zurück zu den Unterkünften.

Marvin Hart betrat das Hauptgebäude. Zuvor hatte er es durch den Nebeneingang zum Speisesaal verlassen. Ihm war der kleine Streit zwischen Kyle Nate und Jack Raynor nicht entgangen. Gestern Abend noch hatte er sich die Dossiers der Beiden angesehen. Dort stand alles drin was man durch fragen und beobachten über die Beiden wusste.

Sie hatten mehr gemeinsam als sie dachten. Einzig ihre Grundeinstellung war absolut anders. Der Offene und der Verschlossene.

Es stimmte was Muldoon gesagt hatte, dieser Jack hatte ziemlich viel mit ihm gemeinsam. Früher jedenfalls. Der Junge gefiel ihm, auch wenn es ein Stück arbeit werden würde ihn in die Richtige Richtung zu lenken, aber Arbeit hatte Marvin noch nie gescheut.

“Mr. Hart, da sind Sie ja, ich wollte grade zu Ihnen.”

Marvin konnte nicht verhindern das er leicht zusammenzuckte als er die Stimme hörte die ihn ansprach. Plötzlich fühlte er sich wieder als Schüler und befürchtete etwas angestellt zu haben.

Aber nur einen Augenblick. Als er sich umdrehte war er ruhig und gefasst.

“Meisterin Cinderdrake”, sagte er und nickte leicht. “Es freut mich Sie wiederzusehen.”

“Sie brauchen gar nicht so zu übertreiben”, erwiderte sie ungewohnt herzlich. “Hätten Sie wohl einen Moment Zeit?”

“Natürlich, warum nicht.”

“Dann kommen Sie mit”, sagte sie und marschierte zügig los.

Marvin ging hinter her. Dieses Mal jedoch konnte er ohne Mühe mithalten, da er ja nun etwas größer war als damals.

Emilia Cinderdrake stoppe vor dem Ausbildungsleiter Zimmer. Man konnte sagen es war so etwas wie ein Direktorzimmer bei einer normalen Schule und Marvin hatte hier viel Zeit verbracht.

Überraschender Weise war die alte Einrichtung verschwunden. Weniger überraschend war das es nun auf die effiziente Arbeitsweise von Emilia Cinderdrake ausgelegt war.

“Setzen”, sagte Emilia Cinderdrake während sie selbst platz nahm.

Marvin saß schneller als ihm bewusst war.

“Ich komme gleich auf den Punkt”, erläutert Emilia Cinderdrake. “Ein wichtiger Auftrag erfordert meine Anwesenheit und während meiner Abwesenheit wird Meister Meldorn die Leitung des Unterrichtes und der Lernfelder übernehmen. Allerdings wäre mir sehr daran gelegen wenn Sie sich um den Schwertkampfunterricht für die neuen Schüler kümmern würden.”

“Wenn es sein muss”, sagte Marvin eine spur zu unmotiviert um ein leichtes Zucken in Emilias Unterkiefer zu erzeugen.

“Sein Sie etwas motivierter. Es ist eine große Ehre diesen Unterricht zu führen. Bedenken Sie das es Ihnen obliegt welche Schüler wie gefördert werden.”

“Ich möchte nicht undankbar erscheinen, aber warum grade ich?”

“Seit wann sind Sie so bescheiden? Sie wissen doch selbst am Besten das sie der Beste sind den wir haben um den Schülern den Schwertkampf beizubringen.”

“Da haben Sie wohl recht Meisterin”, sagte Marvin unschuldig.

“Wenigstens haben Sie Ihr Selbstvertrauen noch”, sagte Emilia Cinderdrake und lächelte leicht.

“Oh, das werde ich auch nicht verlieren”, entgegnete Marvin.

“Auch wenn ich es Bereuen werde das gesagt zu haben, aber ich hoffe das sie das auch nie verlieren. Aber gut, ich will Sie nicht länger aufhalten. Außerdem muss ich selbst noch einige Sachen klären.”

Marvin stand auf und ging zur Tür.

“Ich wünsche euch viel Glück Meisterin. Bis wir uns wiedersehen.”

“Danke Marvin. Bis wir uns wiedersehen.”

“Beeil dich doch”, mahnte Eric Kyle, der noch immer in seinem Schrank kramte.

“Ich hab es gleich”, entgegnete Kyle und suchte weiter.

“Wie kann man nur seinen Handheld verlieren? Vor allem in nicht mal einen Tag?”

“Ja, ja ist ja gut Mutter.”

Eric schüttelte den Kopf. Aber ehrlich gesagt hätte er schon gerne gewusst wo Kyle seinen Handheld hingetan haben konnte. Gestern Abend hatte er ihn noch und mitgenommen hatte er ihn heute auch noch nicht. Irgendwoher hatte Eric jedoch gewusst das es so etwas sein würde weswegen er am ersten Tag zu spät kommen würde.

“Wie sieht’s aus”, fragte er Irvin der halb auf dem Flur stand.”

“Sind schon alle weg”, sagte er leise als müsste er möglichst still sein.

“Hast du ihn überhaupt in den Schrank gelegt”, fragte Eric Kyle.

“Ich glaube nicht”, sagte Kyle und stoppte das Herumgehkrame um sich kurz umzusehen. “Da ist er ja!”

Kyle ging zu seinem Bett hinüber und nahm triumphierend den Handheld vom Kopfkissen.

“Hast du nicht erst mal den Raum abgesucht bevor du deine Sachen durchsucht hast?”

“Nein, ich dachte er wäre da drin gelandet.”

“Oh je”, seufzte Eric und die Drei machten sich auf den Weg .

“Wo müssen wir überhaupt hin”, fragte Kyle schließlich.

“Woher soll ich das wissen”, gab Eric ernüchternd zurück. “Ich bin genau so lange hier wie du?”

“Dann kriegen wir ne ganze Menge ärger”, seufzte Kyle. “Kein guter start.”

“Ach und wer ist daran Schuld?”

“Ja, tut mir leid aber....”

Sie mussten ganz plötzlich stehen bleiben da sie sonst in einen Mann hinein gelaufen wären.

“Entschuldigung”, platze Irving heraus.

Ziemlich laut für den ansonst sehr schweigsamen Jungen.

“Hey, kein Problem”, sagte der Mann und lächelte leicht. “Aber was macht ihr hier? Alle Schüler sollten doch jetzt im Unterricht sein.”

“Wir haben uns leider etwas verspätet und wissen nicht wo wir überhaupt hinsollen”, sagte Eric.

“Stimmt, ihr kennt euch hier ja nicht so gut aus. Ihr müsst einfach... . Ach was ich bringe euch hin. Kommt.”

Kyle, Eric und Irvin folgten dem Mann der mit ihnen durch ein paar Gänge nach Osten ging.

“Ist das ein Meister”, fragte Kyle Eric.

“Ja, scheint so. Er hat aber keine Auszeichnungen oder so was. Anscheinend ist er noch ganz neu.”

Es war kein langer Weg, aber wenn man nicht aufpasste konnte man sich leicht verirren. Zudem sahen alle Türen gleich aus und hatten nur eine kleine Datentafel an der Seite.

“Das hier sind die Quartiere der Meister”, erklärte der Mann. “Tut mir einen Gefallen und geht morgen nicht hier lang, da es zwar kürzer ist aber nicht gerne gesehen wird.”

Als sie die Quartiere durchquert hatten kamen sie zu einem langen Gang. Hier trugen die Türen merkwürdige Aufschriften die wohl Abkürzungen für Bezeichnungen waren.

Der Meister blieb vor einer der Türen stehen und berührte die Datentafel an der Seite kurz mit der Hand.

Mit einem leisen hydraulischen zischen glitt die Tür Seitwärts auf und gab den Eingang in einen Klassenraum frei.

Der Meister schob die Drei hinein und kam Ihnen dann nach.

Alle Schüler hatten sich zu Ihnen umgedreht und auch der Mann der vorne am Ende des Zimmers hinter einem Pult stand sah zu Ihnen hinüber.

“Ah ja”, sagte er schließlich. Sie drei dürften dann Irvin Creev, Kyle Nate und Eric Parker sein. Wir haben Sie schon alle vermisst.”

“Entschuldigen Sie bitte Meister Clausner”, sagte der Mann. “Diese Drei Schüler hier haben mir geholfen. Deshalb sind sie auch etwas verspätet. Bitte entschuldigen Sie mir dieses kleine Missgeschick.”

“Geholfen hm? Nun gut. Hätten die Herren dann die Güte sich einen Platz zu suchen damit wir fortfahren können?”

“Ja Meister”, entgegneten die drei gleichzeitig und nahmen auf den Plätzen nahe der Tür Platz. Kyle und Eric nebeneinander und Irvin vor ihnen.

“Gut dann Schüler”, sagte Meister Clausner. “Darf ich euch gleich einen unserer bekannteren Meister vorstellen. Er ist erst vor kurzem zum Meister ernannt worden. Unser amtierender Sieger des Schwertturniers für Novizen: Nathan Blaidge.”

“Hi”, sagte Nathan und lächelte den Schülern zu. “Hört besser gut zu was Meister Clausner sagt. Seine Test sind berüchtigt.”

“Danke Meister Blaidge. Wenn Sie uns jetzt entschuldigen würden?”

“Natürlich, entschuldigen Sie bitte nochmals.”

Damit verließ Nathan Blaidge den Raum und nickte Kyle, Eric und Irvin noch einmal kurz zu.

“So, da jetzt alle da sind werden wir uns ersteinmal Vorstellen”, begann Clausner.

Eric war froh das Meister Blaidge ihnen geholfen hatte. Anscheinend waren sie noch mal um einen gewaltigen Ärger herumgeschlitert.

Er wollte Kyle einen erleichterten Blick zuwerfen, doch der beobachtet ein Mädchen das in der gleichen Reihe wie sie beide saß. Nur drei Plätze entfern.

Anscheinend das Mädchen von dem er ihm erzählt hatte.

Na gut, dann würde er Kyle eben später sagen, das solche Dinge wie das zugspät kommen zum unterricht viel zu aufregend für ihn waren und das sie sich so was bitte in Zukunft sparen sollten.

Bei dem Wort Zukunft wurde Eric sich bewusst das er diese jetzt mit Kyle und Irvin zusammen durchleben würde. Das war allerdings auch nicht das Schlecheste.